Heimat im Herzen, Florida im Blick

Lelia Fitz spricht über ihren Weg von Dornbirn an die Stetson University und über eine wichtige Erkenntnis.
Stetson Sportlich begann alles 2020 in Dornbirn, wo Lelia Fitz ihre erste Station im Volleyball gleich nutzte, um sich für weitere Aufgaben zu empfehlen. Sechs Jahre später und eine College-Saison in den USA in den Beinen ist die 19-Jährige für höhere Aufgaben bereit. Mehr als 2000 km liegen zwischen den beiden Universitäten in Iowa und Florida. Eine große Distanz, wie auch die sportlichen Träume der Vorarlbergerin von großer Natur sind.

Sie sind in Dornbirn geboren und aufgewachsen, doch für viele noch unbekannt. Bitte erzählen Sie uns mehr über sich.
Tatsächlich bin ich gar nicht in Dornbirn geboren, sondern in Wangen im Allgäu. Wir haben dort in der Nähe für ein bis zwei Jahre gewohnt, bevor wir für die nächsten sieben Jahre nach Lustenau gezogen sind. Erst danach, im Alter von acht Jahren, bin ich nach Dornbirn gekommen. Meine Familie ist jedoch über die halbe Welt verstreut. Während die Verwandtschaft väterlicherseits komplett aus Vorarlberg stammt, sind die Verwandten mütterlicherseits weit verteilt. Ein großer Teil lebt nicht weit entfernt in meinem Geburtsland Deutschland, während ein anderer großer vietnamesischer Teil in den USA zu Hause ist. Meine Mama ist nämlich Halbvietnamesin, was man mir allerdings auf den ersten Blick gar nicht so ansieht. Vorarlberg war für mich schon immer Heimat, mit seinen Bergen, Wiesen und natürlich dem Bodensee. Lange Zeit habe ich das wenig zu schätzen gewusst, weil mich der Drang, die Welt zu entdecken, immer in die Ferne gezogen hat. Erst vor etwa einem Jahr habe ich wirklich begriffen, wie viel mir meine Heimat eigentlich bedeutet. Dabei habe ich auch erkannt, dass Vorarlberg zwar meine Heimat bleibt, mein Zuhause aber immer dort sein wird, wo meine Familie ist.
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Wie kamen Sie zum Volleyball? Was hat Sie daran fasziniert?
Mit elf Jahren war ich noch in der Leichtathletik aktiv. Ich war damals schon seit vielen Jahren im Verein, aber der richtige Ehrgeiz wollte bei mir einfach nie aufkommen. Außerdem ist Leichtathletik eine Einzelsportart, was auf Dauer ganz schön einsam werden kann. Meine Eltern wollten einfach mehr für mich. Kurzerhand hat mich meine Mama, ohne mir ein Wort davon zu sagen, für ein Volleyballtraining angemeldet. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ehrlich gesagt absolut keine Ahnung, was Volleyball überhaupt ist. Außer, dass es wohl irgendwie um einen Ball geht. Tja, und so hat mich Mama mitten im Jahr einfach zum Volleyballtraining geschleppt. Und es hat mir gleich gefallen. Vor allem mit Freunden nicht nur zu trainieren, sondern auch gemeinsam Turniere zu spielen. Von der ersten Minute an, als ich den Ball in der Hand hatte, habe ich es geliebt.

Was waren Ihre ersten Schritte, inklusive der Zeit beim VC Dornbirn?
Die ersten drei Jahre vergingen wie im Flug. Ich habe in dieser Zeit schnell gemerkt, dass mir Volleyball liegt, wozu mit meinen zwölf Jahren damals sicher auch meine Größe von 180 cm beigetragen hat. Nach etwa einem Jahr schaffte ich es in den Vorarlberger Kader unter Trainerin Charlotte Simma-Vlasic, und nur zweieinhalb Jahre nach meinem allerersten Training folgte bereits die Nominierung für das österreichische Jugendnationalteam. Der VC Dornbirn hat mich dabei stets bestmöglich unterstützt. So bin ich jedes Jahr eine Liga höher geklettert, bis ich mit 14 mein erstes Training in der 2. Bundesliga absolvierte, in der ich die folgenden vier Saisonen spielte. Da es in Vorarlberg leider keinen Erstligaverein gibt, bot mir das Nationalteam die perfekte Chance, mich weiterzuentwickeln. Mit 16 lud mich Headcoach Roland Schwab zusammen mit Co-Trainer Stefan Spirk ein, mit dem Nachwuchsnationalteam zu den nächsten Spielen ins Ausland zu reisen. Nur ein Jahr später landete schließlich die Einladung für das Damennationalteam in meinem Postfach. Ich durfte das Team nach Montenegro und Tschechien begleiten, wo die Vorbereitung auf die EM-Qualifikation anstand.
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Wie kam dann der Schritt in die USA zu den Iowa Western Reivers?
Das Ausland hat mich schon immer fasziniert, und in mir war schon lange der Drang, einmal raus aus Vorarlberg zu kommen. Ich hatte mich zunächst etwas mit dem Thema Work & Travel beschäftigt. Doch schnell habe ich gemerkt, dass Volleyball dabei auf der Strecke bleiben würde. Und das war mir schlichtweg zu wichtig. 2022 ist meine Mama dann zufällig über einen Post gestoßen, in dem es um Sportstipendien an US-Universitäten ging. Von da an ging alles extrem schnell: Innerhalb eines Monats hatte ich meinen Agenturvertrag mit Students-Go-West unterschrieben. Nach zahlreichen Nachrichten und Telefonaten fiel meine Wahl schließlich auf das Iowa Western Community College (IWCC), wo ich eine Saison für die Reivers aufgelaufen bin.

