Bruno Spagolla: Architekt, Künstler, Sportler, Familienmensch

Mit Bruno Spagolla verliert Vorarlberg einen prägenden Architekten, dessen größtes Projekt seine Familie und das Leben selbst war.
Von Bianca Burger
Bludenz “Wer ein guter Architekt werden will, muss das Leben studieren.” Für Bruno Spagolla war dieser Satz weit mehr als ein Leitspruch. Er studierte das Leben nicht nur in Büchern, sondern auf Reisen, in der Natur und in Begegnungen mit Menschen. Politik, Geschichte, Kultur oder Sport – kaum ein Thema ließ ihn unberührt. In der Familie galt er als wandelndes Lexikon. Wer Daten und Fakten nachprüfte, durfte feststellen: Er hatte recht.

1949 geboren und aufgewachsen in Bludenz, führte ihn sein Weg zunächst an die HTL nach Innsbruck. Die dortige Internatszeit endete jedoch, wie er gerne augenzwinkernd auch seinen Enkeln erzählte, “wegen guter Führung” vorzeitig. Nach dem erfolgreichen Abschluss der HTL studierte er bei Roland Rainer an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Der dort gelebte Zugang, Architektur als Kunstform und persönlichen Ausdruck zu verstehen, beeinflusste ihn nachhaltig.

1981 gründete Bruno in Bludenz sein eigenes Architekturbüro und wurde zu einer wegweisenden Persönlichkeit der Vorarlberger Architektur. Als Vertreter der “Neuen Vorarlberger Bauschule” schuf er Gebäude, die sich durch Klarheit, Funktionalität und einen sensiblen Umgang mit Landschaft und Materialien auszeichneten. Darüber hinaus engagierte sich der mehrfach ausgezeichnete Architekt und Künstler in Gestaltungsbeiräten sowie als Präsident der Landesgruppe Vorarlberg der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs.

Einem breiten Publikum wurde Bruno Spagolla durch die ORF-Sendung “Plus-Minus” bekannt, in der er gemeinsam mit Roland Gnaiger regionale Baukultur analysierte, kritisierte und so Diskussionen über Fachkreise hinaus anregte. Seine Ideen, seine Haltung und sein Verständnis von Architektur prägen Vorarlberg bis heute.

Doch wer ihn nur auf seine Bauwerke reduziert, wird Bruno nicht gerecht. Er war Wanderer, Tänzer, Skifahrer, Radfahrer und Schwimmer. Als Jäger war ihm die Stille der Natur wichtiger als jede Trophäe. Ebenso bleibt er seinen Gästen als begnadeter Hobbykoch in Erinnerung.
Typisch für Bruno war sein trockener Humor. Oft wurde er dadurch ungewollt zum Mittelpunkt einer Runde, weil er Geschichten erzählen konnte wie kaum ein anderer. Er begegnete anderen offen und respektvoll, bewahrte auch in hitzigen Diskussionen Ruhe und vertrat seine Überzeugungen, ohne laut werden zu müssen.
Was Bruno als Architekt schuf, bleibt sichtbar. Die tiefsten Spuren hinterließ er jedoch in seiner Familie. Mit Renate durfte Bruno eine Partnerin an seiner Seite wissen, die ihn ergänzte, stärkte und in allen Lebenslagen begleitete – im Alltag und im Beruf.
Als Papa war Bruno fürsorglich und aufmerksam. Für Aurelia und Anna war er Chauffeur, Konzertbegleiter und immer da, wenn sie ihn brauchten. Unvergessen bleiben für beide die Gute-Nacht-Geschichten, die er erfand, wenn er sie ins Bett brachte und die er oft sogar zeichnerisch zum Leben erweckte.
In seiner Rolle als Opa blühte er noch einmal auf. Seine Enkel erinnern sich an gemeinsam gemalte Bilder, Jass-Nachmittage und die vielen Witze, mit denen er sie zum Lachen brachte. Selbst als ihm vieles schon schwerer fiel, stand er bei ihren Fußballspielen weiterhin stolz am Spielfeldrand. Für seine Familie war Bruno nicht der renommierte Architekt, Künstler oder die Person des öffentlichen Lebens. Für sie war er der liebevolle Ehemann, Papa und Opa. Bruno hat das Leben studiert und dabei verstanden, dass wir alle die Architekten unseres eigenen Lebens sind und das Leben selbst das größte Werk ist, an dem wir bauen.
Begleitet durch: Espera Bestattungshaus
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