Der Spurensucher aus Rankweil

Fabio Curman folgt Familiengeschichten und findet darin seinen eigenen Weg.
Rankweil Wer mit dem jungen Ahnenforscher Fabio Curman spricht, merkt rasch: Er ist jemand, der Fragen nachgeht, bis sich ein Bild ergibt. 2002 in Feldkirch geboren und in Rankweil aufgewachsen, interessieren ihn Technik, Geschichte und Glaubensfragen. Als Ministrant in Brederis, als Mesner und später im Zivildienst bei der Dompfarre Feldkirch ist das kirchliche Leben lange Teil seines Alltags. “Ich will der Gemeinschaft damit etwas zurückgeben”, sagt Curman. Privat findet er viel Rückhalt in seiner Familie, bei den Eltern und dem älteren Bruder.

Informatik und Neuorientierung
Nach der HTL Dornbirn für Betriebsinformatik arbeitet Curman als Informatiker bei Hirschmann in Brederis. Zugleich pflegt er sein Interesse an theologischen Fragen. Im Vorjahr brach er dafür seine Zelte in Vorarlberg ab und startete ein Theologiestudium in Innsbruck, erkannte aber schon im ersten Semester, dass dieser Weg für ihn nicht der richtige ist. “Es ist mir nicht schwergefallen, das zu erkennen. Wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere auf.” Curman kehrt nach Vorarlberg zurück. Sein Glaube und seine Religiosität bleiben, beruflich schlägt er hingegen eine andere Richtung ein.

Vom Kuckuckskind und Fetzendiebstahl
Sein eigentliches Faible – die Erforschung der Vorfahren – beginnt früh. Mit zehn Jahren zeichnet er erste Stammbäume, mit vierzehn widmet er sich ernsthaft der genealogischen Forschung. Ausgangspunkt ist die Geschichte seines slowenischen Urgroßvaters, der in einem Konzentrationslager ums Leben kam. Curman recherchiert in Archiven, vergleicht Quellen und verfolgt Hinweise mit großer Beharrlichkeit. Heute reichen seine Forschungen weit über Vorarlberg hinaus: nach Prekmurje in Slowenien, Bayern, Baden-Württemberg, Osttirol, ins Trentino und bis nach Galizien. Dabei stößt er auf überraschende Details: zwei sogenannte “Kuckuckskinder” unter seinen Urgroßeltern, die Odyssee einer Familie durch die Donaumonarchie oder eine Vorfahrin, die im 18. Jahrhundert wegen “Fetzendiebstahls” als landflüchtig galt. “Mich fasziniert, wie sich einzelne Lebensgeschichten zu größeren Zusammenhängen fügen”, sagt Curman. Auch außergewöhnliche Fälle gehören dazu: Gemeinsam mit anderen Forschenden identifiziert er mithilfe von DNA-Genealogie den unbekannten Vater einer über siebzigjährigen Frau.

2018 wird er eines der jüngsten Mitglieder der IGAL (Interessengemeinschaft Genealogie Lustenau) und noch im selben Jahr in den Beirat kooptiert. Später engagiert er sich auch im Vorstand einer österreichischen Fachgesellschaft. Mit seinem ebenso hochmotivierten Forschungskollegen Marcel Maister entwickelt er ein Hausgeschichtsprojekt, in dem alle historischen Gebäude und deren Besitzgeschichte im Großen Walsertal in einem geografischen Informationssystem erfasst werden. (https://usholzundschtaa.eu/) Daneben unterstützt er andere bei der Suche nach ihren Wurzeln.
Daten, Dokumente, Lebenslinien
Seit März 2026 arbeitet Curman im Standesamt Feldkirch. Für ihn ist das eine folgerichtige Fortsetzung seines Weges. “Das akribische Arbeiten, das Suchen nach Verbindungen – das liegt mir.” Derzeit absolviert er die notwendigen Ausbildungen im Personenstandsrecht und bereitet sich auf die Tätigkeit als Standesbeamter vor. In der freien Zeit führen ihn seine Recherchen nach Slowenien, dem Herkunftsland seiner Großeltern. Seit 2022 lernt er die Sprache, um Quellen besser erschließen zu können. Zugleich ist er international vernetzt und tauscht sich mit Forschenden weltweit aus. AFP
Zur Person
Fabio Curman
Geburtstag 09.09.2002
Wohnort Brederis
Familie ledig, 1 Bruder
Beruf Standesbeamter i. A., Stadt Feldkirch
Engagement Ahnenforschung, historische Dokumentation



