Neues Rathaus in Bezau ist auf Schiene
Seit Schulschluss im Sommer des Vorjahres ist die alte Volksschule verwaist, am “Gumpiga Donnerstag” geht es hier ab 20 Uhr noch einmal rund, wenn Bezau den Auftakt zur Hochfasnat feiert.
BezauEs ist ein Jahrhundertprojekt, das die Gemeinde Bezau nach einem sorgfältigen Planungsprozess, in den auch die Bevölkerung eingebunden war, im Sommer 2022 präsentierte: “Vision Bezau 2050” betitelte die Gemeinde ihren Plan, nach dem die Wälder Marktgemeinde in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiterentwickelt werden soll. Schritt für Schritt, nach Prioritäten und Maßgabe finanzieller Möglichkeiten. Ganz oben auf der Liste: eine neue Volksschule samt Kindergarten.
“In diesem Umfeld mit herrlichem Ausblick u. a. auf die Pfarrkirche und die alte Volksschule macht das Lernen sicher mehr Spaß”, ist Bürgermeister Hubert Graf überzeugt. peter strauss
Ein echt großer Wurf
Im Sommer 2025 endete im altvertrauten Schulhaus eine Ära und mit Schulbeginn im Herbst sind die Volksschulkinder ins neue Lernhaus übersiedelt. Aus anderen Wälder Gemeinden blickt man seither ein wenig neidisch auf Bezau, denn mit dem Lernhaus ist ein großer Wurf gelungen. Nicht von ungefähr kommt Bürgermeister Hubert Graf bei einem Rundgang regelrecht ins Schwärmen: “Es läuft super und es sind – mit einem Wort – einfach alle happy. Zuallererst natürlich die Schulkinder und die Lehrpersonen, aber auch die Gemeindeverantwortlichen, Planer, Handwerker und alle Bürgerinnen und Bürger, die an der Entwicklung des Projekts mitgewirkt haben. Langfristig sind auch außerschulische Nutzungen angedacht.”
Bezau hat sein Dorfbild um die Pfarrkirche durch das Lernhaus stark verändert.
Erfreuliche Überraschung
Und nach der offiziellen Eröffnung des Lernhauses konnte der Gemeindechef mit einer erfreulichen Überraschung aufwarten: “Es ist irgendwie paradox, aber die Flaute im Wohnbau hat uns in die Karten gespielt und die prognostizierten Kosten für das Lernhaus wurden um rund eine Million Euro unterschritten, weil die Handwerksbetriebe günstiger offerierten.”
Mit dem Lernhaus hat Bezau eine neue Qualität im Schul- und Kindergartenwesen eröffnet.
Der nächste Schritt
Das Lernhaus ist aber nur ein Teil eines Konzepts, zu dem auch ein neues Rathaus gehört. Für diesen nächsten Schritt hat die Gemeindevertretung jetzt formell den Startschuss gegeben: Nach Plänen von Anja Innauer wird mit Investitionen von rund drei Millionen Euro aus der alten Volksschule ein multifunktionales Gebäude. “Im Erdgeschoss ist ein Café/Bistro vorgesehen – da kommt ein Teil des investierten Geldes wieder zurück – im ersten Obergeschoss wird die Praxis für den Gemeindearzt eingerichtet und in der zweiten Etage findet die Gemeindeverwaltung neue Räumlichkeiten. Das Dachgeschoss wird der Krankenpflegeverein beziehen”, skizziert der Gemeindechef das Vorhaben, das man “nach Ostern” in Umsetzung bringen möchte. Ein Jahr Bauzeit (Graf: “Die Zeit benötigen wir, denn es ist eine umfassende Adaptierung – neue Böden und Fenster, neue Heizung und sanitäre Anlagen, natürlich ein Lift und vieles mehr.”) ist kalkuliert und im Frühjahr 2027 soll das ehemalige Schulhaus von den neuen Nutzern bezogen werden.
Lernlandschaften, die Aula und der Gemeinschaftsraum für die Mittagsbetreuung (Bild) sind harmonisch vernetzt.
Überlegt durchgeplant
Unerwartete und erfreuliche Einsparungen gab es nicht nur beim Bau des Lernhauses, auch eine überlegte Planung des Projekts sparte Geld und Ressourcen: “Für das Vorhaben mussten das alte Rathaus, der Kindergarten und das ehemalige Feuerwehrgerätehaus abgerissen werden”, listet Graf auf. Als kostengünstige Ausweichlokalitäten standen die ehemaligen Mäser-Betriebsstätten zur Verfügung. Der Kindergarten ist inzwischen wieder ausgezogen, das Gemeindeamt wird noch gut ein Jahr bleiben. “Das ist kein Problem, die Mitarbeiter haben sich längst daran gewöhnt”, sieht Graf mehr als eine Notlösung.
Bis ins Detail perfekt durchgeplant: In der Mittagsbetreuung stehen nicht nur Stühle für die “Großen” aus der Volksschule, sondern auch spezielle Sitzgelegenheiten für die Kleinsten aus dem Kindergarten bereit.
Willkommener Nebeneffekt dieses Konzeptes: “Durch die Errichtung des Lernhauses anstelle des abgerissenen Rathauses und die Adaptierung der alten Volksschule für andere Nutzungen war kein zusätzlicher Bodenverbrauch notwendig. Trotzdem konnte die Nutzfläche massiv vergrößert werden”, so der Gemeindechef. STP