“Mundart-Professor” feiert Premiere im Wald

Wolfgang Berchtold stellt mit Hanskaspas Enkeln im Werkraumhaus Schnorrawagglar-Quiz vor.
Andelsbuch, Götzis “Ummakummaummi” ist Wolfgang Berchtold, pensionierter Deutsch- und Sportprofessor, erfolgreicher Zehnkämpfer a. D., ehemaliger Vizebürgermeister seiner Heimatgemeinde, jahrzehntelanger Stadionsprecher beim Mösle-Meeting, erfolgreicher Autor, Mundartforscher und vieles mehr, eine wahre Institution. Bislang nur auf die Region “ummakummaummi” – für Nicht-Insider: das ist “rund um den Kummenberg herum”, die Gemeinden Götzis, Koblach usw. beschränkt.
Jetzt wagt der im Vorjahr 70 Jahre jung gewordene Mundartpionier sein erstes echtes “Auswärtsspiel”: Gemeinsam mit Hanskaspas Enkeln gibt er am Samstag, 11. April, 19.30 Uhr, in Andelsbuch Kostproben aus seinem einzigartigen Schaffen um die Bewahrung der Mundart.
In der Szene ein ganz Großer
Vorarlberg ist – zum Glück – reich an “Heimatdichtern”. Autoren, die sich um den Erhalt der Mundart bemühen. Legende wurde z. B. der Lustenauer Hannes Grabher (1894–1965), dessen Werdegang erstaunliche Parallelen mit Wolfgang Berchtold aufweist: Hannes “Jonny” Grabher war erfolgreicher Leichtathlet und Fußballer beim FC Lustenau, in den 1920er-Jahren mehrfach Leichtathletik-Landesmeister und machte erste literarische (Mundart-)Gehversuche bei Fasnatkränzchen des Turnvereins.

Ob “Jonny” Wolfgang Berchtold irgendwie inspiriert hat? Man kann’s nur erahnen – Tatsache ist: Berchtold war 50 Jahre später ebenfalls erfolgreicher Leichtathlet – 1976 erster und bis dato einziger Götzner Zehnkämpfer beim Mösle-Mehrkampfmeeting, dort ein Jahr später mit 7048 Punkten auf dem respektablen 13. Platz gelandet. 1978 beendete er seine Zehnkampf-Karriere zugunsten des Deutsch- und Sportstudiums. “Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich im Zehnkampf nicht wirklich Fortschritte machte, also konzentrierte ich mich auf das Studium.” Und dabei landete er an der Uni Innsbruck geradewegs bei der Mundart: “Sie war Thema meiner Magisterarbeit”, verrät er seine alte Leidenschaft für den Dialekt. Eine Leidenschaft, die dann allerdings jahrzehntelang schlummerte und erst wieder erwachte, als er andere Hobbys zurückschraubte – vor allem sein politisches Engagement: von 1990 bis 1998 war er Götzner Vizebürgermeister. Rückblickend meint er heute, dass ihm “das alles über den Kopf gewachsen ist – Beruf, Familie, Politik, Hobbys …”

Auf Umwegen zurück zur Mundart
Manches steckte er zurück – nicht jedoch sein literarisches Hobby: Lehrerkollege Ulrich “Gaul” Gabriel animierte ihn zur Mitarbeit an Gauls Lesebuch-Projekt – Berchtold verfasste das Götzis Lesebuch und “So kühn, so stolz und frei, es ist die edle Turnerei” – eine Kulturgeschichte des Turnens und des Sports in Götzis. Über diese Arbeiten kam er schließlich zurück zur Mundart.

Ganz tief eingetaucht
“Spät, aber dafür gründlich” könnte man seine Rückbesinnung auf das Mundartthema titeln, denn fast 40 Jahre nach seiner Magisterarbeit veröffentlichte er “ummakummaummi”.
Jetzt war er so richtig “auf den Geschmack gekommen”, 2019 stellte er sein “Vorarlberger Schimpfwörterbuch” vor, 2023 folgte “Das Vorarlberger Sprichwörterbuch”. Ganze 6330 Redensarten, Sprichwörter und Sprüche aus dem ganzen Ländle sind auf 380 Seiten aufgelistet – 8830 sind es in seinen “gesammelten Werken”.
Und nun legt Berchtold mit dem “Schnorrawaggler” nach – ein Quiz-Spiel, mit dem er testet, wie es um Mundartkenntnisse der “Gsibergerinnen und Gsiberger” bestellt ist.
Der “Schnorrawaggler” feiert beim Event mit Hanskaspas Enkeln im Werkraumhaus Premiere vor großem Publikum, dazu liefert Berchtold auch viele Kostproben aus seinen anderen Werken. STP