Wenn der Dornbirner Flohmarkt erwacht

Seit vergangener Woche kann man Waren für Österreichs größten Flohmarkt abgeben.
Dornbirn Messehalle 9, am Samstagvormittag. Zwischen Paletten, Rollwägen und offenen Kofferraumklappen liegt bereits diese besondere Spannung, die nur der Dornbirner Flohmarkt erzeugen kann. Autos und Lkw treffen im Minutentakt ein, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer wuseln durch die Halle, tragen Kästen, Tische, Sessel, prüfen und sortieren. Dazwischen bleibt immer Platz für einen Schmäh. Österreichs größter Flohmarkt übernimmt wieder Waren – und mit ihnen Geschichten.

Halle 9 ist die Domäne der Möbel. Eine eigene Welt, organisiert wie eine kleine Dynastie. Und “Kings” haben auch hier das Sagen. Seit mehr als drei Jahrzehnten sind Hemma King und ihre Familie hier im Einsatz, ehrenamtlich, vom ersten Annahmetag bis zum letzten Abbau. Was der Vater von King einst aufgebaut hat, führt die Familie weiter. Heute hilft mit Enkel Hektor bereits die vierte Generation mit. Und auch Freundin Monika Matt ist – ebenfalls mit ihrem ganzen Clan – stets an ihrer Seite. Auch für strenge Arbeit sind sich die beiden Damen nicht zu schade.

Aktuell steht das Sortieren im Mittelpunkt, die grobe Einteilung der 3000 Quadratmeter großen Fläche. Abteilungsleiter Max Ribitsch behält den Überblick. Der Freund und Nachbar der Familien King und Matt ist längst zum Möbelkenner geworden. “Durch sie bin ich zum Flohmarkt gekommen und habe mich zum Abteilungsleiter der Möbel hochgearbeitet”, verrät er lachend. Er weiß inzwischen, was zu den Antiquitäten gehört, erkennt gefragte Vintage-Stücke auf den ersten Blick. Besonderheiten tauchen immer wieder auf. Im Vorjahr etwa Hansen-Stühle. Sammler und Händler aus dem In- und Ausland finden hier ihr Paradies.

“Was für den einen Gerümpel ist, kann für den anderen ein Goldstück sein”, sagt Erik King, der gemeinsam mit Ribitsch auch das Reparaturteam bildet. In der eigenen Werkstatt werden brauchbare Möbel instand gesetzt, Kästen ohne Plan wieder zusammengesetzt, wackelige Beine stabilisiert. Was wirklich nicht mehr zu retten ist, wird aussortiert und fachgerecht entsorgt.

Gerade fährt ein Lkw vor. Am Steuer sitzt Johannes Zangerl. Der Dornbirner Stadtrat hilft seit Jahren beim Flohmarkt mit und übernimmt regelmäßig Abholfahrten. Dreimal pro Woche ist er mit seinem Team abends unterwegs, vor allem im Raum Dornbirn, Schwarzach und Hohenems. “Auch Käufer können am Verkaufstag den eigenen Speditionsservice für große Möbelstücke nutzen. Service gehört bei uns halt dazu”, betont Ribitsch.

Getragen wird der Flohmarkt von mehr als 700 Ehrenamtlichen aus den Reihen der Pfadfinder Dornbirn und des Lions Club Vorarlberg. 22.000 Arbeitsstunden für den guten Zweck, für Nachhaltigkeit, Wiederverwertung und soziale Hilfe.

Wenn am ersten Februarwochenende die Hallen öffnen, ist aus dem anfänglichen Treiben wieder ein riesiges Ganzes geworden. Der Dornbirner Flohmarkt findet am Samstag, 7. Februar, von 8 bis 17 Uhr und am Sonntag, 8. Februar, von 9 bis 12 Uhr statt. Verkauft wird in den Messehallen 9 bis 13 auf insgesamt 14.500 Quadratmetern. Erwartet werden bis zu 350.000 Besucherinnen und Besucher, die zwischen Geschirrbergen, Bücherregalen, Kleidung, Hausrat und Kuriositäten nach Schnäppchen suchen. Der Reinerlös kommt sozialen Projekten und Menschen aus der Region zugute. Und das ist auch die schönste Motivation für die Kings, Matts & Co., wenn es heißt, sortieren, reparieren, ausladen. Weil sie wissen, dass jedes weiterverkaufte Teil mehr ist als Ware – ein kleiner Beitrag zu Solidarität, Nachhaltigkeit und gelebtem Miteinander. Genau das macht den Dornbirner Flohmarkt aus. cth

