Jürgen Weiss

Kommentar

Jürgen Weiss

Habemus

VN / 10.12.2019 • 06:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

„Habemus papam“ – mit diesen freudigen Worten wird auf der Loggia des Petersdoms in Rom das Ergebnis einer Papstwahl verkündet. Weniger feierlich geht es zu, wenn der Name eines neuen Diözesanbischofs bekannt gemacht wird. Das ist aber nicht der einzige Unterschied. Während bis auf wenige Ausnahmen die Ernennung eines Bischofs die alleinige Entscheidung des Papstes ist, wird er selbst von den Kardinälen gewählt (anders als durch eine Wahl ginge es in diesem Fall ja auch gar nicht). Den wenigen Diözesen, denen nach wie vor ein historisch verbrieftes Mitwirkungsrecht zukommt, kann man nicht nachsagen, dass eine solche Mitbestimmung der Kirche zum Nachteil gereicht hätte. Hingegen haben die Vorgänger von Papst Franziskus bei Bischofsbestellungen über den Kopf der Ortskirche hinweg nicht selten danebengegriffen. Auch in den Klöstern hat sich bewährt, dass die Äbte oder Äbtissinnen gewählt und nicht von oben eingesetzt werden.

„Für Kärnten hat der Papst eine mutige Entscheidung getroffen“

Der zweite Unterschied liegt in der Dauer des Bestellungsverfahrens. Am 28. Februar 2013 hat Papst Benedikt sein Amt zurückgelegt und bereits am 13. März, also nach rund zwei Wochen, stand mit Papst Franziskus sein Nachfolger fest. Nach der Versetzung von Bischof Alois Schwarz nach St. Pölten am 17. Mai 2018 musste Kärnten eineinhalb Jahre auf einen Bischof warten. Eine solch lange Dauer ist keineswegs selten. Auch bei uns dauerte es 18 Monate, bis nach der Pensionierung von Bischof Elmar mit Dr. Benno Elbs (wer sonst?) ein neuer Bischof bestellt wurde.

Der Grad der Zentralisierung ist offenkundig auch in der römisch-katholischen Kirche proportional zur Erledigungsdauer wichtiger Personalentscheidungen. Wenngleich die Kirche noch wesentlich größere Probleme hat, wird sie über kurz oder lang auch an einer Reform der Bischofsbestellungen nicht vorbeikommen. Transparenz und stärkere Einbindung der Ortskirche werden sich Bahn brechen.
Wenigstens hat der Papst für Kärnten eine mutige Entscheidung getroffen. Mit dem bisherigen Caritas-Direktor wurde ein Mann bestellt, der sich durch einfache Lebensweise, Engagement für Minderheiten und organisatorische Führungsstärke auszeichnet. Er ist auch einer der wenigen Bischöfe, die ganz offen für die Möglichkeit verheirateter Priester eintreten. Dass er auch noch von seinem nach St. Pölten versetzten Vorgänger eine Entschuldigung für dessen offenkundiges Fehlverhalten einfordert, zeugt von einem Mut, den der Vatikan bei den notwendigen Konsequenzen aus dem Visitationsbericht nach mehr als einem halben Jahr immer noch vermissen lässt.

Jürgen Weiss
juergen.weiss@vn.at
Jürgen Weiss vertrat das Land als Mitglied des Bundesrates zwanzig Jahre lang in Wien und gehörte von 1991 bis 1994 der Bundesregierung an.