Vom Weltcup an den Pistenrand: Gerhard Säly sorgt für Sicherheit im Montafon

Pistenretter Säly sorgt für Sicherheit – ein Porträt über einen, der immer in Bewegung blieb.
Montafon Wenn Gerhard Säly morgens in der Silvretta Montafon in die Skischuhe steigt, geht es nicht um Hundertstel oder Startnummern. Es geht um Sicherheit. Um Überblick. Um Verantwortung. Der 63-Jährige ist Pistenretter – und damit einer jener Menschen, die man meist erst dann wahrnimmt, wenn etwas passiert.
Dabei war Säly jahrzehntelang mitten im Geschehen des alpinen Rennsports. Fast 40 Jahre arbeitete der Silbertaler als Trainer, baute Strukturen im Montafoner Skisport auf, betreute Nachwuchsläufer, koordinierte Trainings und schuf Bedingungen, von denen Athleten bis in den Weltcup profitierten.

“Der Mix macht es”, sagt Säly rückblickend über seine heutige Arbeit. Ein Satz, der auch seine Karriere gut beschreibt.
Trainer aus Leidenschaft – und aus Überzeugung
Seine Trainerausbildung absolvierte Säly schon mit 18 Jahren in Tirol. Nicht, weil es von außen erwartet wurde, sondern aus eigenem Antrieb. “Es hat mich einfach interessiert”, erzählt er. Parallel lernte er den Beruf des Industriekaufmanns, der Skisport lief zunächst “nebenbei” – wurde aber rasch zum Mittelpunkt.
Im Wintersportverein Silbertal und später im gesamten Montafon kümmerte sich Säly um junge Athleten, die den Sprung in den Landeskader, in den Europacup oder sogar in den Weltcup schaffen wollten – oder nach Verletzungen einen Neustart brauchten. Besonders wichtig war ihm dabei die Breite: Konditionstraining im Sommer, lange Radtouren, alpine Mehrtagestouren, mentale Schulung.

“Wir waren eine der ersten Gruppen, die Sommertraining systematisch gemacht haben”, sagt er. Achtstündige Wanderungen, 200 Kilometer auf dem Rad, gemeinsame Trainings von Ski- und Snowboardtalenten – vieles, was heute selbstverständlich ist, war damals Neuland.
Weltcup ganz nah – aber meist im Hintergrund
Auch internationale Topteams trainierten auf “seinen” Pisten. Norweger, Schweizer, deutsche Nationalmannschaften – sie alle nutzten früh geöffnete Trainingsstrecken im Montafon. Namen wie Aksel Lund Svindal fielen dabei eher beiläufig.
Säly selbst war dabei nicht als persönlicher Weltcup-Trainer engagiert, sondern sorgte im Hintergrund für die Rahmenbedingungen. “Ich habe die Absicherung organisiert, die Infrastruktur”, erzählt er. Rennstrecken vorbereiten, Sicherheit garantieren, Abläufe koordinieren – Aufgaben, die selten Schlagzeilen machen, aber entscheidend sind.
Vom Trainer zur Rettung
Vor einigen Jahren wechselte er endgültig die Seite – von der sportlichen Entwicklung zur unmittelbaren Hilfe. Er absolvierte Ausbildungen zum Notfallsanitäter und Alpinsanitäter, arbeitete als Lawinensprenger und war Teil der Lawinenkommission. Heute ist er fixer Bestandteil des Pistenrettungsteams der Silvretta Montafon.

Was ihn daran reizt? “Es ist nicht eintönig”, sagt er. “Man ist draußen, hat Verantwortung, aber auch Freiraum.” Wieder dieser Mix.

Abschied mit Gelassenheit
Am ersten März kommenden Jahres will Gerhard Säly in den Ruhestand gehen. Ein Schritt, den er nüchtern sieht. “Es passt”, sagt er. Zu lange hinauszögern will er es nicht. Die Berge bleiben trotzdem. Skifahren, Radeln, Klettern – und Zeit mit Familie und Enkeln.

Seinen Rat an Jüngere formuliert er klar: Ausbildung, laufende Fortbildung und Offenheit für Veränderung. “Gerade im Rettungswesen muss man wissen, was man tut. Das hat Konsequenzen.”
Gerhard Säly weiß das wie kaum ein anderer. Ob am Start, im Hintergrund oder am Pistenrand – Verantwortung war immer sein Thema.
zur Person
Gerhard Säly
Pistenretter Silvretta Montafon
geboren: 10.02.1962
Wohnort: Silbertal
Familienstand: verheiratet, 2 Kinder
Leidenschaft: alles was in den Bergen ist