Reinhold Bilgeri

Kommentar

Reinhold Bilgeri

Kommentar: Die Welt auf dem Kopf

VN / 21.01.2026 • 17:17 Uhr

Frau Ammann fragt sich, was mit unserer Welt passieren wird, wenn internationale Regeln, Gesetze und Verträge nicht mehr für alle Involvierten verbindlich sind. Der nächste Schritt, meint sie, wäre Chaos, Raubrittertum und Barbarei. Und es liege nicht nur an den „Führern“, sondern vor allem an denen, die sie gewählt haben.

In einem Interview mit der „New York Times“ sagte Trump auf die Frage, ob es denn keine Gesetze oder Regeln für ihn gebe, an die er sich halten würde: “Ich brauche kein internationales Recht, einzig mein eigener Sinn für Moral kann mich zurückhalten.”

Die Ansage eines 34 Mal verurteilten Verbrechers, der vom Obmann der in Österreich zur Zeit favorisierten Partei bewundert wird. Liebe Wähler, wie geht das zusammen, er gefährdet doch mit seiner Politik auch Österreichs Wohlstand? 

Ganz im Ernst. Dass sich Hegemonial-Mächte in Wendezeiten verführen ließen die Welt untereinander aufzuteilen und ihre Einflusssphären abzusichern ist nichts Neues, das war schon in Athen und Sparta so und als Magellan im Auftrag Karls V. die Welt umrundete, waren Spanien und Portugal die großen Player – im Vertrag von Tordesillas wurde 1494  knallhart festgelegt, die Grenzlinie zwischen den beiden Herrschaftsbereichen einfach vom Nord zum Südpol zu ziehen, wobei alle westlich dieser Linie gelegenen Länder der Spanischen Krone, alles östlich davon den Portugiesen zugeschrieben wurde. Man hat sich einfach die ganze Welt aufgeteilt. Signiert wurde diese Ungeheuerlichkeit von Papst Alexander VI., der als Stellvertreter Gottes natürlich über den Königen stand. Ganz schön anmaßend, gleich die ganze Welt …

Auch die Amerikaner, genauer die CIA hatten schon immer und auf mehreren Kontinenten Regimewechsel inszeniert, um sich Pfründe und Einfluss zu sichern. Diktatoren wie Pinochet in Chile oder Videla in Argentinien wurden installiert und gefüttert. Von wegen Demokratie. (Siehe Maduro).

Bis herauf in die Gegenwart haben sich die „Hegemons“ nie verändert – selbst die einstigen Seemächte Europas: England, Frankreich, Spanien, Holland ja sogar die Nachzügler Deutschland, Belgien oder Italien dürsteten nach erweiterten Machtsphären, ein Kolonialismus, dessen Grausamkeiten ihnen heute noch Gewissensbisse bereitet.

Nein, das alles ist nicht neu, neu ist nur die auf jeden diplomatischen Codex pfeifende Chuzpe, mit der heutige Machtgelüste angekündigt werden. „Ich will Grönland … (Ukraine usw.) ohne oder mit Gewalt”, denn: “Ich brauche kein internationales Recht …”

Er wird als Zerstörer in die Geschichte eingehen, der lächerlich „bösartige Narzisst“ im Weißen Haus, der Kriegsherr, der sich gleichzeitig als Friedensengel geriert und von seiner ICE Gestapo die eigenen Bürger abknallen lässt. Eine obszöne Demontage der Demokratie ist dort im Gange, und selbst im friedlichen Österreich gibt es Menschen, denen die Rezeptur dazu nicht den Magen umdreht.  Austria First?  Was könnte man sich davon erwarten? Frieden sicher nicht.