Im Dialog mit VN: Bilgeri warnte vor politischer Hetze

VN-Kommentator Reinhold Bilgeri sprach über politische Spaltung und Werteverlust.
Götzis Mit deutlichen Worten meldete sich am Mittwochabend Musiker, Filmemacher und VN-Kommentator Reinhold Bilgeri im Bildungshaus St. Arbogast zur aktuellen Welt- und Innenpolitik zu Wort. Gastgeber und Politikchef der VN, Michael Prock, begrüßte gemeinsam mit Arbogast-Geschäftsführer Daniel Mutschlechner die zahlreichen Gäste. Sie waren zur dritten Veranstaltung der Reihe „VN-Kommentatoren im Gespräch“ gekommen.
Blick nach Davos

Bilgeri eröffnete den Abend mit einem aktuellen Thema: dem Weltwirtschaftsforum in Davos und der Rede von US-Präsident Donald Trump. „Es ist eine Katastrophe. Noch schlimmer ist für mich, dass es Menschen gibt, denen gefällt, was er tut“, sagte Bilgeri. Anschließend fragte er: „Wie kann ein bösartiger Narzisst, der 34 Mal als Verbrecher verurteilt wurde, erneut gewählt werden?“ Unverständlich sei für Bilgeri, dass auch in Österreich Politiker und Bürger Trump unterstützen, damit schlug er die Brücke zur heimischen Innenpolitik. Die systematische Untergrabung von Ethik und das Brechen gesellschaftlicher Regeln führen seiner Meinung nach zu einem moralischen Zerfall.
Geschichte wiederholt sich
Nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs habe sich ein gesellschaftlicher Konsens gebildet, um solche Katastrophen künftig zu verhindern. „Jetzt scheint vieles vergessen. Die Wissenschaft wird angezweifelt, das ist meines Erachtens das größte Problem.“ In Krisenzeiten gewännen zudem Verschwörungstheorien an Zulauf, weil sie vermeintlich einfache Lösungen bieten.

Vorsicht bei Worten
Bilgeri warnte eindringlich vor der Macht der Sprache: „Worte sind erst der Anfang, danach folgen Taten. Deshalb müssen wir bei den Worten von Politikern sehr wachsam sein. Wenn ich Herbert Kickl zuhöre, wird mir ganz mulmig.“ Eine Zuhörerin berichtete, dass sie sich in Europa bislang sicher gefühlt habe, nun aber manchmal Angst verspüre. „Wie können wir den negativen Entwicklungen entgegenwirken?“ fragte sie. Bilgeris Antwort: „Gehen Sie wählen und nehmen Sie Ihr Demonstrationsrecht wahr. Nur so können wir unsere ethischen Werte verteidigen.“ Er fordert die Gesellschaft zudem auf, sich entschieden gegen Unwahrheiten und Regelverstöße, besonders durch rechte Politiker, zur Wehr zu setzen. Es sei Pflicht, Haltung zu zeigen und symbolisch Nein zu sagen.




Politische Lethargie
Ein weiterer Gast erkundigte sich, wie man jene Menschen mobilisieren könne, die gegen Kickl seien, sich aber nicht engagieren. „35 Prozent folgen ihm, aber was ist mit den übrigen 65 Prozent? Ich bin ratlos und besorgt“, sagte er. Bilgeri pflichtete ihm bei und betonte, dass es mehr denn je eine Zivilgesellschaft braucht, die sich klar für die Demokratie ausspricht. Besonders in der heutigen Zeit brauche es Frieden und versöhnliche Worte. Ausgrenzung, Hetze und Regelbrüche schaden nur. Nach dem besorgten Blick auf die Weltpolitik sorgte Bilgeri für einen lockeren Abschluss. Er sprach über die Zeit des Flint-Festivals Anfang der 70er-Jahre, erzählte, weshalb „der Kommissar“ eigentlich für ihn und nicht für Falco geschrieben war und gab zum Abschluss ein Ständchen, bei dem das Publikum nach wenigen Worten in „oho Vorarlberg“ einstimmte.

Kommentatoren-Reihe wird fortgesetzt
Die nächsten Termine der Reihe „VN-Kommentatoren im Gespräch“ stehen bereits fest: Am 25. März diskutiert Gerichtspsychiater Reinhard Haller, am 6. Mai Verfassungs- und Verwaltungsjurist Peter Bußjäger und am 24. Juni Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle mit den VN-Leserinnen und -Lesern im Bildungshaus St. Arbogast. BVS





