Tapas-Streit im Land: “Sie haben meine Rezepte geklaut”

VN / 07.01.2026 • 20:30 Uhr
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Sedad Erarslan (51) – Inhaber von Eltoro las tapas Al-Andalus. VOL.AT/SKÖ

Restaurant-Betreiber Sedad Erarslan klagt an: In seiner schwersten Zeit verliert er nicht nur seine Gesundheit – sondern auch Menschen, denen er vertraute.

Bregenz Der Bregenzer Gastronom Sedad Erarslan (51), Betreiber des spanischen Lokals “Eltoro las tapas Al-Andalus”, spricht über eine schwierige Zeit in seinem Leben – geprägt von Krankheit, persönlichen Enttäuschungen und einem Neuanfang in seinem Unternehmen.

Ein Neuanfang mit alten Freunden

Es war die Corona-Zeit. Niemand wollte in der Gastronomie arbeiten. Also griff der Gastronom zu einer ungewöhnlichen Lösung: Er stellte seine Freunde ein, mit denen er 30 Jahre lang befreundet war. Menschen, denen er nach eigenen Angaben jahrelang geholfen hatte, als sie selbst kaum über die Runden kamen. “Sie hatten keine Wohnung, ich hab die Miete gezahlt. Sie hatten kein Geld, ich hab ihnen Trinkgeld gegeben – bis zu 500 Euro pro Tag”, erzählt er.

Die Zusammenarbeit war schwierig. Der Gastronom berichtet von exzessivem Alkoholkonsum im Betrieb, von Mitarbeitenden, die wenig Initiative zeigten. Er selbst landete schließlich auf der Intensivstation – Lungenentzündung, Stress, Blutvergiftung. “Dann kam auch noch die Krebsdiagnose. Unheilbar.”

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Das Restaurant befindet sich in Bregenz in der Anton-Schneider-Straße. VOL.AT/SKÖ

Hilfe oder Hinterhalt?

In dieser Zeit kamen seine Freunde in die Küche – laut seiner Darstellung, um ihn zu entlasten. Einer seiner engsten Vertrauten warnte ihn jedoch: Sie würden seine Rezepte mitschreiben, um ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Zuerst wollte er das nicht glauben. “Ich dachte, sie helfen mir”, sagt er rückblickend. Doch als dieser Freund nicht mehr ins Lokal kommen durfte, weil die anderen es angeblich forderten, begann er zu zweifeln.

Später sei eine neue Mitarbeiterin eingestellt worden – nicht Teil des alten Freundeskreises. Laut dem Gastronomen zeigte sie Initiative, machte Empfehlungen, steigerte den Umsatz. Sie wurde anschließend Geschäftsführerin. Doch auch sie wurde bald zur Zielscheibe: “Sie wollten nicht unter einer Frau arbeiten”, habe es geheißen. Die drei Freunde verließen das Lokal – mitten in der Festspielzeit.

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“Ich hätte mir mehr Zusammenhalt gewünscht”, sagt Erarslan. VOL.AT/SKÖ

“Ich war kaputt – und plötzlich allein”

Die Sommermonate sind entscheidend für die Gastronomie in Bregenz. “Wenn du die Saison nicht schaffst, bist du fertig”, sagt er. Doch statt aufzugeben, arbeitete er weiter – gemeinsam mit der verbliebenen Mitarbeiterin, inzwischen seine Lebenspartnerin. “Wir waren zu dritt. Sie draußen, ich und eine weitere Mitarbeiterin in der Küche. Und wir haben mehr Umsatz gemacht als zu viert mit den anderen.”

Gleichzeitig habe er wegen fehlender Kapazitäten Gäste abweisen müssen – ein wirtschaftlicher Verlust, den er in Kauf nahm. Für ihn stand mehr auf dem Spiel als Geld: “Ich wollte nicht, dass sie gewinnen.”

Ein neues Lokal mit alten Rezepten?

Wenig später sei ein neues Restaurant eröffnet worden – laut seiner Darstellung mit denselben Rezepten, die er über Jahre entwickelt hatte. “Ich sehe die Fotos, ich weiß, das sind meine Gerichte. Vielleicht mit billigerer Qualität, aber die Basis ist von mir.” Dass Rezepte nicht geschützt sind, weiß er. Doch für ihn ist klar: Es war ein Verrat.

Mehrfach betont er, dass er den Freunden sogar angeboten habe, ein eigenes Lokal für sie zu kaufen – über seinen Namen, weil sie selbst nach Konkursen nicht offiziell hätten führen dürfen. Doch offenbar sei das nicht genug gewesen. “Sie wollten alles. Mein Konzept, mein Wissen – aber ohne mich.”

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Er war immer an seiner Seite – Sedad Erarslans Hund, inzwischen verstorben.VOL.AT/SKÖ

Die Vorwürfe gegen die ehemaligen Mitarbeiter wiegen schwer. Eine Anfrage der VN bei einem der neuen Restaurant-Betreiber in Feldkirch blieb unbeantwortet.