Geschichten aus Holz

Johannes Nigsch und seine Philosophie des Möbelbaus.
Bludenz Johannes Nigsch mag es leise, aber auch genau und ehrlich. Das zeigt sich nicht nur in seiner Art zu sprechen, sondern vor allem in seiner Arbeit. Der 36-jährige Massivholztischler baut Möbel in Bludenz, die nichts beweisen müssen und gerade deshalb langlebig sind.

Geboren in Schwarzenberg, wusste Johannes Nigsch nach der Matura zunächst nicht so recht, was er beruflich machen solle. Die Eltern wurden schon ein wenig nervös, bis er dann meinte, Schreinern interessiere ihn. Daraufhin absolvierte er eine vierjährige Schreinerlehre in Schwarzenberg. “Das hat für mich sehr gut gepasst”, meint er im Rückblick. Es folgte ein Studium in Gestaltung und Design in St. Pölten, im Anschluss daran zog der umtriebige junge Mann nach Wien. Dort erfolgte gemeinsam mit zwei Freunden der Schritt in die Selbstständigkeit, und nebenbei erledigte er auch noch die Meisterprüfung als Tischler.
Massivholz als wertvoller Rohstoff
Vor drei Jahren ging es dann zurück nach Vorarlberg. Seither ist sein Arbeitsplatz in der Køje in der Fabrik Klarenbrunn, wo er sich eingemietet hat. Ihm gefällt das innovative und offene Klima, das dort herrscht. Er arbeitet allein, hat keine Mitarbeiter, trotzdem fühlt er sich nicht abgeschottet: “Allein zu arbeiten funktioniert ganz gut, aber es ist fein, dass hier in der Fabrik auch andere Leute da sind, mit denen ich mich gerne austausche.” Seine Kundschaft kommt aus dem ganzen Land, vor allem aber aus dem Oberland, was er wegen der lokalen Nähe sehr schätzt. Er arbeitet nahezu ausschließlich mit Massivholz, das zum größten Teil aus dem Raum Bludenz kommt. Ihm ist wichtig, die Wege kurz zu halten und zu wissen, woher sein Material kommt. Im Idealfall hat er den Baum noch gesehen, bevor er gefällt wird.

Holz ist für ihn ein Werkstoff mit Herkunft: vom Baum zum Möbelstück, nachvollziehbar und begreifbar. Massivholz sei langlebig, gut zu reparieren und zu renovieren sowie ehrlich in seinen Grenzen: “Mit Massivholz kann man gewisse Sachen machen, andere eben nicht.” Im Umgang mit der Ressource Holz bleibt er konsequent. Verschnitt versucht er möglichst zu vermeiden, Reste werden etwa zu Schuhlöffeln, Hockern oder Schneidbrettern weiterverarbeitet.
Möbel als Lebensbegleiter
Die Begriffe Nachhaltigkeit und Bio sind für den erfahrenen Tischlermeister abgegriffen. Für ihn seien diese eine Selbstverständlichkeit und nicht etwas, das extra erwähnt werden müsse. Viel wichtiger sei ihm, wirklich schöne Möbel herzustellen, die langlebig sind und im besten Fall ihre Besitzer ein Leben lang begleiten: “Ein Möbelstück ist etwas Persönliches. Es ist dann gut, wenn man jeden Tag eine Freude bei seiner Verwendung oder Betrachtung hat.” Seine Entwürfe sind zurückhaltend, zeitlos, materialgerecht und in sich stimmig. Kein lautes Design, sondern Möbel mit Charakter. Neben Möbel-Maßanfertigungen beschäftigt ihn zunehmend die Restauration alter Bestände: “Für mich ist das eine besondere Herausforderung. Alte Möbel haben ihre eigene Geschichte. Es ist spannend, was alles möglich ist.”

Im Sommer tauscht Johannes Nigsch die Werkstatt gegen die Alpe. Seine Eltern sind Miteigentümer der Alpe Ischkarnei in der Gemeinde Sonntag. Heuer hat er erstmals den halben Sommer als Senner dort gearbeitet und hat dort auch Käse gemacht – und dies ebenfalls mit der ihm eigenen Ruhe und Reflektiertheit. Johannes Nigsch ist kein Lautsprecher, kein Trendrufer. Seine Möbel erzählen keine großen Geschichten. Aber sie erzählen die richtigen. BI
Zur Person
JOHANNES NIGSCH
GEBOREN 1989 (36 Jahre)
FAMILIE In einer Lebensgemeinschaft
WOHNORT Feldkirch
BERUFLICHER WERDEGANG Matura, Schreinerlehre, Studium Gestaltung und Design in St. Pölten, Selbstständigkeit in Wien, Meisterprüfung, seit drei Jahren selbstständig in der Fabrik Klarenbrunn in Bludenz
HOBBY Wandern
LEBENSWUNSCH Zufriedenheit, Gelassenheit und Leichtigkeit
