Studentin soll Vergewaltigung erfunden haben

Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass das Sexualverbrechen in Wirklichkeit nie stattfand.
Feldkirch „Sie hat es so erlebt“, erklärt Verteidigern Astrid Nagel in ihrem Plädoyer beim Prozess am Landesgericht Feldkirch. Bei dem „Erlebten“ geht es um eine angebliche Vergewaltigung im vergangenen Jahr. Diese schildert die Angeklagte, eine intelligente, großgewachsene Frau, detailliert. Und es scheint ihr schwer zu fallen, vor Richter Dietmar Nußbaumer die Einzelheiten zu erzählen.
Eine Gruppe junger Leute sei mit ihr damals gemeinsam unterwegs gewesen. Anschließend habe sie bei einer jungen Frau, die sie erst an jenem Abend kennengelernt hatte, übernachten dürfen. Einer der jungen Nachtschwärmer sei dann in ihr Zimmer gekommen, habe sie geküsst und ihr die Kleider ausgezogen. Dann habe sich der Mann selbst ausgezogen und sei immer zudringlicher geworden. Schlussendlich habe er sie vergewaltigt, ihr weh getan und sei dann gegangen.
Frühere Erlebnisse
Sie sei schockiert gewesen, weil ihr angeblich vor Jahren schon einmal „so etwas passiert“ sei. Sie habe das der Wohnungsbesitzerin erzählt, die habe aber nur gemeint: „Beruhige Dich, jetzt gehen wir erst mal schlafen“.
Die Studentin räumt bei der Verhandlung ein, dass ihr der junge Mann anfangs gefallen habe. Dass er ihr Komplimente gemacht und behauptet hätte, er werde ihr Venedig zeigen. Sie sei irritiert gewesen, als er mit mehreren Frauen eng umschlungen tanzte. Die Studentin bat dann in einer Sprachnachricht ihre Freundin, dem mutmaßlichen Täter vorzumachen, dass es ein Video gebe, wo er mit ihr beim Geschlechtsverkehr zu sehen sei.
Seltsame Geschichten
Der Richter fragt, ob hier Eifersucht im Spiel gewesen sei. Dieses Motiv dementiert die Angeklagte. Die Freundin erzählt als Zeugin, dass sie die Angeklagte gut kenne und sie schon öfters seltsame Geschichten von ihr zu hören bekommen habe. Beispielsweise, dass sie aus dem Dornbirner Krankenhaus entführt worden sei. „Sie lügt nicht bewusst, in dem Moment wird die Geschichte, so glaube ich, für sie real“, so die Zeugin.
Prozess vertagt
Darüber besorgt, überredete die Freundin die Beschuldigte damals, in der „Valduna vorbeizuschauen“. Der Psychiater hörte sich alles an und vereinbarte einen Termin für weitere Therapie und Besprechungen. Doch darauf ging die Angeklagte allerdings nicht hin, was ihre Freundin ärgerte. Ein psychiatrisches Gutachten wird nicht eingeholt, beim nächsten Termin werden der mutmaßlich Verleumdete und zwei weitere Zeuginnen einvernommen.