Neues Angebot in Brand: Das geschieht wirklich beim Waldbaden

VN / 24.01.2023 • 11:30 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Neues Angebot in Brand: Das geschieht wirklich beim Waldbaden
Nadine Nesler bietet in Brand Waldbaden an. Alle Bilder: VN/JUN

Nadine Nesler bietet in Brand seit diesem Winter Waldbaden an. Was man darunter versteht, was man tatsächlich beim Waldbaden macht und welche Wirkung es auf Körper und Geist hat.

Brand Der Schnee knirscht unten der Fußsohle bei jedem Tritt. Die Vögel zwitschern wie im Frühling. In der Ferne hört man das dumpfe Geräusch von Autos. „Wir fangen mit dem Hakini Mudra an“, erklärt Nadine Nesler den Teilnehmern, die die Augen dabei geschlossen haben, um sich nur auf ihren eigenen Atem, die Umgebungsgeräusche und Gerüche zu konzentrieren. Die Fingerspitzen berühren sich und formen ein Dreieck. Nadine Nesler bietet seit diesem Winter Waldbaden an. Doch was macht man da eigentlich? Wirklich nur Bäume umarmen?

Nadine Nesler nimmt immer ein Körbchen mit Utensilien mit.
Nadine Nesler nimmt immer ein Körbchen mit Utensilien mit.
Beginn am Klettergarten in Brand. Dort führt Nadine die Teilnehmer in das Thema Waldbaden ein.
Beginn am Klettergarten in Brand. Dort führt Nadine die Teilnehmer in das Thema Waldbaden ein.
Passiert man diesen Bach, gelangt man in das Waldstück.
Passiert man diesen Bach, gelangt man in das Waldstück.

Die gebürtige Berlinerin ist ausgebildete Masseurin und Kosmetikerin, hat dann umgeschult auf Humanenergetik, hat eine Ausbildung zur Yogalehrerin gemacht und bezeichnet sich selbst als Kräutertante. Im November hat sie sich, nachdem sie im Hotelgewerbe tätig war, selbstständig gemacht, da sie ihre Leidenschaft so ausleben wollte, „wie ich es für richtig halte“. Für sie ist Waldbaden das „achtsame und bewusste Begehen des Waldes“. Man begeht den Wald mit allen Sinnen, macht dort Atem- und Meditationsübungen. Das Waldbaden stammt vom japanischen Wort „Shinrin-yoku“ und bedeutet so viel wie „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“.

Die Stirn lehnt man gegen den Stamm und schließt die Augen.
Die Stirn lehnt man gegen den Stamm und schließt die Augen.
Man spürt die Ruhe.
Man spürt die Ruhe.

Genau das macht Nadine Nesler auch mit ihren Teilnehmern. Startpunkt ist der Klettergarten in Brand. Von dort führt Nadine die Teilnehmer (maximal zehn) zwei bis zweieinhalb Stunden lang durch ein nahegelegenes Waldstück und macht mit ihnen alle paar Meter Halt. Denn beim Waldbaden geht es nicht darum, weite Strecken zurückzulegen, im Gegenteil. Laut einer Studie läuft man nur einen Kilometer pro Stunde.

Auch ein Blick nach oben schadet nicht, um die Perspektive zu verändern.
Auch ein Blick nach oben schadet nicht, um die Perspektive zu verändern.
Waldbaden mit Nadine Nesler.
Waldbaden mit Nadine Nesler.

Heilsame Nadeln

Ein paar Mal tief durchatmen, dann geht es weiter. Über einen Bach gelangt man in ein kleines Waldstück aus Nadelbäumen. Die Nadeln von Tanne, Fichte und Kiefer verströmen ätherische Öle und Terpene und wirken daher stressreduzierend und blutdrucksenkend. Nadine Nesler erklärt, dass diese ätherischen Öle intensiver auf Schleimhäute wirken und somit die Bronchien befreien, wenn man erkältet ist. Wenn man drei Tage hintereinander vier Stunden Waldbaden würde, werden die Killerzellen im Körper um 50 Prozent erhöht und bleiben in dieser verstärkten Anzahl einen Monat lang im Körper erhalten, erklärt Nadine Nesler. Wenn man einmal Waldbaden geht, hält dieser Zustand bereits eine Woche an. „Antikrebsproteine werden entwickelt“, erklärt sie weiter. So werde das Immunsystem gegen Krebs gestärkt. „Das Waldbaden im Nadelwald ist eine vorbeugende und eine begleitende Maßnahme während und vor einer Krebsdiagnose. Es ist eine angenehme Gesundheitsvorsorge.“ Nach Regen und im Sommer ist die Konzentration an ätherischen Ölen am höchsten.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Verschiedene Zweige von Nadelbäumen schmecken unterschiedlich.
Verschiedene Zweige von Nadelbäumen schmecken unterschiedlich.
Kostprobe von Fichte, Tanne und Kiefer.
Kostprobe von Fichte, Tanne und Kiefer.

