Wenn das “Baby” erwachsen wird

Sport / 16.07.2026 • 16:49 Uhr
Wenn das "Baby" erwachsen wird
Gab einen Einblick in sein Tun als WM-Projektleiter: Christian “Chisi” Speckle.Roland Paulitsch

Im Sommergespräch richtet WM-Projektleiter Christian Speckle seinen Blick auf “Montafon 2027”.

Feldkirch Es ist der “Tag danach”, der Tag nach dem für den eingeschworenen England-Fan Christian Speckle so emotionalen WM-Aus der Three Lions. Seit seinem achten Lebensjahr, so verrät der Projektleiter von “Montafon 2027”, seit der WM 1986, der Lineker-Ära, hofft er auf den zweiten Stern auf dem Trikot mit dem englischen Wappen. Doch wie damals war erneut Argentinien Spielverderber, und so kam das Gespräch rasch auf die FIS Snowboard-, Freestyle- und Freeski-Weltmeisterschaft im März 2027. Da ist dann auch rasch das Kribbeln zu spüren, das trotz der beschaulichen Gesprächsatmosphäre im privaten Umfeld sein tägliches Tun bestimmt.

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Dabei blickt der 48-Jährige gerne zurück in das Jahr 2016, als die Idee “geboren” wurde. “Prüf doch einmal, ob es funktionieren kann”, lautete damals der Auftrag an ihn, nach einem Vier-Augen-Gespräch mit Montafon Tourismus. “Dann war es über vier, fünf Jahre hinweg wirklich so eine Art Alleinprojekt, bevor wir alle ins Boot geholt haben”, erzählt Speckle. Dabei ging es um Dinge wie “Pisten vermessen, zu überlegen, wo was funktionieren könnte, erste Budgetdaten sammeln, selbst ein Budget erstellen und Zimmerkontingente prüfen”.

Wenn das "Baby" erwachsen wird
Ein Gespräch in entspannter Atmosphäre: Christian “Chisi” Speckle.Roland Paulitsch

Jetzt, zehn Jahre später, fährt er fast täglich vorbei an der neuen Steinsäule, erbaut mit Steinen aus allen Gemeinden im Montafon, die die Gäste beim “Eingangstor” in die Talschaft begrüßt. Beim Anblick dessen überkommt ihn zuweilen ein wenig Stolz – und dann muss er sich schon mal kneifen. “Es ist schon cool, wenn eine Idee, die 2016 geboren worden ist, jetzt sichtbar ist und – egal, was passiert – umgesetzt wird. Ob ich am Ende dabei bin oder nicht: Das Ding wird es geben. Irgendwie Wahnsinn, aber es ist immer noch mein Baby.”

Montafon 2027
In Lorüns, dem „Eingangstor“ ins Montafon, ist die WM bereits präsent. VN
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Machte beim WM-“Kick-off” eine gute Figur: Alessandro “Izzi” Hämmerle. gepa

Ein Megaevent

Wie auch immer, die 16 WM-Tage im März 2027 werden alle bisherigen Wintersport-Events im Ländle in den Schatten stellen. Allein die weltweite Präsenz sorgt im Umfeld der Titelkämpfe für ein bislang noch nie dagewesenes Medienecho. Dafür sorgen auch die Akteure selbst. Olympiasieger:innen und WM-Medaillengewinner:innen werden zuhauf auf den Bergen des Montafons ihre Bewerbe bestreiten und allabendlich die Medal Plaza in Schruns bevölkern. Alessandro Hämmerle (32/SBX), Anna Gasser (34/Snowboard Big Air, Slopestyle) oder Eileen Gu (22/Freestyle-Skifahrerin) sind nur drei Namen, stellvertretend für Teilnehmer:innen aus rund 40 Nationen. Bei knapp fünf Millionen Followern auf Instagram lässt sich wohl erahnen, welchen Mehrwert die Posts von Eileen Gu für das Montafon haben werden. Zum Vergleich: Hämmerle bedient aktuell 16.600, Gasser rund 500.000 auf der Social-Media-Plattform.

Freestyle-Skifahrerin
Posierte als Spanien-Fan in der WM-Arena in Dallas: Eileen Gu.

