Der Spurensucher aus Rankweil

VN / 16.04.2026 • 14:00 Uhr
Fabio Curman war eines der jüngsten Ahnenforschungsvereinsmitglieder.
Fabio Curman war eines der jüngsten Ahnenforschungsvereinsmitglieder.privat

Fabio Curman folgt Familiengeschichten und findet darin seinen eigenen Weg.

Rankweil Wer mit dem jungen Ahnenforscher Fabio Curman spricht, merkt rasch: Er ist jemand, der Fragen nachgeht, bis sich ein Bild ergibt. 2002 in Feldkirch geboren und in Rankweil aufgewachsen, interessieren ihn Technik, Geschichte und Glaubensfragen. Als Ministrant in Brederis, als Mesner und später im Zivildienst bei der Dompfarre Feldkirch ist das kirchliche Leben lange Teil seines Alltags. “Ich will der Gemeinschaft damit etwas zurückgeben”, sagt Curman. Privat findet er viel Rückhalt in seiner Familie, bei den Eltern und dem älteren Bruder.

Alte Schriften sind Fabios Leidenschaft.
Alte Schriften sind Fabios Leidenschaft.

Informatik und Neuorientierung

Nach der HTL Dornbirn für Betriebsinformatik arbeitet Curman als Informatiker bei Hirschmann in Brederis. Zugleich pflegt er sein Interesse an theologischen Fragen. Im Vorjahr brach er dafür seine Zelte in Vorarlberg ab und startete ein Theologiestudium in Innsbruck, erkannte aber schon im ersten Semester, dass dieser Weg für ihn nicht der richtige ist. “Es ist mir nicht schwergefallen, das zu erkennen. Wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere auf.” Curman kehrt nach Vorarlberg zurück. Sein Glaube und seine Religiosität bleiben, beruflich schlägt er hingegen eine andere Richtung ein.

Der junge Ahnenforscher reist für seine Spurensuche durch Europa.
Der junge Ahnenforscher reist für seine Spurensuche durch Europa.

Vom Kuckuckskind und Fetzendiebstahl

Sein eigentliches Faible – die Erforschung der Vorfahren – beginnt früh. Mit zehn Jahren zeichnet er erste Stammbäume, mit vierzehn widmet er sich ernsthaft der genealogischen Forschung. Ausgangspunkt ist die Geschichte seines slowenischen Urgroßvaters, der in einem Konzentrationslager ums Leben kam. Curman recherchiert in Archiven, vergleicht Quellen und verfolgt Hinweise mit großer Beharrlichkeit. Heute reichen seine Forschungen weit über Vorarlberg hinaus: nach Prekmurje in Slowenien, Bayern, Baden-Württemberg, Osttirol, ins Trentino und bis nach Galizien. Dabei stößt er auf überraschende Details: zwei sogenannte “Kuckuckskinder” unter seinen Urgroßeltern, die Odyssee einer Familie durch die Donaumonarchie oder eine Vorfahrin, die im 18. Jahrhundert wegen “Fetzendiebstahls” als landflüchtig galt. “Mich fasziniert, wie sich einzelne Lebensgeschichten zu größeren Zusammenhängen fügen”, sagt Curman. Auch außergewöhnliche Fälle gehören dazu: Gemeinsam mit anderen Forschenden identifiziert er mithilfe von DNA-Genealogie den unbekannten Vater einer über siebzigjährigen Frau.

Beim Stöbern in alten Matriken gilt es die Kurrentschrift zu entziffern.
Beim Stöbern in alten Matriken gilt es, die Kurrentschrift zu entziffern.

2018 wird er eines der jüngsten Mitglieder der IGAL (Interessengemeinschaft Genealogie Lustenau) und noch im selben Jahr in den Beirat kooptiert. Später engagiert er sich auch im Vorstand einer österreichischen Fachgesellschaft. Mit seinem ebenso hochmotivierten Forschungskollegen Marcel Maister entwickelt er ein Hausgeschichtsprojekt, in dem alle historischen Gebäude und deren Besitzgeschichte im Großen Walsertal in einem geografischen Informationssystem erfasst werden. (https://usholzundschtaa.eu/) Daneben unterstützt er andere bei der Suche nach ihren Wurzeln.

Daten, Dokumente, Lebenslinien

Seit März 2026 arbeitet Curman im Standesamt Feldkirch. Für ihn ist das eine folgerichtige Fortsetzung seines Weges. “Das akribische Arbeiten, das Suchen nach Verbindungen – das liegt mir.” Derzeit absolviert er die notwendigen Ausbildungen im Personenstandsrecht und bereitet sich auf die Tätigkeit als Standesbeamter vor. In der freien Zeit führen ihn seine Recherchen nach Slowenien, dem Herkunftsland seiner Großeltern. Seit 2022 lernt er die Sprache, um Quellen besser erschließen zu können. Zugleich ist er international vernetzt und tauscht sich mit Forschenden weltweit aus. AFP

Zur Person

Fabio Curman
Geburtstag 09.09.2002
Wohnort Brederis
Familie ledig, 1 Bruder
Beruf Standesbeamter i. A., Stadt Feldkirch
Engagement Ahnenforschung, historische Dokumentation

Seine Expertise wird im Verein IGAL - hier bei der JHV im März, sehr geschätzt.
Seine Expertise wird im Verein IGAL – hier bei der JHV im März – sehr geschätzt.
Fabio mit Uropa August Kellner (1929-2018) im Wildpark Feldkirch, Pflegerin Maja und seine Mama Mirjam.
Fabio mit Uropa August Kellner (1929–2018) im Wildpark Feldkirch, Pflegerin Maja und seine Mama Mirjam.
Beim Kurzurlaub in Slowenien auf Spurensuche der Vorfahren.
Beim Kurzurlaub in Slowenien auf Spurensuche der Vorfahren.
Mit Günter Bischof und Marcel Maister bei einer Buchpräsentation in Damüls.
Mit Günter Bischof und Marcel Maister bei einer Buchpräsentation in Damüls.