Gericht: Krasse Naziparolen vor der Polizei gebrüllt

VN / 05.12.2022 • 15:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Paranoide Schizophrenie: Der Täter stand nicht als Angeklagter, sondern als "Betroffener" vor Gericht. <span class="copyright">vn/gs</span>
Paranoide Schizophrenie: Der Täter stand nicht als Angeklagter, sondern als "Betroffener" vor Gericht. vn/gs

Wie der Geschworenensenat über die judenfeindlichen Äußerungen eines Briten urteilte.

Feldkirch Am 6. April dieses Jahres schreckte ein Geschrei voller Wut und Hass die Passanten in der Feldkircher Innenstadt auf. Direkt vor der Sicherheitswache streckte ein 44-jähriger Mann aus Großbritannien seine Hand zum Hitlergruß und brüllte unaufhörlich diese Sätze aus sich raus (hier wörtlich ins Deutsche übersetzt): „Tötet alle Juden! Mordet alle Juden! Nazi für immer! Nazi durch und durch!“

Aufmerksam gewordene Beamte der Sicherheitswache nahmen den Mann in Gewahrsam. Doch der Brite schwieg nicht. Auch nicht, als er anschließend in eine Arrestzelle der Polizeiinspektion Feldkirch verfrachtet wurde. Selbst während der Einvernahme durch dortige Beamte brach er seine lautstarken Hasstiraden und Lobeshymnen auf Adolf Hitler nicht ab. Dabei stand er weder unter Medikamenten- noch Alkoholeinfluss.

Im geisteskranken Zustand

Dass er damals dennoch nicht zurechnungsfähig war, attestiert ihm bei der Schwurgerichtsverhandlung am Landesgericht Feldkirch Gerichtspsychiater Reinhard Haller: „Er befand sich unter dem Einfluss einer paranoiden Schizophrenie und litt unter einem Verfolgungswahn. Zu diesem Ergebnis kamen außer mir auch noch sechs weitere Ärzte des Landeskrankenhauses Rankweil.“ Auch während der psychiatrischen Behandlung streckte er den Ärzten den Hitlergruß entgegen.

Beim Prozess gilt der 44-Jährige deshalb nicht als Angeklagter, sondern als „Betroffener“. Vor dem Geschworenensenat rudert der Brite allerdings etwas zurück: „Ich stelle nichts in Abrede. Aber ich hatte damals ernsthafte gesundheitliche Probleme. Ich sagte Dinge, die ich normalerweise nicht sage“, lässt er sich von der Dolmetscherin übersetzen.

„Immer noch enttäuscht“

In gewisser Weise bleibt er aber dennoch dabei: „Ich bin immer noch enttäuscht und verärgert über das Verhalten gewisser jüdischer Menschen und Unternehmen, die nach meinem Vermögen greifen.“

Angesichts der Zukunftsprognose des Betroffenen hält Gerichtspsychiater Haller eine Einweisung  in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher für notwendig. „Und zwar mindestens für ein halbes Jahr.“ Eine Empfehlung, welcher der Geschworenensenat folgt. Der Brite wird bis zu einer Besserung seines Zustandes im Landeskrankenhaus Rankweil psychiatrisch behandelt. Der Betroffene selbst ist damit einverstanden, der Beschluss ist rechtskräftig.

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