Eine Pflegegesellschaft kommt in die Jahre

VN / 17.06.2022 • 05:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<p class="caption">Das Pflegeheim Höchst/Fußach kam 2017 zur Benevit.<span class="marker"> <span class="copyright">Foto: vlk</span></span></p>

Das Pflegeheim Höchst/Fußach kam 2017 zur Benevit. Foto: vlk

Gemeindeeigene Benevit wurde 2002 als Reaktion auf den steigenden Kostendruck gegründet.

bregenz Vor 20 Jahren wurde die Vorarlberger Pflegegesellschaft Benevit gegründet. Anlass dazu gab der zunehmende Kostendruck, dem sich vor allem Kleingemeinden beim Betrieb von Pflegeheimen gegenübersahen. Als Lösung blieb nur verkaufen oder Kooperationen eingehen. Die Geburtsstunde der Benevit hatte geschlagen.

“Es war ein mutiger und wichtiger Schritt”, erklärte Andrea Kaufmann, Bürgermeisterin von Dornbirn und Präsidentin des Gemeindeverbands, dessen 100-Prozent-Tochter die Benevit seit 2005 ist. Bei einer Pressekonferenz zum 20-jährigen Bestehen sprach Kaufmann von der Benevit, die sieben Pflegeheime betreibt, als einem unverzichtbaren Bestandteil der Pflegelandschaft und hob die Heime vor Ort als besonderes Qualitätsmerkmal hervor. Auch die Wirtschaftlichkeit kann sich sehen lassen. Zum Jubiläum betrug der Umsatz der gemeinnützigen Einrichtung über 20 Millionen Euro. Das ist ein Zuwachs von 70 Prozent auf die vergangenen zehn Jahre betrachtet. “Mit diesem stabilen Fundament können wir gesichert und gut in die Zukunft gehen”, sagte Benevit-Geschäftsführer Thomas Scharwitzl.

Leere Pflegebetten

Der Verbund bewährte sich laut Geschäftsführerin Carmen Helbok-Föger auch in der Coronakrise. “So konnten wir im personellen Bereich sehr flexibel agieren und uns beispielsweise gegenseitig bei der Handhabung von Coronaclustern unterstützen.” Die Pandemie hat die rund 350 Mitarbeitenden aber auch gefordert. Deshalb wird größter Wert auf die betriebliche Gesundheitsförderung gelegt. Nichtsdestotrotz kämpft die Benevit,wie andere Heime mit Personalproblemen. In zwei Einrichtungen stehen deshalb zehn Betten leer. “Wir haben sehr wenige Vollzeitkräfte”, begründete Scharwitzl. Etwa 80 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit. Die Benevit behilft sich mit externen Pflegefachkräften und vier Springern. Der Personalbedarf wird mit 10 bis 12 Vollzeitäquivalenten angegeben, die etwa 22 Personen entsprechen.

Mehr Aufnahmen

Die Pandemie hat in der Langzeitpflege insgesamt zu Veränderungen geführt. So hat sich die Anzahl der Aufnahmen im gesamten Benevit-Verbund in rund sieben Jahren fast verdoppelt. Waren es 2014 noch 118 Aufnahmen von Bewohnern bei 261 Betten, wurden 2021 bereits 240 Aufnahmen bei 294 Betten registriert. Als einen Grund nannte Thomas Scharwitzl den Anstieg der durchschnittlichen Pflegestufe. Sie lag 2017 bei 5,05 und im vergangenen Jahr schon bei 5,28 von sieben. “Die Menschen kommen in einem immer schlechteren Zustand ins Pflegeheim. Das steigert den Arbeitsaufwand”, fügte der Benevit-Geschäftsführer erklärend an. Stark zugenommen haben außerdem die Kurz- und Urlaubspflege. Anfragen nach Aufnahmen können laut Helbok-Föger abgedeckt werden.

Für die Geschäftsführung steht fest, dass die Herausforderungen für das Pflege- und Personalmanagement weiter zunehmen und einzelne Player mehr und mehr an Grenzen stoßen. Sie sieht das Modell Vorarlberger Pflegegesellschaft allein aus diesem Grund immer wichtiger werden.

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