So kämpft Kirchmann um Vorarlbergs Talentschmiede

Genau deshalb ist der 4. September ein entscheidendes Datum für die Nachwuchsförderung.
Schwarzach Er brennt für das Thema, er brennt für den Nachwuchs – und er kämpft für die Fußballakademie. Wenn der Präsident des Vorarlberger Fußballverbandes (VFV) über den Spitzennachwuchs im Ländle spricht, dann kann er zuweilen schon einmal mit “spitzer Zunge” sprechen. Alfons Kirchmann hält sich dann mit Kritik an der Politik ebensowenig zurück, wie er auch die heimischen Proficlubs mit in die Verantwortung nimmt. Allein, es klingt nie nach Funktionärsfloskeln, sondern vielmehr nach der Sorge, den Anschluss in der Nachwuchsarbeit zu verlieren. Dabei geht es dem in der Schweiz bei der Firma Plaston als Controller beschäftigten Langener um weit mehr als um nackte Budgetzahlen.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Ein wichtiger Termin
Kirchmann steckt seit seiner Amtsübernahme im Verband viel ehrenamtliche Zeit in das Thema “Akademie”. Der “schräge Tausender” und viel Redezeit bei den Amateurclubs haben dabei ihre Wirkung nicht verfehlt. Und so wundert es nicht, dass er im Gespräch mit den VN dem 4. September einigermaßen entspannt entgegenblickt. Dann nämlich soll in einem Spitzengespräch im Landhaus mit Sportlandesrätin Martina Rüscher sowie den Vertretern der Bundesligaclubs Altach und Austria und dem VFV die zukünftige Ausrichtung der Akademie definiert werden. Beide Profiklubs haben Konzepte, laut Kirchmann “sehr gute”, vorgelegt, wie die Akademie künftig organisiert werden könnte. Dabei geht es um Strukturen, Standorte und Finanzierung. Vor allem aber um die Frage: Wie sieht die Nachwuchsausbildung in Vorarlberg in den kommenden Jahren aus? Allerdings macht er unmissverständlich klar: Eine Fußballakademie wird es nur gemeinsam mit dem Verband geben. “Das steht für mich außer Frage. Es kann nur in Zusammenarbeit mit dem VFV funktionieren.” Heißt im Klartext: Alle auszubildenden Spieler bleiben bei ihren Stammclubs.

Seine gute Botschaft an den heimischen Nachwuchs und dessen Eltern: Neben der anstehenden Saison ist auch die nächste (2027/28) finanziell gesichert. “Wir haben auf der Ausgabenseite eingespart und auf der Einnahmenseite besser abgeschnitten als erwartet. Durch Spielerwechsel und Ausbildungsentschädigungen konnten wir einiges auffangen.” Doch Kirchmann weiß auch: Das verschafft lediglich Zeit. Mehr nicht.

Sein größtes Problem sei die fehlende Planungssicherheit. Immer wieder habe es Absichtserklärungen gegeben, verbindliche Zusagen jedoch nicht. “So kann man auf Dauer keinen Betrieb führen.” Vor allem eines beschäftigt ihn dabei: Dass die Zukunft einer Akademie nicht davon abhängen dürfe, ob ein Bundesligist auf- oder absteigt. Er erinnert an den Mai 2025. Hätten sowohl Altach als auch Austria Lustenau ihre Klassenzugehörigkeit verloren, wäre die Finanzierung der Akademie praktisch über Nacht ins Wanken geraten. “Das kann doch nicht sein. Eine Nachwuchsförderung darf nicht vom Tabellenstand eines Profiklubs abhängen.”

Geld anders denken
Kirchmann fordert deshalb kein zusätzliches Geld, sondern vielmehr ein Umdenken. Der öffentliche Fördertopf für den Fußball müsse neu bewertet werden. Nicht mehr die Liga-Zugehörigkeit dürfe allein über die Mittel entscheiden, sondern die nachhaltige Entwicklung des Vorarlberger Fußballs. “Wir müssen überlegen, wie wir die Spitzensportförderung im Fußball neu verteilen. Das ist die entscheidende Frage.” Persönlich sieht Kirchmann, wie schon öfter betont, die Akademie an der Seite eines Profivereins. Das sei auch die grundsätzliche Linie des ÖFB. Dass der VFV selbst eine Akademie führe, sei historisch entstanden. Heute wünsche er sich einen anderen Weg. Allerdings weiß er auch, dass dieser Schritt kein einfacher ist. Die Akademie sei weit mehr als drei Nachwuchsmannschaften. Sie benötigt zusätzliche Plätze, Kabinen, Videoanalyse- und Fitnessräume, eine moderne Infrastruktur. Das könne nicht von heute auf morgen entstehen – und: “Ein Profiverein muss dafür auch bereit sein.”


In der Mehrerau, so Kirchmann, stoße man an die Grenzen. Sowohl in Sachen veralteter Infrastruktur als auch bei einer fehlenden Heimstätte. “In der öffentlichen Wahrnehmung sind wir eine graue Maus. Trainer teilen sich Kabinen. Der Fitnessraum sei längst nicht mehr zeitgemäß. Sponsorendarstellung sei praktisch unmöglich. Das Gebäude sei in die Jahre gekommen. Nur wenige wissen, was die Trainer und Betreuer wirklich leisten.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Dabei könnte vieles kostengünstig adaptiert und für Tagestrainings – zusammen mit der Schule – oder für eine Mädchenakademie genutzt werden. Dabei gehe es ihm ausdrücklich nicht um einen millionenschweren Neubau. „Es muss nicht alles neu erfunden werden.“ Vieles könne weiterhin in der Mehrerau stattfinden. Schule, Hallennutzung oder Tagestraining seien bewährte Elemente. Gleichzeitig könne das sportliche Herzstück stärker an einen Profiklub angebunden werden.

Eine gemeinsame Lösung
Voraussetzung sei der “Auszug” bzw. die Anbindung der Burschen an einen Verein. Kirchmann bildlich: “Die Jungs sollen den Profis im Training über den Zaun zuschauen können. Über den Zaun ‚klettern‘ muss dann jeder Einzelne selbst.” Am Ende geht es ihm nicht um Gewinner und Verlierer zwischen Verband, Altach oder Austria Lustenau. Er lobt ausdrücklich beide Konzepte der Vereine und sieht darin einen wichtigen Schritt. „Diese Arbeit war sicher nicht umsonst.“ Jetzt brauche es den politischen Willen und eine tragfähige Finanzierung. Zumal für Kirchmann feststeht: Die Akademie soll sich verändern. Sie soll moderner werden. Näher an den Profifußball rücken. Aber sie soll erhalten bleiben.