Vorarlberger Startup macht aus Stein grünen Baustoff

VN / 03.01.2023 • 12:04 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Vorarlberger Startup macht aus Stein grünen Baustoff

Forschungskooperation mit der Technischen Universität Wien soll Basaltbeton-Baustoff den Weg ebnen. 

Lustenau, Wien Klimaschutz und CO2-neutrales Bauen treiben derzeit die Baubranche um. Die Vorarlberger Zimmerer etwa klopfen nicht nur auf Holz, sondern auch auf die Kombination Lehm und Holz, um nicht nur dem Klimaschutz gerecht zu werden, sondern auch in vielen Jahren keinen Abfall zu hinterlassen, sollten die so errichteten Gebäude einmal abgebrochen werden.

Ob Basaltbeton eine technisch vielseitige und umweltfreundliche Alternative zur traditionellen Stahlbeton-Bauweise ist, soll das Forschungsprojekt an der TU Wien zeigen.<span class="copyright"> FA</span>
Ob Basaltbeton eine technisch vielseitige und umweltfreundliche Alternative zur traditionellen Stahlbeton-Bauweise ist, soll das Forschungsprojekt an der TU Wien zeigen. FA

Doch nicht nur Holz und Lehm stehen im Fokus. E in zukunftsorientiertes Forschungsprojekt startet heuer an der Technischen Universität Wien (TU Wien). Das Vorarlberger Startup-Unternehmen Basalt+ GmbH hat mit dem Forschungsbereich für Stahlbeton- und Massivbau der TU Wien eine Kooperation vereinbart, die den Naturstein Basalt im Visier hat.

Basalt ist ein aus Lava entstandener dunkler Naturstein. Der mineralische Werkstoff ist weltweit verbreitet und kann einfach und kostengünstig abgebaut werden.<span class="copyright"> WP/Schnobby</span>
Basalt ist ein aus Lava entstandener dunkler Naturstein. Der mineralische Werkstoff ist weltweit verbreitet und kann einfach und kostengünstig abgebaut werden. WP/Schnobby

Der international aktive britische Investor John Renos ermöglicht als Miteigentümer von Basalt+ diese Forschungspartnerschaft. „Basalt hat großes Potential. In Kooperation mit der TU Wien arbeiten wir nun an der marktfähigen Realisierung dieses innovativen Baustoffs. Experten rechnen mit einer Halbierung des CO2-Ausstoßes bei der Herstellung von Basaltbeton gegenüber Stahlbeton“, erklärt Wolfgang Fiel, Geschäftsführer der Basalt+ GmbH. Der gebürtige Alberschwender hat an der TU Wien und dem University College London Architektur studiert, ist Senior Lecturer an der Universität für angewandte Kunst Wien sowie Senior Research Fellow am Institut für Chemie und Materialforschung der Universität Wien.

Wolfgang Fiel, Geschäftsführer Basalt+ GmbH: „Textilbeton mit Basaltfasern bietet enorme ökologische Vorteile und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion des CO2 Ausstoßes.“ <span class="copyright">FA</span>
Wolfgang Fiel, Geschäftsführer Basalt+ GmbH: „Textilbeton mit Basaltfasern bietet enorme ökologische Vorteile und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion des CO2 Ausstoßes.“ FA

Das im Millenniumpark beheimatete Unternehmen hat auf der Basis von Basalt einen innovativen Baustoff entwickelt, der hohe technische Anforderungen erfüllt und einen großen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Die einjährige Forschungskooperation mit der TU Wien wird diesen neuen Baustoff nun wissenschaftlich prüfen, erklären der Projektleiter Dr. Philipp Preinstorfer und Universitätsprofessor Johann Kollegger, Leiter des Forschungsbereiches für Stahlbeton- und Massivbau. Ziel ist es, die Grundlagen für eine europaweit gültige Zulassung für einen basaltbewehrten Betonbauteil zu erarbeiten. Die Innovation des Lustenauer Startups Basalt+ ist ein tragender, geknickter oder gebogener Betonbauteil mit Basaltfasern, der im Vergleich zu herkömmlichem Stahlbeton bei gleicher Traglast erheblich kleinere Querschnitte und geringere Bauteilmassen aufweist.

Vielfältige Vorteile gegenüber Stahlbeton

Sowohl technische als auch ökologische Argumente sprechen für den Einsatz von Basaltbeton als sichere und klimafreundliche Alternative zu Stahlbeton, erklärt Fiel: „Unser Textilbeton mit Basaltfasern bietet ökologische und auch eindeutige technische Vorteile wie eine erhöhte Lebensdauer, massive Gewichts- und CO2-Reduktion. Außerdem ist Basalt korrosions-, hitze-, kälte- und UV-beständig und wird in Österreich abgebaut.“ Die Anwendungsbereiche liegen vor allem in Infrastrukturprojekten, z.B. in der Brückensanierung, dem Brücken- und Tunnelbau, bei Gebäudesanierungen oder im Fassadenbau.

Projektleiter Dr. Philipp Preinstorfer, TU Wien, Forschungsbereich für Stahlbeton- und Massivbau. <span class="copyright">TU</span>
Projektleiter Dr. Philipp Preinstorfer, TU Wien, Forschungsbereich für Stahlbeton- und Massivbau. TU

Ermöglicht und fachlich begleitet wird das Startup Unternehmen Basalt+ von John Renos, der mit seinem Wiener Unternehmen, der REN Innovation Invest GmbH, den Fokus auf ökologische Technologien in Kooperation mit österreichischen Innovations-Partnern legt. „Im internationalen Vergleich bietet Österreich optimale Bedingungen für die Entwicklung von Green Tech Projekten. Es gibt eine interessante Startup Szene und eine große Offenheit für neue Technologien. Vor allem überzeugt mich die positive Haltung gegenüber Projekten und Unternehmen, die sich für eine klimafreundliche Transformation einsetzen. Dazu gehören Kooperationen und Forschungsprojekte mit renommierten Universitäten genauso wie die Bereitschaft der Unternehmer, Green Tech Innovationen konsequent weiterzuführen“, begründet Renos sein Engagement für Innovationen „Made in Austria“.

Langfristige Ziele des Joint Ventures Basalt+, an dem neben Renos (51 Prozent) die Grabher Group (49 Prozent) beteiligt ist, sind die Marktreife des neuen basaltbewehrten Baustoffes sowie der Aufbau einer nachhaltigen Produktion in Österreich.

Basalt+ GmbH

Das Unternehmen mit Sitz in Lustenau st ein Joint Venture von John Renos und seiner Wiener REN Innovation Invest GmbH und der Vorarlberger Grabher Group. Ziel ist die Entwicklung von innovativen Technologien zur Herstellung von Basalt-Verbundwerkstoffen.

Werkstoff Basalt

Basalt ist ein aus Lava entstandener dunkler Naturstein. Der mineralische Werkstoff ist weltweit verbreitet und kann einfach und kostengünstig abgebaut werden. Basaltabbaustätten finden sich auch in Österreich. Basalt ist allgemein sehr widerstandsfähig, druckfest, frostfrei und nicht brennbar, rostfrei und UV-beständig. Das Gestein wird bislang vor allem als Platten für Fassaden oder auch im Innenausbau eingesetzt. Ein prominentes Beispiel für die Anwendung in der Architektur ist die schwarze Fassade des MUMOK in Wien.

TU Wien

Die Technische Universität Wien ist Österreichs größte Forschungs- und Bildungseinrichtung im Bereich Technik und Naturwissenschaften. Mehr als 4000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen in fünf Forschungsschwerpunkten an acht Fakultäten an „Technik für Menschen“.

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