Warum wurde das VVV-Tarifsystem geändert? – Das steckt dahinter

Der Vorarlberger Verkehrsverbund spricht viel von Einfachheit. So ordnet ein Experte die Reform ein.
Feldkirch Der Vorarlberger Verkehrsverbund (VVV) reagiert auf die Kritik am neuen Tarifsystem meist mit dem Argument der Einfachheit. Doch nicht alle Fahrgäste überzeugt das. “Das Ziel, ein leicht verständliches Tarifsystem einzuführen, ist grundsätzlich nachvollziehbar. Aber in der Praxis ist es wohl doch noch nicht ganz so einfach”, sagt Markus Mailer, Arbeitsbereichsleiter für “Intelligente Verkehrssysteme” an der Universität Innsbruck.
Warum das Dominosystem ersetzt wurde
Das Ziel des neuen Tarifsystems war, es zu vereinfachen und dadurch neue Kunden zu gewinnen. “In der Umsetzung können wir noch viel tun”, stellt auch VVV-Geschäftsführer Christian Hillbrand klar. “Aber das Grundsystem mit drei Zonen ist für Gelegenheitsfahrer sicher einfacher als die vorherigen 94 Dominozonen.” Grundsätzlich gibt es 70 Lokal- und neun Regiozonen, aber man geht immer nur von dem Standort des Fahrgastes aus.

Wer im alten System ein Ticket in bestimmte Orte kaufte, durfte aufgrund des Dominosystems trotz mehrerer möglicher Verbindungen nur dieselbe Strecke zurückfahren. Auch wenn das Ausnahmefälle waren, beschreibt Hillbrand diese als “Kundenproblem, zu dem es keine Lösung gab”.
Kaum ein Kunde musste eigentlich noch Dominos zählen. Aber manche Personen hätten sich darüber beschwert, dass die Zonen zu klein sind und sie schnell in die höheren Preisstufen fallen würden. Dieses “Symptom” sei durch das neue System gelöst worden. Viele der Gelegenheitsfahrten seien nun laut VVV günstiger. Doch für gewisse Zonensprünge zahlt man jetzt deutlich mehr, als zuvor für ein zusätzliches Domino angefallen wäre. “Schlussendlich hat jede Umstellung immer ‚Gewinner‘ und ‚Verlierer‘”, sagt Mailer.

Außerdem habe das kleinteilige Dominosystem firmenintern mehr Arbeit verursacht, da die Datenpflege aufwendiger war. Alles in allem sei es laut Hillbrand ein “komplexes und erklärungsbedürftiges System” gewesen.
Einfachheit und Preis
Ein weiteres Argument für die Umstellung ist für Hillbrand, dass für die Fahrgäste Einfachheit über dem Preis stehe. Laut Mailer kommt die leichte Zugänglichkeit zwar vor dem Preis, doch um einen Gelegenheitsfahrer zu einem Kauf zu bewegen, muss beides gleichermaßen attraktiv gestaltet sein. “Wenn ich dann die Ausgabe einmal getätigt habe und die Bequemlichkeit positiv empfinde, bin ich für ein gutes Produkt auch bereit, dafür zu zahlen.”

Ganz klar widerspricht Mailer dem Argument mit dem Autofahren. Hier heißt es vonseiten des VVV, dass Menschen das eigene Fahrzeug nutzen, weil es einfach ist. Die wenigsten würden sich dabei Gedanken machen, wie viel der nächste Besuch an der Tankstelle kosten wird. “Gelegenheitsnutzer öffentlicher Verkehrsmittel empfinden das anders. Der Zeitpunkt der Zahlung ist relevant.” Mailer vergleicht das mit Parkgebühren, die viele Autofahrer stören, auch wenn diese nur einen Bruchteil der Fahrzeugkosten ausmachen.
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Einfachheit in der Praxis
Hillbrand will die Umsetzung des neuen Tarifsystems speziell in den Bussen noch weiter optimieren. Zum Beispiel soll es bei den Busautomaten eine Vorarlbergkarte geben, auf der man den gewünschten Ort einfach anklicken kann, ohne sich viele Gedanken um Lokal, Regio oder Maximo machen zu müssen. Außerdem will man die Lokalzone bei den Aushangfahrplänen an den Haltestellen anbringen.
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Ob das neue Tarifsystem tatsächlich besser ist als das alte, lässt Mailer offen. Er betont jedoch, dass Änderungsprozesse immer einen hohen Widerstand auslösen und es bei einer Tarifänderung normal sei, dass man Dinge übersieht: “Man muss dem System Zeit geben und bei Bedarf nachbessern.”