Eishockey: „Es zählt, was die Spieler zeigen“

12.07.2019 • 12:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Dornbirns Chefcoach Jussi Tupamäki: Mit dem Nachwuchs muss man Geduld haben. DEC 

Dornbirns Coach Jussi Tupamäki gibt Einblicke in seinen neuen Job.

Schwarzach Anfang August beginnt für den Dornbirner EC das erste Eistraining im Hinblick auf die neue Saison in der Erste Bank Eishockeyliga. Am 11. August wartet dann auch schon der erste Test gegen den HC Thurgau. Bulldogs-Coach Jussi Tupamäki ist aktuell in Finnland und kehrt Ende Juli ins Ländle zurück. Der VN gab er ein ausführliches Telefoninterview.

Sie sind derzeit in Ihrer Heimat Finnland – dienstlich oder privat?
Nach den letzten sehr intensiven Wochen in Dornbirn mache ich etwas Heimaturlaub. Wobei, so richtig zum Abschalten komme ich nicht, da ich mit DEC-Manager Alexander Kutzer täglich in Kontakt stehe, um noch die richtigen Spieler für die offenen Positionen zu finden.

Sie wurden Anfang Mai als neuer Bulldogs-Coach vorgestellt. Was ist seit diesem Zeitpunkt passiert? Einerseits haben wir nach den notwendigen Verstärkungen gesucht, andererseits haben wir mit den jungen Spielern von Dornbirn und dem Bregenzerwald zwei Mal die Woche auf dem Eis trainiert. Ich wollte die jungen Cracks kennenlernen und mir ein Bild über ihren Leistungsstand machen.

Am 11. August steht bereits das erste Testspiel für die Bulldogs an. Es sind noch fünf Legionärsplätze offen. Können Sie uns dazu ein Update geben?
Die Verhandlungen mit den möglichen Verstärkungen führt Alexander Kutzer. Da fragen Sie besser bei ihm nach. Aber ich bin überzeugt davon, dass die potenziellen Kandidaten alle gut zur Mannschaft passen würden.

Mit den bisherigen vier ausländischen Neuzugängen scheint man sich gut verstärkt zu haben. Beispielsweise war Evan Trupp der viertbeste Scorer bei Iserlohn. Olle Liss hatte vor seinem Wechsel noch einen laufenden Vertrag bei seinem schwedischen Ex-Team Rögle.
Ganz ehrlich, es zählt, was sie in dieser Saison in Dornbirn zeigen. Bei der Auswahl war uns ihre Einstellung wichtig. Und dass sie Teamplayer sind.

Mit Emilio Romig hat der Verein einen erfahrenen Österreicher geholt. Wird er der neue Sturmpartner von Stefan Häußle und Kevin Macierzynski?
Er ist sehr schnell und er sucht stets den Torabschluss. Diese heimische Formation hat natürlich ihren Reiz. Ob es dann wirklich dazu kommt, zeigt die Vorbereitung.

Mit Raphael Wolf, Thomas Vallant sowie Lucas und Dominic Haberl haben Spieler den Verein verlassen, die Sie noch von Ihrer Tätigkeit beim EC Bregenzerwald kennen. Wie überrascht waren Sie über ihren Abgang?
Ich hatte die Möglichkeit, mit Thomas und Dominic über ihre Entscheidungen zu sprechen. Das sind clevere Burschen, die wissen, dass Eishockey alleine nicht alles ist. Beide studieren nebenbei. Offenbar lässt sich dies bei ihren neuen Vereinen besser kombinieren. Das ist zu akzeptieren.

Sie haben schon angekündigt, dass Sie vermehrt junge Spieler im EBEL-Team einsetzen wollen. Wie soll das gelingen?
Zuerst muss man mit dem Nachwuchs Geduld haben. Ziel ist es natürlich, dass der ein oder andere Eiszeit in der Meisterschaft bekommt. Ob das dann wirklich gelingt, kann ich noch nicht sagen. Da müssen Sie mich nach der Saison nochmals fragen. Fix ist nur, dass es viel Training und harte Arbeit braucht, um diesen Schritt zu schaffen.

Sie kennen die österreichische Liga. Wie gewinnt man in dieser Liga eher ein Spiel – mit einer guten Defensiv- oder Offensivleistung?
Die EBEL ist eine offensive Liga. Trotzdem hat Klagenfurt gezeigt, dass man auch Meister werden kann, ohne die meisten Tore in der Liga zu schießen.

In der letzten Saison hatten die Bulldogs viel Verletzungspech. Fließt dies in die heurige Vorbereitung irgendwie mit ein?
So etwas kann man nicht ausschließen. Trotzdem möchte ich mit meinem Coaching-Team noch mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Spieler eingehen. Ein 31-Jähriger braucht ein ganz anderes Training als ein unerfahrener Crack. Mir ist es auch wichtig, dass vor allem die Jungen auf ihre Ernährung achten.

Etliche Fans kennen Sie ja bereits aus Ihrer einjährigen Coaching-Tätigkeit mit dem Bregenzerwald. Trotzdem: Wie beschreiben Sie sich selbst?
Ich mache da keinen Unterschied, ob ich als Trainer am Eis stehe oder in der Dornbirner Fußgängerzone unterwegs bin. Ich spiele keine Rolle, ich komme mit jedem gerne ins Gespräch. Was mich ärgert, das sind unehrliche Menschen.

Ihr Zwillingsbruder Mikko ist Basketball-Trainer in Finnland. Wenn sich die beiden Brüder treffen, wird dann mehr über Eishockey oder Basketball gesprochen?
Oft geht’s um Basketball. Ich habe selbst aktiv gespielt, sogar in der zweiten finnischen Liga. Ich habe sehr viel Kontakt mit Mikko und wir tauschen uns oft über Coaching-Tätigkeit aus. Beides sind Teamsportarten, da kann man gut voneinander lernen.

Sie sind auch der Nationalteamtrainer von Estland. Werden Sie diese Tätigkeit weiterführen?
Das kann ich noch nicht sagen. Ich arbeite zu 100 Prozent für die Bulldogs. Wenn es sich dann zeitlich ausgeht, dann möchte ich auch weiter die Esten coachen.

Verraten Sie uns abschließend noch, warum Sie so gut Deutsch sprechen?
Ich habe in der Schule zwei Jahre lang Deutsch gelernt. Aber so richtig was weitergegangen ist in den letzten Wochen. Mir war es stets wichtig, dass ich die Sprache des Landes sprechen kann, ich dem ich arbeite. Vielleicht liegen mir Sprachen auch. So kann ich auch Schwedisch, Estnisch, Englisch und ein wenig Russisch sprechen. ABR