Die Teilnehmer werden angehalten, sich einen Baum auszusuchen, der einen anspricht. Mit den Handflächen berührt man die raue Rinde, lehnt die Stirn dran an, schließt die Augen und atmet ein paar Mal tief durch. Man soll eins werden mit dem Baum, sich auf ihn einlassen, mit ihm eine Verbindung eingehen.

Nadine sagt den Teilnehmern, was sie machen sollen, wie zum Beispiel tief durchatmen.
Nadine sagt den Teilnehmern, was sie machen sollen, wie zum Beispiel tief durchatmen.
Ungewöhnliche Perspektiven kann man auch mit einem Spiegel erzeugen.
Ungewöhnliche Perspektiven kann man auch mit einem Spiegel erzeugen.

Eine Sache der Perspektive

Dann kommen Spiegel, Lupen und Bilderrahmen aus Pappe zum Einsatz. Mit ihnen soll man die Natur aus einem anderen Blickwinkel entdecken. Durch den Spiegel ergeben sich interessante Perspektiven und Muster. Die Lupe hält man direkt an die Rinde oder an das Moos, schaut hindurch und erkennt so viele feine Strukturen, die man mit bloßem Auge nie wahrnehmen würde. Man taucht tiefer in den Wald ein, mit all seinen versteckten Welten.

Oder man taucht mit einer Lupe in die Tiefe des Waldes ein.
Oder man taucht mit einer Lupe in die Tiefe des Waldes ein.
Das Moos am Baum sieht durch die Lupe faszinierend aus.
Das Moos am Baum sieht durch die Lupe faszinierend aus.

Nadine Nesler gestaltet jedes Waldbaden anders, abhängig von den Leuten, die daran teilnehmen. Für Familien mit Kindern nimmt sie andere Utensilien in ihrem Körbchen mit als bei einer Seniorengruppe. Was gleich bleibt: Es gibt bei jedem Kurs Tee und Gebäck. „Ich benutze verschiedene Utensilien, die das Eintauchen in den Wald unterstützen“, erklärt die Kräutertante, die das Waldbaden jedes Mal ganz individuell gestaltet. Auch die Länge des Weges kann variieren. Für Kinder zum Beispiel nimmt sie Kärtchen mit, mit denen die Kinder etwas Spitzes, eine Farbe oder etwas Langes suchen müssen. Oder Nadine klebt den Bilderrahmen mit doppelseitigem Klebeband ab, damit die Kinder ihn mit Gefundenem aus dem Wald gestalten können. Eine weitere Aufgabe ist, Farben im Wald zu erkennen. Aber das eigentliche Ziel des Waldbadens sei, „kein Ziel zu haben“, so die selbsternannte Kräutertante.

Was versteckt sich denn da im Spiegelbild?
Was versteckt sich denn da im Spiegelbild?
Durch die Lupe fotografiert.
Durch die Lupe fotografiert.

Im Sommer wird die Bürserbergerin das Waldbaden etwas anders gestalten, mit Barfußgehen und Kräutersammeln. Sie würde auch einen Mörser mitnehmen, mit dem man die Tannennadeln zermahlen kann, um in die Aromatherapie einzusteigen. Doch an diesem Wintertag nimmt sie drei verschiedene Nadelzweige, einen von der Fichte, einen von der Tanne und einen von der Kiefer, aus ihrem Körbchen und überreicht diese den Teilnehmern. Man solle eine Nadel abrupfen und diese essen. „Wie schmeckt das?“, fragt Nadine in die Runde. Während die Tanne leicht nach Orange oder Mandarine schmeckt, schmeckt die Kiefer harzig. Überhaupt nicht schmecken tut die Fichte, denn sie erinnert an Schaumwasser. In ihrem Körbchen hat Nadine Nesler auch ein selbstgemachtes Duftspray mit ätherischem Waldöl, Creme aus Harz und Salbe zum Testen.

Auch Cremes kann man testen.
Auch Cremes kann man testen.
Nadine stellt ihre Duftsprays mit ätherischen Ölen selbst her.
Nadine stellt ihre Duftsprays mit ätherischen Ölen selbst her.

Sie selbst geht am liebsten in den Wald in Thüringen. Dort kann sie mit ihren Kindern kreativ sein, mit ihnen Mandalas legen, etwas bauen, sammeln, mit Farben arbeiten, ohne an Höhe zuzulegen. „Der Blick hat sich durch das Waldbaden verändert. Ich bleibe jetzt viel öfter stehen.“ VN-JUN

Waldbaden mit Nadine Nesler

Wo: Brand, beim Klettergarten

Wann: Immer mittwochs um 10 Uhr

Dauer: ca. 2 Stunden

Teilnehmeranzahl: mindestens drei, maximal zehn

Preis: 25 Euro pro Erwachsener, 15 Euro pro Kind

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.