Ein Dauerbrenner zieht Bilanz

Mit David Madlener verliert die ICE-Eishockeyliga den letzten Vorarlberger Stammtorhüter.
Feldkirch Als „Mad-Dog“ fühlt sich David Madlener längst nicht mehr. „In jungen Jahren passte dieser Spitzname, aber heute bin ich deutlich ruhiger“, lacht der 34-Jährige. In jüngster Vergangenheit gab der Schlussmann seinen Abschied aus dem Profisport bekannt. „Nachdem die Pioneers-Verantwortlichen die gesamte Mannschaft Ende März freigestellt hatten, stand mein Entschluss recht bald fest“, erklärt Madlener.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Nach 13 Jahren in der höchsten heimischen Spielklasse, zwei Meistertiteln mit dem EC KAC und zahlreichen Einsätzen im österreichischen Nationalteam zieht der Feldkircher einen Schlussstrich. Künftig hütet Madlener das Tor des SC Hohenems in der drittklassigen ÖEL. Seine Entscheidung steht für das Ende einer Ära, denn die ICE-Eishockeyliga muss künftig ohne Vorarlberger Stammtorhüter auskommen. Lediglich der 37-jährige Rene Swette hält die Ländle-Fahne als Zweier-Goalie beim VSV noch hoch. „Ich sehe leider keinen jungen Vorarlberger Torhüter, der in der ersten Liga Fuß fassen könnte. Die Klubs setzen auf der Goalie-Position fast ausnahmslos auf ausländische Torhüter. Da fehlt die Perspektive“, benennt Madlener die Misere.

Meistertitel als Höhepunkt
Als 21-Jähriger absolvierte Madlener in der Saison 2013/14 bei den Bulldogs Dornbirn seine ersten 60 Minuten in der heimischen Liga: „So etwas vergisst man nicht. Wir setzten uns damals gegen Znojmo mit 5:2 durch.“ Zugleich legte dieser Auftakt den Grundstein für eine Karriere, die Madlener mit zwei Meistertiteln mit Klagenfurt (2018/19, 2020/21) krönte. „Besonders der Erste bleibt unvergesslich. Es war eine unglaubliche Euphorie, die wir nach fünf titellosen Jahren bei den Rotjacken-Fans auslösten“, blickt Madlener stolz zurück.

Tiefes Loch
Doch die Laufbahn hielt für den Keeper auch etliche Schattenseiten bereit. „Als Goalie stehst du ständig in der Kritik, ein Fehler reicht. Aber davon habe ich mich nur selten beeinflussen lassen“, betont Madlener. Anders traf ihn der tragische Tod des Bratislava-Spielers Boris Sádecký, der 2021 auf dem Eis des Messestadions zusammenbrach und wenig später im Krankenhaus verstarb. Dieser Schock warf den damaligen Bulldogs-Torhüter lange aus der Bahn. Anderthalb Spielzeiten lang kämpfte er mit mentalen Nachwirkungen. „Meine Gedanken blockierten mich komplett. Ich wollte nicht mehr aufs Eis. Erst die Arbeit mit Mentaltrainern lenkte mich wieder in die richtige Richtung“, gewährt Madlener tiefe Einblicke.
Klartext zum Nationalteam

Abgeschlossen hat „Dave“ auch mit dem Kapitel Nationalmannschaft. Wenige Monate nach dem historischen WM-Match 2024 in Prag gegen Kanada, bei dem das Nationalteam mit Madlener einen 1:6-Rückstand beinahe noch gedreht hätte, kam es zum Bruch. „Das war die Konsequenz aus der Einbürgerung von Atte Tolvanen. Ich wollte ein Zeichen setzen, da ich überzeugt davon war, dass wir genügend österreichische Talente haben“, erklärt Madlener gelassen. „Ich hätte mir zwar einen anderen Abgang vorgestellt, aber das ist längst vorbei, ausgesprochen und für mich kein Thema mehr. Die positiven Momente, die ich im rot-weiß-roten Dress erlebte, überwiegen bei Weitem.“

Aktuell beschäftigen ihn mehr die Entwicklungen im Vorarlberger Eishockeysport: „Es freut mich, dass die Pioneers weiterhin eine Erstliga-Mannschaft stellen. Es wäre nur schön, wenn wir ein Ländle-Team hätten, das irgendwann auch weiter vorn mitspielen kann.“ Wie das gelingen soll? „Nur wenn alle Standorte an einem Strang ziehen und die Vereins-Egos endlich keine Rolle mehr spielen“, zeigt sich der Routinier überzeugt. ABR