„Gefühlt ganz Vorarlberg vorm Fernseher“

Der Klauser Nicolas Lussnig über seine Teilnahme bei den Olympischen Winterspielen.
Klaus Die Olympischen Winterspiele sind der Traum vieler Wintersportler. Für den Vorarlberger Skicrosser Nicolas Lussnig ging dieser Traum heuer in Mailand/Cortina in Erfüllung.
Sie standen heuer erstmals bei Olympischen Winterspielen am Start – was war Ihr erster Gedanke, als Sie im Starthaus standen?
Nicolas Lussnig: Ich war überrascht, dass es mit der Nominierung tatsächlich geklappt hat. Österreich bei den Olympischen Spielen zu vertreten, war eine riesige Ehre. Gleichzeitig wusste ich: Jetzt zählt es. Olympia ist das größte Event in unserem Sport – und ich war hochmotiviert zu zeigen, was ich kann.
Wie haben Sie die Atmosphäre in Mailand/Cortina erlebt?
Nicolas Lussnig: Olympia ist wirklich etwas Besonderes. Schon bei der Anreise und beim Einchecken merkt man die vielen Sicherheitskontrollen. Gleichzeitig waren so viele Fans da wie sonst nie – man konnte sie bis zum Start hören. Besonders schön war, dass auch Familie und Freunde im Publikum waren. Außerdem ist es spannend, andere Freestyle-Bewerbe zu verfolgen und Athleten aus aller Welt kennenzulernen.

Sie haben das Viertelfinale nur um 0,04 Sekunden verpasst – überwiegt da der Stolz oder doch der Gedanke: Da wäre mehr drin gewesen?
Nicolas Lussnig: Es war wirklich extrem knapp. Trotzdem überwiegt der Stolz, weil die Saison bisher nicht optimal gelaufen ist. Mein größter Wunsch war es, das Achtelfinale zu überstehen – und das habe ich geschafft. Natürlich denkt man danach kurz: Was wäre gewesen, wenn …? Mit meinen Starts und dem Material wäre vielleicht noch mehr möglich gewesen. Aber insgesamt bin ich sehr zufrieden.
Was bedeutet es Ihnen, als Vorarlberger bei Olympia am Start zu stehen?
Nicolas Lussnig: Es ist eine große Ehre, unser Ländle zu vertreten. In Klaus hingen sogar vier Plakate von mir, und ich habe unglaublich viele Nachrichten von Freunden und Bekannten bekommen. Es hat sich so angefühlt, als würde ganz Vorarlberg vor dem Fernseher mitfiebern.
Sie haben als alpiner Skirennläufer begonnen – warum der Wechsel zum Skicross?
Nicolas Lussnig: Im alpinen Bereich hatte ich leider viele Verletzungen – eigentlich jede Saison etwas anderes. Gleichzeitig habe ich durchs Mountainbiken meine Liebe zu Sprüngen, Wellen und Kurven entdeckt. Auch bekannte Skicrosser, etwa Fredi Berthold, waren eine Inspiration. Schließlich war ich relativ spontan bei einer Sichtung für Skicross auf der Reiteralm dabei – gemeinsam mit Claudio Andreatta, Sonja Gigler und Simon Fleisch. Dort hat sich alles ergeben, und ich habe schließlich den Sprung in den ÖSV-Kader im Skicross geschafft. Außerdem sind die Selbstkosten im alpinen Bereich sehr hoch, was den Wechsel zusätzlich erleichtert hat.

Was bedeutet Ihnen Skicross persönlich?
Nicolas Lussnig: Für mich ist es Freiheit, Spannung, Action und Adrenalin. Es gibt kaum etwas Besseres als einen Trainings-Heat mit Teamkollegen auf einer anspruchsvollen Strecke. Da ist der Spaßfaktor einfach am größten.
Die Weltmeisterschaften 2027 im Montafon stehen schon am Horizont – ist das das nächste große Ziel?
Nicolas Lussnig: Absolut. Eine Weltmeisterschaft daheim in Vorarlberg ist etwas ganz Besonderes. Da werden Familie, Freunde und viele Fans dabei sein – eigentlich alle, die einen über die Jahre begleitet haben. Bei so einem Großereignis möchte man alles auf den Punkt bringen. Dieses Ziel wird mich den ganzen Sommer und den nächsten Winter begleiten

Bleibt bei so viel Training noch Zeit für Hobbys?
Nicolas Lussnig: Im Winter eher wenig. Wenn doch, bin ich gerne mit den Freestyle-Ski im Tiefschnee unterwegs. Im Sommer bin ich viel auf dem Bike – am Berg oder auf dem Pumptrack. Auch Klippenspringen und Canyoning machen mir großen Spaß.