“Für mich war es die letzte Chance”

Matthias Maak über gute Kapitäne, persönliche Ziele und Gedanken an die Fußballpension.
Wien Die Auftaktpressekonferenz der Bundesliga ist ein etwas kurioser Fixpunkt im österreichischen Fußballjahr. In der Woche vor der ersten Cuprunde finden sich traditionell die Trainer und Kapitäne der zwölf Bundesligisten in Wien ein. Dort absolvieren sie einen Interviewmarathon, vermeiden es öffentlich, Ziele zu definieren, und einigen sich unisono darauf, in der kommenden Saison besser sein zu wollen als in der abgelaufenen. Neben Rück- und Vorschauen werden für Social-Media-Formate Traumspieler und Rankings definiert, Hände geschüttelt und das Buffet attackiert. Matthias Maak kennt das Prozedere – als Kapitän von Austria Lustenau durfte er heuer nach zwei Jahren Pause wieder dabei sein.
Ihr 150. Spiel für Lustenau war der Aufstieg, drei Spiele fehlen noch auf Ihr 200. Bundesligaspiel. Bedeutet Ihnen diese Marke etwas?
Matthias Maak: Mit dem Abstieg vor zwei Jahren habe ich gewusst, dass es mit den 200 Spielen eng werden könnte. Es ist schon ein Meilenstein und cool, wenn du das irgendwann mal sagen kannst. Jetzt mache ich mir aber noch keine großartigen Gedanken, ob es 200 sind oder 150. Schön ist, dass wir wieder Bundesliga spielen können.

Wie groß war nach dem Abstieg die Überzeugung, dass die 200 Bundesligaspiele noch fallen werden?
Da war schon auch bei mir persönlich ein bisschen Bauchweh dabei. Gleich in der ersten Saison in der 2. Liga haben wir dann auch richtig zu kämpfen gehabt, da hast du schauen müssen, dass du überhaupt in der Liga bleibst. Das Jahr jetzt ist dann aber schon ganz gut gelaufen.
Sie haben bereits 2022 den Aufstieg mitgemacht. Was ist beim zweiten Mal anders?
Egal, in welcher Liga man Meister wird – selbstverständlich ist das nie. Wir sind doch einige, die schon den zweiten Aufstieg gemeinsam feiern. Das sind wunderschöne Momente, die für immer bleiben. Eine Routine kriegst du da nicht rein.
Mit Domenik Schierl, Pius Grabher, Fabian Gmeiner und Ihnen gibt es schon seit Jahren eine Achse. Andere Klubs haben das über so viele Jahre und so viele Auf und Abs nicht.
Mittlerweile ist es doch ein Kommen und Gehen im Fußball. Wir vier haben es geschafft, dass wir schon das siebte Jahr zusammen sind. Da entsteht natürlich eine Freundschaft, wo du dich auch abseits des Platzes richtig gut verstehst. Du hast zusammen gefeiert, und es war auch schwierig, wie nach dem Abstieg. Mir ist das in meiner Karriere so nicht untergekommen, dass man so lange zusammen und ein so eingeschworener Haufen ist. Das ist etwas Besonderes.
Merkt man, dass das im Verein und von den Fans gewürdigt wird? Identifikationsfiguren sind ja wichtig, und sie werden seltener.
Doch, schon. Speziell Schierlis Emotionalität kommt richtig gut an bei den eigenen Fans. Bei den gegnerischen eher nicht so. Aber Fußball ist letztendlich ein Tagesgeschäft – und wenn du am Samstag scheiße spielst, ist am Sonntag noch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Weil da wirklich viel auf die Jungs zurückfällt, die schon länger beim Verein sind. Aber es ist einer der schönsten Jobs, die man haben kann. Da muss man lernen, mit Niederlagen umzugehen.

