Es braucht ein ganzes Dorf, um in Würde älter zu werden

Heimat / 18.03.2026 • 12:49 Uhr
Podiumsteilnehmer_innen Lingg_Grabher Trautz Kolland Gohm Hochhauser_Gams.jpg
v.l.: Eva Lingg-Grabher (raumlink), Brigitte Trauts (KPV Jagdberg), Prof. Franz Kolland (Uni Krems), Walter Gohm (Bgm. Frastanz) und Eva-Maria Hochhauser-Gams (GF Regio Im Walgau). V:Süd

Beim Symposium der ARGE V:Süd diskutierten Gemeinden, Experten und soziale Organisationen darüber, wie gutes Wohnen im Alter gelingen kann.

Bludenz Wie ältere Menschen künftig wohnen werden, zählt zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. Im Rahmen eines Symposiums widmete sich die Region V:Süd dieser Frage und stellte mögliche Lösungsansätze in den Mittelpunkt. „Wohnen im Alter zählt zu den zentralen Zukunftsfragen unserer Gesellschaft – und wir können sie nur gemeinsam lösen“, betonte Simon Tschann, Bürgermeister von Bludenz und Sprecher der ARGE V:Süd. „V:Süd übernimmt dabei eine wichtige Vorbildfunktion und zeigt, wie große Herausforderungen künftig verstärkt gemeinsam angegangen werden müssen.“

Es braucht ein ganzes Dorf, um in Würde älter zu werden

Die Region steht vor großen Veränderungen: Die Zahl der über 80‑Jährigen wird sich bis 2050 verdoppeln. Viele ältere Menschen leben bereits heute allein und oft in Wohnsituationen, die im Alter schwer zu bewältigen sind. Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig mit alternativen Wohnformen zu befassen und vorhandene Handlungsspielräume rechtzeitig zu nutzen.

Publikum 2.JPG
Das Interesse an der Veranstaltung war groß.

Richtiges Zeitfenster nutzen

Prof. Dr. Franz Kolland, Leiter des Kompetenzzentrums für Gerontologie und Gesundheitsforschung der Karl Landsteiner Universität in Krems, zeigte in seinem äußerst unterhaltsamen Vortrag, dass Menschen in ihren 60ern am ehesten bereit sind, die Wohnsituation aktiv zu verändern. „Das ist ein äußerst schmales Zeitfenster!“ warnte Professor Kolland.

Den Mobilen Hilfsdiensten und Krankenpflegevereinen kommt eine besondere Bedeutung zu. Da sie nah an den Menschen sind, erkennen sie sehr früh, wenn sich der Bedarf eines Einzelnen verändert und ev. auch eine Änderung der Wohnsituation notwendig sein kann. Brigitte Trautz vom Krankenpflegeverein Jagdberg berichtete aus ihrem Alltag: „Meist kommt es erst zu Veränderungen, wenn es zuhause wirklich gar nicht mehr geht – aber dann gibt es oft nicht mehr viele Optionen. Ist das wirklich erstrebenswert?“

V_Süd Arbeitsgruppe.JPG
Die Arbeitsgruppe mit den Geschäftsführer der teilnehmenden Regios und die/den jeweilige:n politische:n Vertreter:in (Bürgermeister:in) sowie Eva Lingg-Grabher und Johannes Herburger von raumlink.

Fokus auf das soziale Miteinander

In der Podiumsdiskussion wurde auch beleuchtet, was den Übergang in eine andere Wohnform für die einzelnen Menschen erleichtern könnte. Hier sind kreative Lösungen gefragt. Die besten Ideen nützen jedoch nichts, wenn die Bevölkerung sie nicht annehmen möchte. Bei der Entwicklung neuer Wohnformen müssen daher immer die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt stehen. „Da spielt die Bauform aber eine untergeordnete Rolle“, betonte Professor Kolland. „Am wichtigsten sind die sozialen Beziehungen – diese erhöhen die Lebensqualität in den späteren Jahren enorm.“

Es braucht ein ganzes Dorf, um in Würde älter zu werden

Gemeinden als Gestalter von Lebensqualität

Für Gemeinden ergeben sich daraus klare Aufgaben. Sie können Begegnungsräume schaffen, Nachbarschaften stärken und Wohnumfelder so gestalten, dass ältere Menschen länger selbstständig leben können. „Aber keine Gemeinde muss alles allein lösen“, so Andrea Schwarzmann, Obfrau der Regio Großes Walsertal, „Regionale Kooperation macht uns alle effizienter und handlungsfähiger.“ Am Nachmittag boten Exkursionen einen praktischen Einblick in unterschiedliche Wohnformen – von generationenübergreifendem Wohnen über betreute Anlagen bis hin zu Quartieren, in denen konkret überlegt wurde, wie Begegnung und Austausch gefördert werden können. Die Beispiele zeigten, wie vielfältig die Möglichkeiten in der Region bereits sind und wie sehr der Blick in bestehende Projekte neue Ideen anregen kann.

Das Symposium machte deutlich: Die Region V:Süd steht vor großen Aufgaben, verfügt aber über starke Kooperationen und engagierte Akteur:innen. Lösungen entstehen dort, wo Gemeinden, Organisationen und Bürger:innen frühzeitig ins Gespräch kommen und gemeinsam Zukunft gestalten.

Alle Infos zum Symposium sowie zu V:süd gibt es unter www.v-sued.at.