Darum ist Thomas Sauter ein ganz besonderer Pfarrer

Kirchenvorplatz als Kunstbühne, interaktive Predigten, totale Leidenschaft: In der Erlöserkirche regiert ein Entertainer.
Lustenau Thomas Sauter braucht nie lange, bis seine Geselligkeit wirkt. Lebhaft und fröhlich erzählt er anlässlich seines 25-jährigen Dienstjubiläums als Priester über sich und seine Herkunft. “Ich bin Schwabe, komme aus Langenargen. Unsere Familie war überhaupt nicht sportlich, dafür musikalisch”, schmunzelt der Pfarrer der Erlöserkirche Lustenau, dessen Aufgabengebiet sich aufgrund des Priestermangels mittlerweile auf ganz Lustenau erstreckt.

Auf Augenhöhe mit den Schäfchen
Seit 2003 steht Thomas Sauter der Erlöserpfarre in Lustenau vor. Er folgte Josef Marte nach, der in seinem Auftreten eher spröde und ernsthaft wirkte. Mit Sauter wehte ein frischer Wind in und rund um die Erlöserkirche. Der Langenargener versteht sich als Volkspfarrer mit modernem Anstrich. Er sieht den Kirchenraum als Begegnungszone, sucht bei den Messen gerne den direkten Kontakt zu seinem Kirchenvolk. Nicht selten schnappt er sich bei den Predigten ein Handmikrofon und schreitet vom Altarraum zu den Messebesuchern, um dort auf Augenhöhe seine Botschaften zu vermitteln.

“Du musst ja was tun, um die Menschen zu gewinnen”, sagt Sauter immer wieder. Was er in diesem Zusammenhang jedoch unbedingt vermeiden will: “Ich möchte keinen Druck ausüben. So nach dem Motto: Wenn ich das oder jenes für dich tue, kommst du dafür in die Kirche.”
Die große Wende
Dass der Bub aus Langenargen einmal Priester werden würde, zeichnete sich nicht ab. Ganz normal wuchs er in der deutschen Bodenseegemeinde auf, spielte Handorgel und ministrierte am Sonntag in der Kirche. Nach der Pflichtschule absolvierte Thomas Sauter eine kaufmännische Lehre. “Danach arbeitete ich auf der Volksbank in Tettnang.” Der junge Mann strebte bald nach mehr. “Ich wollte im Bankgeschäft weiterkommen und wechselte daher zu einer Großbank nach Frankfurt.”

Dort geschah nach nur vier Tagen die große Wende im Leben des jungen Thomas Sauter. “Da kam plötzlich dieser Wunsch, Priester zu werden. Es war wie eine Art Wandel vom Saulus zum Paulus.” Was damals mit ihm genau passierte, kann Sauter nicht wirklich erklären.
Alle sind willkommen
Tatsache ist: Er kehrte aus Frankfurt heim, war zuerst arbeitslos, arbeitete danach als Zwischenstation noch einmal ein Jahr auf einer Bank in München. Danach holte er das Abitur nach und begann sein Theologiestudium in Innsbruck. 1999 kam er in die Lustenauer Pfarre St. Peter & Paul, war dort von 2000 weg drei Jahre Kaplan. “2003 dann folgte ich Josef Marte als Pfarrer im Rheindorf nach.”
Als “Herr Pfarrer” marschiert Thomas Sauter in seinem Arbeitsbezirk nicht herum. “Ich bin der Thomas, und ich lade die Menschen hier ohne Hintergedanken ein, zu mir zu kommen. Ich will Freude vermitteln und nicht schlechtes Gewissen oder Pflichtgefühl.”

Thomas’ Einladungen werden gerne angenommen. Seine Messen sind gut besucht. Vor der Kirche lädt er mittels Transparenten, die sympathische Botschaften transportieren, zum Besuch des Gotteshauses ein.
Thomas Sauter will keine Gelegenheit auslassen, um zu vermitteln: “Ich bin einer von euch, und ich lade euch gerne ein.”
Thomas Sauter
Geboren: 28. November 1967
Wohnhaft: Lustenau
Beruf: Priester
Hobbys: Lesen, unterwegs sein
Lieblingsspeise: Wiener Schnitzel mit Pommes