Kommentar: Wie kann man die Hoffnung bewahren?
Der immer weiter eskalierende Krieg, der nach den US-israelischen Angriffen auf das iranische Regime Ende Februar im Nahen Osten tobt; die immensen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, die durch die Schließung der für den globalen Handel mit Erdgas und Erdöl wichtigen Straße von Hormus auch für Europa schon jetzt spürbar sind und wohl noch viel schmerzlicher werden können; der Erschöpfungskrieg in der Ukraine, der nun schon seit mehr als vier Jahren währt und zu Ostern wieder durch russische Angriffe auf mehrere ukrainische Regionen eskaliert ist. Es ist eine finstere, hoffnungslose Welt, wenn man alleine die bestimmenden Nachrichten der vergangenen Tage betrachtet.
Für seriöse Medien ist es immer schwieriger, die eigene Aufgabe zu erfüllen, also Öffentlichkeit herzustellen und Realität abzubilden, aber die Menschen damit nicht nur runterzuziehen. Doomscrolling, das hemmungslose Konsumieren und Verbreiten negativer Nachrichten im Internet, ist ein Problem vieler auf den Social-Media-Plattformen, mit dem sie auch die Ängste anderer befeuern. Dieses Spiel mitzuspielen, ist nicht unsere Aufgabe als Journalistinnen und Journalisten. Sorgfalt und Achtsamkeit können professionellen Medien helfen, sich von der Angstmacherei abzugrenzen, die in der Social-Media-Emotionsschleuder leider großen Zuspruch erfährt.
Sorge und Zuversicht
Doch wie kann man die Hoffnung nicht verlieren? Die Zukunft ist für viele Menschen kein Ort mehr, der eine positive Verheißung in sich birgt. „Die Sorge ist das Verhältnis zum Leben“, schrieb der dänische Philosoph Søren Kierkegaard im 19. Jahrhundert – und man muss feststellen, dass die Sorge heute eine Konstante in der menschlichen Existenz darstellt. Doch alleine mit diesem düsteren Blick in die Zukunft werden wir nicht vorankommen. Es gilt, das Maß zwischen Sorge und Zuversicht zu finden. Die Zuversicht kann uns dabei helfen, Probleme nicht auszublenden, wenn wir mit ihnen konfrontiert sind. Und sie kann uns die Kraft geben, weiterzumachen, solange wir einen Sinn im eigenen Handeln erkennen können. Denn früher war nicht alles besser, wie manche in einer Verklärung der Vergangenheit gerne erzählen. Die Welt war nur langsamer und für den Menschen einfacher erfassbar.
Der seriöse Journalismus hat in angstbesetzten Zeiten umso mehr eine wichtige demokratiepolitische Funktion, für die er viel mehr leisten muss als vor 20 Jahren. Natürlich müssen wir nach dem Credo des „Spiegel“ -Gründers Rudolf Augstein „sagen, was ist“, aber eben auch sagen, was gut ist. Das Gelungene, Erfreuliche, Humorvolle ist in der aktuellen Nachrichtenlage schwer zu finden. Man muss sich dennoch jeden Tag darum bemühen.
Julia Ortner ist Journalistin mit Vorarlberger Wurzeln, lebt in Wien und ist Redaktionsleiterin von ORF.at.
Kommentar