Schierl ist sehr emotional, Sie wirken immer besonnen. Was macht denn einen guten Kapitän aus?
Das kommt auf die Person an. Es wäre ein Unterschied, ob der Schierli oder ich jetzt hier stünde. Ich bin eher der Ruhepol zu ihm, der Pius auch. Natürlich kann man auch laut werden oder Sachen aussprechen, die nicht passen. Der Schierli macht das in einer anderen Tonlage als ich. Ich probiere immer, ruhig zu sein – so erreichst du die Menschen viel einfacher, finde ich. Ich glaube, ich bin bisher ganz gut damit gefahren.
Gibt es einen Ihrer Ex-Kapitäne, der für Sie ein Vorbild war?
Ganz zu meiner Anfangszeit habe ich den Michi Madl kennengelernt. Der war nicht wirklich Kapitän, aber von seiner Art, seiner Aura, wie er Sachen gehandhabt hat, das war als Junger schon sehr beeindruckend. Wenn ich ihn jetzt sehe, habe ich das immer noch im Kopf – und das ist schon 16 Jahre her.
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Auf was für eine Saison blicken Sie denn persönlich zurück? Die ersten paar Runden waren Sie nur Ersatz, ab Ende Oktober dann gesetzt.
Es war für mich persönlich im Herbst schwierig, weil ich absolut nicht damit gerechnet habe. Ich habe mich natürlich mit den Jungs und dem Verein gefreut, dass wir erfolgreich waren. Du weißt aber: Die Jungs haben Gas gegeben, haben drei Punkte geholt. Du bist immer wieder reingekommen, aber am nächsten Tag musst du wieder trainieren, weil du nicht 90 Minuten deinen Teil dazu beigetragen hast. Das war schon schwierig. Aber in einem gewissen Alter lernst du auch, damit umzugehen. Letztendlich hat es ja auch ganz gut funktioniert, und ich habe fast keine Minuten mehr verpasst. Das zeugt auch von Charakter, dass man sich nicht aufgibt. Wehgetan hat es schon, und ich habe für mich selber gemerkt: Ich kann noch nicht in Pension gehen.
Verändert sich Ihre Rolle heuer?
Ich will nichts verschreien. Wir haben eine solide Vorbereitung gespielt, ich habe, glaube ich, auch ganz gut ausgeschaut. Ich bin fit, habe seit gut eineinhalb Jahren wirklich keine Schmerzen. Ich habe, glaube ich, ein Jahr kein Training verpasst. Also ich hoffe schon, dass es in der Tonart weitergeht, wie es aufgehört hat.

Nichtsdestotrotz werden Sie im Mai 35 Jahre alt. Gibt es Überlegungen, wann Sie sagen: “Jetzt ist genug”?
Natürlich machst du dir in einem gewissen Alter Gedanken. Toni Kroos hat in einem Interview einmal gesagt, dass er nicht will, dass die Zuschauer fragen, was der eigentlich noch da macht. Ich glaube, das kann ich ganz gut einschätzen. Solange ich fit bin, Spaß habe und mit den Jungs mithalten kann, möchte ich das Leben nach dem Fußball so lange wie möglich rauszögern. Ich bin dabei, den Plan nach dem Fußball zu schmieden, habe einige Ausbildungen gemacht, im September bin ich mit der B-Lizenz fertig. Aber der Hauptfokus ist, so lange wie es geht, auf höchstem Niveau zu spielen.
Was war zäher: die Saison aus dem Körper zu kriegen oder die Recovery nach dem Mallorca-Ausflug mit dem Team?
Malle ist ein hartes Stückl Brot, und es wird auch im Alter nicht leichter. Ich habe gedacht, mehr Gas geben als wir Alten kann man nicht, aber ein paar Junge gibt es anscheinend, die das können. Es war eine mega Gaude, aber man hat gemerkt, dass du nach der Saison und dem Amstetten-Spiel einfach leer warst. Die Meisterfeier war schön und gut, aber am liebsten wäre ich irgendwann einfach heim ins Bett. Es war schon nervenaufreibend. Zurück zur ersten Frage: Für mich war es irgendwo auch die letzte Chance. Wer weiß, ob du noch mal so eine Saison spielst.
Was wäre denn ein Grund, um im Sommer den nächsten Mallorca-Flug zu buchen? Der Klassenerhalt? Oder setzt man sich das Ziel ein bisschen höher?
Ich möchte immer nach dem Maximum greifen. Wenn ich sage, dass ich Meister werden will, ist das natürlich nicht realistisch. Auch ein Platz in den Top Sechs ist, so ehrlich muss man sein, zwar möglich, aber sehr, sehr schwer. Du musst eh schauen, wie die Saison läuft – dann kannst du dir neue Ziele stecken. Nächstes Jahr wieder bei dieser Pressekonferenz zu stehen, ist das Hauptziel. Wir wissen, wie schwer die 2. Liga wirklich ist. Das macht nicht jedes Wochenende Spaß.