Was waren Ihre ersten Eindrücke in den USA?
Mein erster Eindruck von Amerika? Einfach riesig, alles hier ist riesengroß. Die Autos, die Straßen, die Supermärkte … einfach alles. In den ersten Wochen habe ich mich gefühlt wie ein kleines Kind, das die Welt zum ersten Mal mit großen Augen entdeckt. Ich hatte das riesige Glück, dass meine Familie zeitgleich mit mir in die USA gezogen ist. Sie leben für zwei bis drei Jahre in Massachusetts, etwa 40 Minuten südlich von Boston. Am College selbst habe ich mich schnell eingelebt. Dank Volleyball habe ich innerhalb von nur wenigen Tagen extrem enge Freundschaften geschlossen, was sich auch kaum vermeiden lässt, wenn man mit dem Team quasi rund um die Uhr zusammenhängt. Im Großen und Ganzen finde ich es hier absolut genial. Ich habe Freundschaften fürs Leben geschlossen und lerne so unglaublich viel dazu. Solche Erfahrungen macht man nicht, wenn man noch nie sein gesamtes Leben in einen Koffer gepackt hat und Tausende Kilometer weit weg von der Heimat, der Familie und den alten Freunden ist. Mein einziger Kritikpunkt sind die Lebensmittel. Selbst wenn man versucht, sich gesund zu ernähren, muss man extrem aufpassen. Hier wird leider sehr viel mit Zusatzstoffen, Farbstoffen und Chemie gearbeitet. Aber abgesehen davon ist es eine prägende Erfahrung hier in den USA.
Lelia Fitz und ihr Instagram-Account hier.
Sie haben hier auch einen Positionswechsel vollzogen, von Opposite zu Middle Blocker: Was waren die Gründe dafür? Welche Position gefällt Ihnen besser?
Tatsächlich habe ich schon immer auf der Position des Middle Blockers gespielt. Nur für eine halbe Saison musste ich mal ausweichen: Wegen meiner Schulterverletzung und weil uns zeitgleich eine Diagonalspielerin abgesprungen war, bin ich auf der Opposite-Position eingesprungen. Nach drei Monaten habe ich aber schnell gemerkt, wie sehr ich meine ursprüngliche Position vermisse. Die Mittelblockerrolle wird in unserem Sport entweder zutiefst gehasst oder geliebt. Und ich habe sie definitiv lieben gelernt, auch wenn es auf dieser Position verdammt schnell anstrengend und frustrierend werden kann, da wir öfter springen müssen als jede andere Position auf dem Feld.
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Wie kam dann der Wechsel zur Stetson University in Florida?
Eigentlich geht das Programm am Junior College IWCC ja über zwei Jahre. Doch ich habe schnell gemerkt, dass ich gerne auf einem höheren Level spielen würde. In Iowa hat mir der Ehrgeiz in meinem Team gefehlt. Also habe ich mich auf die Suche nach einer neuen Uni gemacht. Kora Schaberl, eine Bekannte aus dem Nationalteam, wollte mir dabei helfen und hat den Kontakt zu ihrer Agentur Volley-USA hergestellt. Der College-Wechselprozess war eine Herausforderung, durch den Zeitdruck und die vielen Telefonate mit Coaches. Jetzt bin ich super zufrieden mit diesem Schritt und absolut sicher, dass es genau die richtige Wahl für mich ist.

Wie oft kommen Sie zurück nach Vorarlberg? Wie gefällt es Ihnen im Nationalteam?
Momentan komme ich leider gar nicht nach Vorarlberg. Da meine Eltern zeitgleich für zwei bis drei Jahre in die USA gezogen sind, sehe ich Familie und Freunde aktuell nur über den Bildschirm. Gott sei Dank unterstützen mich alle bedingungslos und sind trotz der riesigen Distanz immer für mich da. Erst wenn meine Eltern wieder zurück in unser Haus nach Dornbirn ziehen, werde auch ich in den Ferien wieder nach Hause kommen. Gerade dieser Abstand hat mir erst so richtig gezeigt, wie sehr ich meine Heimat vermisse. Auch das Nationalteam hat mich als Persönlichkeit enorm geprägt. Ich musste schon in jungen Jahren selbstständig sein, egal ob bei den langen Anreisen ins Burgenland zu den Lehrgängen oder bei den Rückreisen aus dem Ausland. Doch nicht nur das: Das Coaching-Team hat mich immer wieder aufgebaut und gefördert. Es mag vielleicht kitschig klingen, aber sie haben etwas in mir gesehen, das ich selbst lange nicht wahrgenommen habe. Durch ihre Unterstützung sind mein Selbstbewusstsein und mein Vertrauen in mich selbst unglaublich gewachsen. Ich bin unendlich stolz auf die Möglichkeiten und die Erfahrungen mit dem Nationalteam. Sie haben mir nicht nur sportlich geholfen, sondern mich auch menschlich wachsen lassen.
Was sind Ihre Zukunftsziele?
Aktuell konzentriere ich mich voll auf meinen Bachelor an der Stetson University und darauf, sportlich alles aus mir herauszuholen. Mein Blick geht aber auch schon weiter: Nach dem Studium will ich nach Europa zurückkehren, um dort den Schritt zum Profi-Volleyball zu machen.