“Warum willst du deinen Bruder abstechen?”

20-Jähriger wegen angeblichem Drogenraub mit Pfefferspray angeklagt.
Feldkirch Am Landesgericht Feldkirch wurde ein Fall von schwerem Raub, Nötigung und falscher Zeugenaussage verhandelt. Die Sache stellte sich aber im Endeffekt wesentlich komplizierter dar als angenommen.
Haschisch statt Geld
Der Vorfall ereignete sich am 17. März dieses Jahres am Bahnhof Riedenburg in Bregenz. Dabei sollen sich drei junge Männer im Alter von 18 bis 20 Jahren getroffen haben, um “eine Sache zu klären”. Es ging wohl um Geldschulden, die der 20-jährige Angeklagte hatte.
Der Beschuldigte selbst sagt aus, er hätte einem 18-Jährigen vorgeschlagen, ihm statt Geld Haschisch zu geben. Dieser hätte eingewilligt, dann aber immer mehr verlangt. Als der Angeklagte nicht mehr aushändigen wollte, soll der 18-Jährige ein Messer gezückt haben.
Der 20-Jährige sagt, er habe “Angst um sein Leben” gehabt und aus diesem Grund einen Pfefferspray gezückt. Laut Zeugenaussagen soll er dann allerdings versucht haben, Drogen aus der Tasche des Anderen zu nehmen. Ein der Staatsanwaltschaft vorliegendes Video zeigt den Angeklagten, wie er einen Kontrahenten zu Boden drückt und ihn anschreit: “Warum willst du deinen Bruder abstechen?”
Unterschiedliche “Wahrheiten”
Die Zeugenaussagen unterscheiden sich fast gänzlich voneinander. Geladen sind der Mann, dem vermeintlich die Drogen geklaut wurden und dessen Bruder, der bei der Tat in der Nähe gewesen sein soll sowie der Cousin, der bei einem klärenden Gespräch bei dem Angeklagten zu Hause dabei gewesen ist. Auch die Mutter des Beschuldigten sagt über das Gespräch in der Wohnung aus. Die einzige Konstante bei der ganzen Geschichte ist jedoch der Pfefferspray.
Richterin Sabrina Tagwercher spricht den Beschuldigten in allen Anklagepunkten frei. Die Zeugenaussagen sind für einen Schuldspruch zu wirr. Sechs Monate ins Gefängnis muss der Angeklagte trotzdem, weil er sich nicht an seine Bewährungsauflage gehalten hat.