Nun befasst sich das Gericht mit dem angeblich falschen Zahnarzt

VN / 27.04.2026 • 08:35 Uhr
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VNDer Angeklagte muss sich am Montag verantworten. Sein Verteidiger ist Rechtsanwalt Martin Trefalt (r.).

Anklagen wegen fahrlässiger Körperverletzung, Betrug und Kurpfuscherei: Am Montag fand der Prozessauftakt gegen den 55-jährigen Unterländer am Landesgericht Feldkirch statt.

Feldkirch Kurz zur Vorgeschichte: Bereits seit dem Jahr 2016 prescht die Vorarlberger Zahnärztekammer gegen einen ihrer Meinung nach „falschen Zahnarzt“ vor. Damals erfuhr die Kammer von einer Firma im Bezirk Bregenz, deren Schild den Anschein erweckte, es handle sich um eine Zahnarztpraxis. Tatsächlich war jedoch keine der dort angeführten Personen als Zahnarzt in der Kammer eingetragen.

Endstation und Hoffnung: Private Insolvenzen sind im Land massiv gestiegen.  VN/Fetz
Heute sitzt der Beschuldige wegen Betrug, fahrlässiger Körperverletzung und Kurpfuscherei auf der Anklagebank am Landesgericht Feldkirch. VN

Ohne Berufsberechtigung

Sie hatten also zu diesem Zeitpunkt keine zahnärztliche Berufsberechtigung in Österreich. Es wurde Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft Bregenz erstattet und ein Verwaltungsstrafverfahren eingeleitet. Wie sich herausstellte, allerdings nur mit eingeschränktem Erfolg. Denn einer der Mitarbeiter dieser angeblichen Praxis gab sich weiterhin als Zahnarzt aus und führte auch Behandlungen durch. Mit haarsträubenden Folgen für unbedarfte Patienten, die sich dem scheinbaren Dentisten anvertrauten.

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Nun sitzt der Mann als Beschuldiger wegen Betrug, fahrlässiger Körperverletzung und Kurpfuscherei auf der Anklagebank am Landesgericht Feldkirch. Es wird ihm vorgeworfen, in insgesamt sechs Zivilverfahren am Landesgericht Feldkirch gewerbsmäßig und unter Benützung einer falschen Urkunde zur Abweisung der jeweiligen Klage zu verleiten versucht zu haben. Damit hätten Klägerinnen und Kläger in einem Vermögen von insgesamt 428.000 Euro übersteigenden Vermögen geschädigt werden sollen.

Laut Anklage hatte der 55-Jährige wahrheitswidrig vorgebracht, ein qualifizierter Zahnarzt zu sein, der seit vielen Jahren praktiziere. Das Studium der Zahnmedizin habe er an der Universität Stellenbosch erfolgreich abgeschlossen. Bei dem ihm verliehenen Diplom handle es sich um ein vollwertiges zahnmedizinisches Studium, welches mit dem Äquivalent in Österreich zumindest vergleichbar sei.

Schwer verschuldet

Die zivilrechtliche Prozesslawine habe den Angeklagten bereits 780.000 Euro gekostet, mit den Hypotheken auf seine Liegenschaften komme er auf eine Summe von zwei Millionen Euro Schulden, gibt er vor Richter Alexander Wehinger an.

Sein Verteidiger Rechtsanwalt Martin Trefalt kritisiert in seinem Eingangsplädoyer wiederholte und erhebliche Verfahrensmängel. So habe die Zahnärztekammer bewusst ihren eigenen Privatgutachter bezüglich zweier geschädigter Patienten bestellt. Das siehe nach Einflussnahme und Befangenheit aus, so Trefalt.

Der Verteidiger weist zudem auf eine Urkunde aus Flandern hin, die seinen Mandanten als Zahnarzt mit einer gleichwertigen Ausbildung wie in Österreich zertifiziere. Er fordert in allen Anklagepunkten einen Freispruch.

“Nicht schuldig”

Der Angeklagte selbst bekennt sich als “nicht schuldig”.

Er sei unter anderem Mitglied der Österreichischen Gesellschaft ästhetischen Zahnheilkunde. „Ich habe etliche Kurse und Vorträge auf Universitäten abgehalten und wurde deshalb von dieser Gesellschaft eingeladen.”

Mitglied der österreichischen Zahnärztekammer zu werden, sei nie seine Intention gewesen. Er habe selbstständig werden wollen und sich vor allem auf Demonstrationen wie etwa das Anbringen von Veniers konzentriert.

Eine “verspielte” Mitarbeiterin

Nun wurden Dokumente aufgefunden, die dem Angeklagten den Doktortitel attestierten. „Das ist Schwachsinn, es gibt kein Dokument, dass mich als Doktor bezeichnet“, behauptet er. Dass dann aber solche aufgefunden wurden, schiebt er seiner Assistentin zu. „Die hat immer mit den Dokumenten und Zertifikaten herumgespielt und wahrscheinlich den Titel hinzugefügt.“

Auf den Hinweis des Richters, dass bereits einige Mitarbeiter im Labor des Beschuldigten wegen falscher Beweisaussage geständig waren und verurteilt wurden, sagt er: “Es gibt viele Menschen, die von mir behandelt wurden und auf Videos lachen. Und plötzlich war es dann nicht mehr so toll.” Hier würden Aussagen gegen Aussagen stehen.

Verhandlung vertagt

Wegen Anträgen auf die Einvernahme von mehreren Zeugen in Südafrika via Zoom, wo der Angeklagte auch aktiv war und ist, beschließt das Gericht am Montag, die Verhandlung zu vertagen.