Faustschläge, Flaschenwurf und viele Fragen

Zwei junge Männer stehen sich als Angeklagte gegenüber, acht Zeugen schildern tumultartige Szenen.
Feldkirch Richterin Kathrin Feurle verhandelt den Vorfall, der sich in einem Klub in Röthis ereignete. Der Erstangeklagte, geboren 2006 in Bludenz, ist nicht vorbestraft. Er absolviert eine Lehre als Metallbautechniker und befindet sich seit sieben Monaten im Krankenstand. Neben ihm sitzt ein 2007 geborener türkischer Staatsangehöriger. Er macht eine Lehre als Restaurantfachmann.
Beide wollten laut Verteidigung einen “schönen Abend” im Lokal verbringen. Alkohol sei im Spiel gewesen. Die Freundin des Erstangeklagten blieb nüchtern und fuhr.
Eskalation in Sekunden
Auslöser des Streits soll ein Rempler gewesen sein. Der jüngere Bruder des Erstangeklagten stieß versehentlich jemanden an. Eine Gruppe von fünf bis sechs Männern mischte sich ein. Es fielen Worte, dann folgte laut Darstellung eine Kopfnuss gegen den Bludenzer. Dieser spricht von einem Angriff, bei dem er und sein Bruder bedrängt worden seien.
Der Metallbautechniker bestreitet, gezielt zugeschlagen zu haben. Alles sei “schwummrig” gewesen. Er habe sich nur verteidigen wollen. Sein Bruder sei bewusstlos geschlagen worden. Als er ihm helfen wollte, griff ihn ein Security-Mitarbeiter an, nahm ihn in den Würgegriff, ein zweiter verdrehte ihm die Beine. Schließlich wurde er hinausgetragen. Er sei der Einzige gewesen, der von der Polizei mitgenommen wurde.
Der Zweitangeklagte bekennt sich teilweise schuldig. Ihm wird vorgeworfen, eine Glasflasche geworfen zu haben. Daran könne er sich nicht erinnern, sagt er. Einen Faustschlag habe er allerdings erhalten – vom Erstangeklagten. Dieser habe jedoch nicht ihn treffen wollen, sondern habe blind in die Menge geschlagen. Er wollte nur dazwischengehen, um zu schlichten, und sei sofort getroffen worden.
Acht Zeugen, viele Versionen
Acht Zeugen werden gehört. Rasch zeigt sich, wie unübersichtlich der Abend damals verlief. Mehrere junge Männer, alle zwischen 2006 und 2008 geboren, schildern Faustschläge ins Gesicht, eine aufgeplatzte Lippe und Blut. Einer gibt an, eine Flasche auf den Kopf bekommen zu haben. Ein anderer spricht von einer Person im schwarzen T-Shirt, korrigiert sich später auf eine schwarze Jacke, nachdem ihm ein Foto gezeigt wird.
Ein Zeuge ist sich zu 90 Prozent sicher, dass der Erstangeklagte zugeschlagen hat. Die Freundin des Erstangeklagten bestätigt eine Kopfnuss gegen ihren Partner und einen Faustschlag von ihm, weiß aber nicht, wen er traf.
Das Bild bleibt widersprüchlich. Wer begann, wer sich nur verteidigte, wer gezielt zugeschlagen hat, lässt sich aus den Aussagen kaum eindeutig ableiten. Immer wieder ist von Tumulten, Gedränge und chaotischen Szenen die Rede.
Freispruch und Vertagung
Richterin Kathrin Feurle spricht den Zweitangeklagten vom Vorwurf frei, er habe mit einer Glasflasche zugeschlagen. Für eine Verurteilung reicht die Beweislage nicht aus.
Für den Erstangeklagten aus Bludenz wird ein weiterer Verhandlungstermin anberaumt. Grund dafür ist ein noch ausständiger Zeuge, der gehört werden soll. Eine endgültige Entscheidung in seinem Fall steht somit noch aus.