Die Welt mit Osteraugen sehen

VN / 01.04.2021 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Welt mit Osteraugen sehen
Bischof Benno Elbs wünscht den Menschen, dass sie an Ostern Freude und Zuversicht verspüren.   VN/STEURER

Bischof Benno Elbs appelliert, ein rücksichtsvolles Osterfest zu feiern.

Feldkirch Trotz Corona darf Ostern in diesem Jahr in der Kirche ein bisschen lockerer gefeiert werden. Darüber zeigt sich auch Diözesanbischof Benno Elbs erleichtert. Er empfiehlt den Menschen, die Welt mit Osteraugen zu sehen und sich bewusst der Freude zuzuwenden.

Kann Ostern trotz Corona ein Fest der Hoffnung werden?

Für mich ist Ostern ein Fest gegen die Schwerkraft des Lebens. Deshalb ist der Blick in die eigene Lebensgeschichte wichtig. Was hat mir in einer Notsituation Hoffnung gegeben, was hat mich gestärkt? Denn das, was mich im Leben gestärkt hat, stärkt mich auch heute. Ostern ist eine Erinnerung daran, dass die Hoffnung und das Vertrauen in das Leben stärker ist als alles, was Menschen vernichtet oder das Leben zerstört. Dazu gehört auch der Frühling. Ostern öffnet den Blick auf das Heilsame, das Rettende.

Haben die Menschen überhaupt noch Hoffnung?

Ostern ist eine Zusage, die der Glaube macht. Menschen, die dem Glauben zugewandt sind, können sich natürlich eher auf die österliche Botschaft einlassen. Es gibt aber auch viele Erfahrungen der Auferstehung im Leben von Menschen, die nicht religiös sind, zum Beispiel Versöhnung, ein Neuanfang oder ein Erfolgserlebnis. Auch das sind kleine Erfahrungen der Auferstehung.

Kann das die Menschen trösten?

Persönlich glaube ich, dass Trost etwas sehr Wichtiges und die Religion Trost und Freude ist, weil sie ein Weitblick der Hoffnung gegen die Kurzsichtigkeit der Angst darstellt. Angst macht panisch, traurig und depressiv. Ostern schenkt uns Zuversicht und den Weitblick, in jeder Situation das Rettende zu sehen. Ein Patient auf einer Intensivstation hat mir unlängst gesagt, dass er einfach nur den heutigen Tag erleben möchte und darauf vertraut, dass sein Weg in der Hand Gottes liegt. Das gibt unheimlich viel Kraft, Perspektive und Trost.

Warum lässt Gott überhaupt eine solche Pandemie zu?

Diese Frage stellen sich viele. Viktor Frankl hat dazu gemeint, die Frage nach dem Warum bringt uns nicht weiter, sondern die nach dem Wozu. Das gilt für eine persönliche Krise ebenso wie für eine kollektive. Zu Beginn der Pandemie haben wir gemerkt, wie Nächstenliebe und Solidarität wieder erwacht sind. Ein anderes Wozu ist aus meiner Sicht die Neuentdeckung der Schöpfung, der Natur und Nachhaltigkeit. Es wird nötig sein, Normalität neu zu denken, Wirtschaft neu zu denken und die Beziehungen der Menschen untereinander. Was macht die Welt langfristig lebensfähig? Die Normalität, wie wir sie vorher gekannt haben, nicht.

Welche Antwort gibt es, wenn einen die Krise persönlich trifft?

Antworten von außen wären zynisch, die muss jeder für sich selbst suchen, und mit der Zeit finden die Menschen sie auch. Das sagt nicht nur Viktor Frankl, das ist ebenso meine Erfahrung als Psychologe.

Wie sollen die Menschen Ostern in Coronazeiten begehen?

Die Menschen sollen die Welt mit Osteraugen sehen. Sie sollen einander Freude und Zuwendung schenken und Hoffnung, in der auch Gott lebt. Gleichzeitig gilt es, Ostern rücksichtsvoll zu feiern, denn wir leben immer noch in einer Pandemie. Die Coronakrise liegt schwer auf dieser Welt. Das erfordert den bewussten Blick auf das Gute, das Heilende. Was wir als Menschen untereinander brauchen, ist mehr Respekt und Dialog, denn wir befinden uns alle in der gleichen Situation.

Ostern findet im Schatten brennender Regenbogenfahnen statt. Ist es umso wichtiger, Respekt und Dialog einzufordern?

Ja, das gilt genauso in dieser Frage. Die Diskussion hat gezeigt, dass es nach wie vor einen entschiedenen Einsatz für Respekt und Dialog braucht. Es benötigt fast täglich in der Gesellschaft und bei jedem Einzelnen diese ganz bewusste Entscheidung dafür.