Abschied und ein Neuanfang

Enrico Magnus zwischen Kammerjägeralltag und Mittelalterleidenschaft.
Lauterach In der DDR geboren, im wiedervereinigten Deutschland sozialisiert, glaubte Enrico Magnus, auf alles vorbereitet zu sein, was das Leben bereithält – bis er in Vorarlberg landete. Er stellte fest, hier ticken die Uhren anders.
Enricos Lebensgeschichte beginnt am 22. Oktober 1974 in Salzwedel, einer Stadt in Sachsen-Anhalt, damals noch Teil der DDR. Zehn Jahre später zog seine Familie – Eltern, ein Halbbruder, eine Halbschwester – nach Brandenburg, ebenfalls noch Ostdeutschland. Nach seinem Realschulabschluss absolvierte Enrico eine Ausbildung zum Maurer und Verputzer, arbeitete mehrere Jahre in diesem Beruf.

Schöner Ort zum Leben
Anfang 2008 reiste er erstmals nach Vorarlberg, um den Vater seiner damaligen Frau zu besuchen, der in Hohenems lebte. „Ein schöner Ort zum Leben“, fand Enrico – und fasste den Entschluss, sein Leben in Brandenburg hinter sich zu lassen und gemeinsam mit seiner Frau in Vorarlberg neu zu beginnen. Am 14. August 2008 kam das Paar an. Zunächst wohnten sie in Hohenems, später in Lauterach, ab 2010 in Alberschwende. Seit 2020 lebt Enrico wieder in Lauterach – mit seiner neuen Partnerin Sylvia, Katze Perry und Kater Charlie.
Sylvia war er 2020 beim Einkaufen in einem Supermarkt begegnet. „Es hat sofort gefunkt zwischen uns.“ Von seiner Frau hatte er sich zu diesem Zeitpunkt bereits getrennt.
Als gut ausgebildeter Handwerker fand Enrico rasch Arbeit in einem Baumarkt. Es folgten Stationen in einer Gießerei, bei einer Geldtransportfirma, in einem Glasverarbeitungsbetrieb. Seit Februar 2022 arbeitet er als Kammerjäger beim Harder Unternehmen Knoll. „Ein spannender, vielseitiger Beruf“, betont er.
Kammerjäger gab es bereits im frühen Mittelalter: Damals suchten sie in den Kammern – den Schlafgemächern von Herrschern und Rittern – nach Schädlingen. Enricos Tätigkeit steht jedoch eher zufällig mit seiner Faszination für diese Epoche in Verbindung. Bereits in Brandenburg war er Mitglied eines Mittelaltervereins. In Vorarlberg gründete er am 13. April 2023 „Reenactor Brigantium“, einen Mittelalterverein, der sich der Pflege und Darstellung historischer Traditionen widmet. Obmann Enrico geht es vor allem um Bildung und kulturellen Austausch.

Alle sind eingeladen
„Wir feiern am Samstag, 11. April, unser dreijähriges Bestehen“, sagt Enrico. Das Geburtstagsfest, zu dem alle eingeladen sind, geht im Vereinshaus Lauterach, Hofsteigstraße 5, ab 11 Uhr über die Bühne. „Es gibt Musik, einen Markt, ein Kinderprogramm und eine Tombola mit tollen Preisen zugunsten des Vorarlberger Tierschutzheims“, erklärt Enrico. „Ich hoffe, es kommen viele Besucher.“
Seine Auswanderung beschreibt der 41-Jährige als „Abschied und Neuanfang“. Besonders schwer fiel ihm das Verlassen von Familie und Freunden. Doch die herzliche Aufnahme in seiner Wahlheimat ließ kein Heimweh aufkommen: „Die Vorarlberger sind freundliche Menschen, die einander auf der Straße grüßen. In Deutschland würde man dafür eher schräg angeschaut.“

Speziell war für ihn auch die Entdeckung des Leberkäs: „In meiner früheren Heimat isst man Mettbrötchen, hier Leberkässemmeln. Das war für mich eine positive kulinarische Umstellung.“
Obwohl in Vorarlberg Deutsch gesprochen wird, stellte ihn anfangs die Sprache vor Herausforderungen, wegen der Vielfalt der Dialekte. Heute sieht er das gelassen: „Der Umgang damit ist positiv, angenehm, lustig. Da gibt es Ausdrücke, die hören sich für Deutsche seltsam an.“ Mittlerweile versteht er fast alle Dialekte – „bis auf Lustenauerisch“. Sein Fazit: „Ich würde jederzeit wieder hierherkommen. Im nächsten Leben vielleicht ein bisschen früher.“