Spuren gegen das Vergessen
In Rankweil lädt ein dezentrales Mahnmal zum Erinnern ein.

Rankweil Ende Januar sind in Rankweil Erinnerungsorte zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus installiert worden: Es handelt sich dabei um das Werk „memoria x pulvere“ des Künstlers Stefan Amann, der mit seinem dezentral konzipierten Mahnmal zum Innehalten, Erinnern und Nachdenken einlädt.
Das Mahnmal entstand im Rahmen eines Wettbewerbes, den die Gemeinde anlässlich des 80-jährigen Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkrieges ausgeschrieben hatte. Die Jury, bestehend aus Vertretern der Gemeinde, Kunst- und Kulturexperten sowie Jugendlichen der Offenen Jugendarbeit Rankweil sprach sich einstimmig für das „herausragende“ und „außergewöhnliche“ Projekt des in Bregenz lebenden Künstlers Stefan Amann aus. Seine „Erinnerungen aus Staub“ wurden bewusst dezentral gestaltet und an mehreren Friedhöfen als Orte der stillen Erinnerung installiert: am Valduna-Friedhof, am Waldfriedhof, am Unteren St.-Michael-Friedhof sowie bei den Friedhöfen St. Peter und St. Eusebius.

Friedhöfe als zentrale Orte
Die Wahl der Standorte ist programmatisch. „Friedhöfe sind ganz zentrale Orte im gesellschaftlichen Raum”, erklärt Amann, der während seiner Recherche und Konzipierung auch einen Monat als Artist in Residence in der Rankweiler Häusle Villa verbrachte: „Wären diese Menschen nicht verfolgt, deportiert und ermordet worden, wären sie wahrscheinlich hier in Rankweil begraben.” Die Platzierung der Gedenkzeichen inmitten von Grabstätten soll die Opfer symbolisch in die Mitte der Gesellschaft zurückbringen – ein Ansatz, der auch andernorts in Vorarlberg zu beobachten ist. Das verwendete Material Ton steht für Amann als Metapher: „Ton ist eines der ältesten Materialien der Menschheit. Er ist formbar, verletzlich und zugleich beständig.” Diese Spannung zwischen Vergänglichkeit und Dauerhaftigkeit prägt viele zeitgenössische Gedenkprojekte im Land.

Zur Person
Stefan Amann, geboren 1971, arbeitet seit 20 Jahren als Gestalter und Berater mit Schwerpunkt auf Kommunikation, Szenografie und Signaletik. Seine Projekte entstehen im Kultur- wie im Unternehmenskontext. Darüber hinaus ist er am „vai Vorarlberger Architektur Institut“ tätig, unterrichtet an der Fachhochschule Vorarlberg und betreibt eine kleine Galerie für zeitgenössische Kunst in Feldkirch. Amann war bereits bei vergleichbaren Projekten erfolgreich: So war er Finalist bei der Ausschreibung zum Widerstandsmahnmal in Bregenz und erhielt den ersten Preis für ein Gedenkzeichen für NS-Opfer in Innsbruck. Stefan Amann lebt mit seiner Familie in Bregenz.