15-Jährigen auf Schulweg überfallen

VN / 01.04.2026 • 12:01 Uhr
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EckertDer Angeklagte bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch.

Nach einer Raubbeute von nur 20 Euro: So hoch wurde die Strafe für russischen Täter (22) bemessen.

Feldkirch Ein junger Rumäne und sein Kumpel, ein heute 22-jähriger Russe, hatten im September vergangenen Jahres eine lange Nacht bei einer Bregenzer Tankstelle hinter sich. Alkohol, Gras und Xanax, ein Benzodiazepin, also ein Medikament gegen Angststörungen, benebelten ihre Sinne. Gegen 7.45 Uhr hatten die beiden die Idee, einen Schüler auszurauben.

Bald fand sich vor der Bregenzer Kaserne ein Opfer, das gerade auf dem Weg zum Schulbus war. Sie verfolgten den 15-jährigen Schüler, hielten ihn fest und durchsuchten ihn. “Geld her, sonst schlagen wir Dich zusammen”, drohten sie dem Jugendlichen. Der übergab den beiden 20 Euro, mehr hatte er nicht dabei. Die Täter ließen jedoch nicht locker, schlussendlich konnte sich der Teenager losreißen. Einer der benebelten Burschen trat noch nach ihm und fiel dabei zu Boden. Dann flüchteten die beiden Räuber.

Noch gut in Erinnerung

Der Schüler konnte die Täter gut beschreiben. Auch wenn der Russe die Kapuze seines weißen Shirts tief ins Gesicht gezogen hatte, machte der Junge präzise Angaben. Der Russe war bereits registriert, die Kamera der Tankstelle hatte die beiden gefilmt und DNA auf den Kleidern des Opfers überführte den 22-Jährigen endgültig.

Geständig

Beim Prozess am Landesgericht Feldkirch räumt der 22-jährige Angeklagte den Raub ein, behauptet aber, sich an weite Teile nicht erinnern zu können. Dass die beiden Täter “high” und aggressiv waren, bestätigt ihr Opfer, der junge Zeuge. Doch von völlig berauscht, weggetreten oder torkelnd ist nicht die Rede. Der Rumäne konnte erst kürzlich aufgegriffen und in U-Haft gesteckt werden, dort wartet er auf seinen Prozess. Der im Anzug bei der Verhandlung erscheinende Russe, der perfektes Deutsch spricht und einen gebildeten Eindruck macht, kann sofort sein Urteil mitnehmen. Ihm tut die Sache angeblich leid und er entschuldigt sich beim Opfer.

“Mein Mandant wünscht sich, noch eine letzte Chance zu bekommen. Er will arbeiten, hat jetzt eine Freundin und ist bemüht, auf den rechten Weg zu kommen”, so Verteidiger Jürgen Nagel. Als zweiten Vorwurf gibt es noch einen unbefugten Gebrauch von Fahrzeugen, der junge Mann machte mit dem Auto seines Schwagers unerlaubterweise eine Spritztour und brachte es beschädigt zurück.

Fitness statt Arbeit

Der Angeklagte hatte bereits eine Lehre als Spengler begonnen und die Arbeit hat ihm an und für sich gut gefallen. Als er allerdings während der Arbeitszeit im Fitnessstudio erwischt wurde, verlor er seinen Job. Die Ausbildung will er nun fertig machen. “Sie haben gute Chancen, sprechen sehr gut Deutsch, Sie finden sofort einen Job, wenn Sie wollen”, drängt Richter Elias Klingseis den jungen Mann, endlich Fuß zu fassen. Der Russe hat großes Glück. Trotz zwei einschlägiger Vorstrafen wird die Bewährungsstrafe von 15 Monaten nicht widerrufen. Lediglich eine offene Geldstrafe von 360 Euro wird fällig. Dazu kommt die neue Strafe mit 24 Monaten Gefängnis, acht davon unbedingt. Wird der junge Mann nochmals straffällig, drohen 16 Monate plus 15 Monate, also insgesamt 31 Monate Gefängnis. Der junge Mann verspricht, sich zu bessern und seine Freundin ist fest entschlossen, ihm dabei zu helfen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.