Kommentar: Krieg und die Warteschlangen an der Tankstelle

„Die Welt hat sich dramatisch verändert“, sagte Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) bei einem Termin zur Präsentation der „Energieautonomie+ 2030“. Dabei geht es darum, dass spätestens 2050 Vorarlberg nur noch so viel Energie verbrauchen soll, wie regional erneuerbar erzeugt wird. Die VN berichtete am Mittwoch, dem 25. Februar darüber. Wenige Tage später griffen die USA den Iran an, und seither herrscht wieder Krieg im Nahen Osten. Und die Welt hat sich nochmal dramatischer verändert.
Steigt der Ölpreis längerfristig an, so reduziert sich die österreichische Wirtschaftsleistung
Denn im Zuge der Kriegshandlungen sperrte der Iran die Straße von Hormus. Durch diese schmale Wasserstraße wird ein großer Teil des weltweiten Ölhandels abgewickelt. Vor Ausbruch des Krieges waren es dort täglich etwa 15 Millionen Barrel Öl, das sind ungefähr 2 Millionen Tonnen. Das hat zur Folge, dass hierzulande wieder über Öl- und Spritpreis diskutiert wird, auch wenn es für die Menschen im Iran gerade um viel mehr geht – um ihr Leben und die Zukunft ihres Landes. Je nachdem, wie lange die Straße von Hormus geschlossen bleibt und ob auch Erdölinfrastruktur zerstört wird, werden die Auswirkungen auf die Preise fossiler Energie unterschiedlich stark ausfallen. Das kann und wird dann auch die gerade erst gesunkene Inflation in Österreich wieder erhöhen. Vor mancher Tankstelle in Dornbirn und Schwarzach bildeten sich am Montag schon Warteschlangen. Die Autofahrerinnen und Autofahrer wollten dem ersten Preisanstieg wohl ein Schnippchen schlagen.
Dabei ist die Abhängigkeit von fossiler Energie weitreichender, als man vielleicht im ersten Moment denkt. Steigt der Ölpreis längerfristig an, so reduziert sich die österreichische Wirtschaftsleistung, wie der Chef des WIFO, Gabriel Felbermayr, letzthin erklärte. Und Österreich gibt viel Geld für fossile Energieträger aus. In den letzten Jahren waren dies etwa 10 Milliarden Euro pro Jahr, im Jahr 2022 aufgrund des Beginns des Krieges in der Ukraine sogar circa 20 Milliarden. Größere Unabhängigkeit von Öl und Gas würde uns also eine Menge Geld sparen. Dazu investierte Österreich 2024 etwa 543 Millionen Euro über den Klima- und Energiefonds, um die Energiewende, die Mobilitätswende und die Transformation hin zu klimaneutralen Unternehmen zu unterstützen. 2025 wurden diese Mittel um mehr als die Hälfte auf 231 Millionen Euro gekürzt, wobei es teilweise Verschiebungen in andere Bereiche oder zu anderen Förderinstitutionen gab. Trotzdem ist das Signal fatal. Denn der Staat sollte mehr Budget für die raschere Transformation und für Investitionen in erneuerbare Energie bereitstellen. Nur so können wir schneller – und sozial sowie wirtschaftlich verträglich – unabhängiger von fossilen Energien und der Volatilität der Energiemärkte werden. Denn die Welt ändert sich auch durch die Klimakrise weiter dramatisch!
Der Vorarlberger Simon Tschannett ist Meteorologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Stadtklimatologie.