Freestyle in seiner gesamten Palette ist auch für Speckle Neuland und Herausforderung zugleich. “Snowboard- und Skicross können wir, auch Snowboard-Parallel”, schweift sein Blick in die Vergangenheit. Wobei er dem Montafon eine gewisse Freestyle-Affinität zuspricht, aber in Sachen Buckelpiste oder Aerials-Arena sei man bzw. “sind wir als Veranstalter weit entfernt”.

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Der WM-Macher und Projektleiter Christian “Chisi” Speckle. gepa

Learning by doing

“Genau das war die Challenge: zu schauen, wohin die Reise mit dieser Sache gehen kann. Denn du kannst nicht alles oben am Berg machen. Das funktioniert am Ende des Tages nicht. So hat es sich entwickelt. Deshalb habe ich beispielsweise auch dieses Nordic-Zentrum ins Spiel gebracht. Die Anlage ist damals, 2016, gestanden. Und weil ich früher auch Aerials kommentiert habe, erkenne ich die Kombination aus Skisprungschanze und Big Air. So haben sich die Dinge ergeben. Jetzt finde ich, passt es ganz gut. Natürlich wäre es cool, wenn noch das eine oder andere zusätzlich im Tal wäre. Aber aufgrund der Topografie beziehungsweise Geografie ist das nicht so einfach.” Vieles, so Speckle im Gespräch weiter, müsse berücksichtigt werden. “Die Winter spielen natürlich eine Rolle. Im Talbereich wird das ein Risiko. Bei der Skisprungschanze wissen wir, wie viel Schnee wir brauchen. Momentan gibt es Überlegungen, ob wir den Anlauf mit Matten machen, damit wir uns diesen Teil schon einmal sparen und auch in der Präparation einen Aufwand weniger haben.”

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Insgesamt ist es sein Ziel, das Thema Sportstätten mit all den Themen wie Glasfaserkabeln, TV-Produktion und Infrastruktur bis Sommerende abzuschließen. Auch die Pläne für Sicherheitsnetze, Kabelwege, Container, Videowalls und Audio hätte er gerne bis Anfang September vom Tisch.

Wenn das "Baby" erwachsen wird
Mit vielen Emotionen, aber auch ganz viel Arbeit bei der Sache: Chisi Speckle.Roland Paulitsch

Emotionale Momente

Aktuell laufen im Hintergrund die Vorbereitungen auf die Eröffnungsfeier, die eine einzigartige Lichtshow beinhalten und eine Hommage an die Talschaft sein soll. Viel verraten will Speckle nicht. “Es bleibt noch ein Geheimnis”, schmunzelt er und lässt dann durchblicken, dass Moderne und Tradition eine “große Bedeutung haben, aber es wird kein Heimatabend”. Auch Vorarlberg als Gastgeberland werde Teil der Feierlichkeiten sein, zumal er überzeugt davon ist, dass es in Vorarlberg “in den nächsten 20 Jahren keine annähernd so große Winterveranstaltung” mehr geben werde, “außer Zürs und Lech beteiligen sich an der Ski-WM in St. Anton (Anm. d. Red.: Bewerbung für 2033)”. Dass man zudem mit dem Budget von knapp zehn Millionen Euro sich bei der Hälfte der WM-Kosten von St. Moritz 2025 befindet, zeugt zudem von einem sehr bewussten Einsatz der Ressourcen und einer “sehr guten Zusammenarbeit mit allen Partnern”.

Olympische Winterspiele 2026
Chisi Speckle im Einsatz bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Cortina/Milano.

Persönliches Ziel sind für ihn die SBX-Bewerbe am letzten WM-Wochenende. “Mitfiebern, mitfeiern und vielleicht greife ich ja zum Mikrofon”, wagt der zweifache Familienvater, dessen Beruf(ung) die Moderation von Sportevents ist, auch einen Blick in die Zukunft. Denn: “Wenn ich da noch eine Baustelle regeln müsste, hätte ich in der Vorbereitung einen Fehler gemacht.” Es gilt also, die Zeit (232 Tage) bis zum Auftakt zu nutzen, sodass “sein Baby wachsen” kann.