Bald wird der Biber von Amts wegen “reguliert”

VN / 08.04.2026 • 16:15 Uhr
Bald wird der Biber von Amts wegen "reguliert"
Viele würden die Biber gerne mögen. Würden sie sich nur nicht so explosionsartig vermehren und Schäden anrichten.Hollenstein

Verordnung für ein Bibermanagement noch vor dem Sommer. 400 der Nager gibt es in Vorarlberg bereits.

Bregenz “Der Biber”, so sagt Landwirtschafts- und Umweltlandesrat Christian Gantner (46, ÖVP), “ist leider zum größten Problem für uns geworden. Ein größeres, als es der Wolf ist. Wir erhalten sehr viele Anrufe mit Klagen über den sich exponentiell vermehrenden Nager.” 400 der Tiere gibt es laut Gantner derzeit in ganz Vorarlberg. In mehreren Regionen ist das umtriebige Tier bereits aktiv, beschädigt Kanalsysteme, sorgt für überflutete Wiesen, verstopft Abwasserleitungen, dringt immer mehr auch in menschliche Siedlungen vor, wo er für unerwünschte Bautätigkeiten mit gefällten Bäumen und Sträuchern verantwortlich ist.

Bald wird der Biber von Amts wegen "reguliert"
vmh“Der Biber ist aktuell das größere Problem als der Wolf.” Umweltlandesrat Christian Gantner kündigt eine Verordnung zum Bibermanagement noch vor dem Sommer an.

Sogar unter Naturschützern orte er mittlerweile kritische Stimmen. Und für die Fischer sei der Nager schon länger ein ganz großes Problem.

Mit Schaufel und Bickel

“Wir wollen den Biber nicht ausrotten”, sagt Gantner. “Aber wir müssen diese Entwicklung stoppen.” Es werde eine Verordnung zum Bibermanagement noch vor dem Sommer geben. Darin enthalten sei auch die Möglichkeit für Entnahmen, sprich Tötung von Individuen.

Das Engagement der Biberbeauftragten Agnes Steininger lobt Gantner ausdrücklich. “Ihr ist es zu verdanken, dass das Problem nicht noch größer ist.”

Bald wird der Biber von Amts wegen "reguliert"
VN/PaulitschVor solchen Bäumen steht Agnes Steininger, die Biber-Beauftragte des Landes Vorarlberg, immer wieder.

Seit 20 Jahren beschäftigt sich die Biologin mit den Bibern in Vorarlberg. Seit diese in unserer Region wieder Fuß gefasst haben. Steininger mag die Tiere und versucht, die durch sie verursachten Schäden so gut es geht selbst zu reparieren. Sie ist sich nicht zu schade, selbst Hand an Schaufel und Bickel zu legen und verstopfte Kanäle wieder frei zu machen oder Baumschutzvorrichtungen anzubringen.

“Fünf-Sterne-Hotels” belegt

Über Entnahmen zu sprechen, fällt der Expertin, die dem Naturschutzverein Rheindelta als Auftragnehmer des Landes unterstellt ist, schwer. “Ohne begleitende Maßnahmen werden diese wenig nützen”, meint Steininger. Man müsse jeden Standort der Tiere gesondert betrachten und entsprechend vorgehen. Das Ende der Fahnenstange in der Verbreitung des Bibers sei noch nicht erreicht. Da gibt es noch Potenzial im Land, zum Beispiel im Bregenzerwald und im Rheintal. Andererseits seien viele der von Bibern bevorzugten Plätze schon besetzt. “Die Fünf-Sterne-Hotels sind vergeben.”

Beschaffer von Fakten

Walter Niederer, Geschäftsführer des Naturschutzvereins Rheindelta, will die geplanten Maßnahmen der Landesregierung nicht kommentieren. “Wir sind die Auftragnehmer und werden einen politischen Beschluss umsetzen”, betont Niederer. “Wir werden Handlungsempfehlungen auch nur dann abgeben, wenn wir gefragt werden. Wir sammeln die Fakten zum Biber.” Deren kennt Niederer einige. “Der Biber trat in Vorarlberg zum ersten Mal wieder vor 20 Jahren im Rheintal in Erscheinung. Danach breitete er sich am Bodensee aus, später im Rheintal, im Leiblachtal und jetzt im Bregenzerwald.

Walter Niederer, Vogelgrippe
Walter Niederer, Geschäftsführer des Naturschutzvereins Rheindelta, liefert der Landesregierung die Biber-Fakten. VN/Rauch

Der Bedarf an Präventionsmaßnahmen gegen den Nager ist überall gestiegen. Dabei wird es im Rahmen der bald verfügten Verordnung nicht bleiben.