Kommentar: Nach der Hitze ist vor der Hitze

01.07.2026 • 16:16 Uhr
Kommentar: Nach der Hitze ist vor der Hitze
VN-Kommentator Simon Tschannett.

14 Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad gab es diesen Juni in Feldkirch. So lange dauerte auch diese Hitzewelle. Und das ist ein neuer Höchstwert für einen Juni in Feldkirch! Der bisherige Rekord lag bei elf Hitzetagen (2019). Aber nicht nur in Vorarlberg, in ganz Österreich war diese Hitzewelle historisch, wie die Geosphere Austria schreibt: „Selten zuvor breiteten sich extreme Temperaturen, die sogar die 40 Grad-Marke erreichten bzw. knapp überschritten, derart flächendeckend über das Land aus.“ Aber nicht nur die Höchsttemperaturen erreichten neue Juni-Rekorde, und das gleich an mehr als der Hälfte der 277 Stationen des Wetterdienstes. Wir erlebten in Wien mit einem neuen höchsten Temperaturminimum von 27,3 Grad auch die wärmste, oder muss man nicht schon sagen, die heißeste Nacht überhaupt in Österreich.

Das alles hat massive Auswirkungen auf uns und unsere Gesundheit, auf unsere Leistungsfähigkeit, auf unsere Schulen, auf unsere Wirtschaft, auf unsere Infrastruktur und nicht zuletzt auf unseren Alltag. Jetzt gibt es eine Diskussion über die Verlegung der Sommerferien, weil unsere Schulgebäude oftmals nicht klimafit sind und es daher darin zu heiß zum Lernen ist. Die Gleise der ÖBB verformten sich, sodass die Züge langsamer fahren mussten.

Gerade hohe Temperaturen in der Nacht sorgen dafür, dass wir uns beim Schlafen nicht gut erholen können. Dadurch verkraften wir die extremen Höchstwerte untertags nicht so gut. Doch wie häufig gibt es Tropennächte in den Städten? Die Wetterstation in Feldkirch etwa liegt bei der Landesfeuerwehrschule weit außerhalb der versiegelten und dicht verbauten, und daher in der Nacht wärmeren Innenstadt. In Graz gab es lange Zeit nur Stationen am Flughafen und an der Universität, die eher im Grünen liegen. Bis zu 10 Tropennächte pro Jahr wurden dort gemessen. Nun gibt es eine neue Station am Lendplatz, mitten im dicht verbauten Gebiet. Im Jahr 2024 wurden dort knapp 40 Tropennächte erfasst. Das zeigt den enormen Handlungsbedarf zur Anpassung an die Hitze. Und die Hitzewellen werden nicht weniger. Im Gegenteil. Mit jeder weiteren ausgestoßenen Tonne CO2 steigt die Temperatur weiter, Hitzewellen werden länger, häufiger und starten früher im Jahr. Dabei wissen wir, was zu tun wäre. Wir brauchen endlich ein wirksames Klimagesetz. Die zahnlosen Handlungsempfehlungen unserer nationalen Anpassungsstrategie müssen zu wirksamen und verbindlichen Gesetzen werden. Und wir brauchen die Ressourcen, Institutionen und budgetären Mittel, um unsere Städte an das veränderte Klima anzupassen. Und zwar rasch, mit besonderem Fokus auf die vulnerabelsten Gruppen. Denn nach der Hitze ist vor der Hitze.

Der Vorarlberger Simon Tschannett ist Meteorologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Stadtklimatologie.