Kolumne: Normal so an freia Hund
Meine Herkunftsfamilie teilt sich in die einen und die anderen: Die einen leben im Ländle, die anderen in der großen Stadt. Letztes Wochenende haben die einen die anderen besucht, und es war herrlich. Drei Generationen saßen an verschiedenen schönen Orten in Wien herum, aßen zusammen, erzählten sich.
Was Haustiere betrifft, teilt sich meine Verwandtschaft in drei Gruppen: Die erste hat sie, die zweite mag sie, die dritte will mit ihnen lieber nichts zu tun haben.
Nun gehöre ich zu ersten Gruppe, und weil auch die dritte sich vor dem Essen im Restaurant trotzdem zu einem Apéro in meine Wiener Wohnung hat einladen lassen, habe ich meinen Hund gebadet, bis er ganz fluffig und duftig war. Ich habe das Sofa, auf das sich der Hund heimlich legt, wenn ich nicht da bin, sorgfältig enthaart, abgezogen und gewaschen und alle Kissen dazu. Ich habe dreimal gesaugt und einmal nebelfeucht gewischt. Nicht, dass das irgendwer verlangt oder auch nur erwartet hätte! Aber ich freu mich immer, wenn ordentlicher Besuch kommt, denn das ist jedes Mal ein Hygiene-Booster für meine Wohnung, ich weiß das zu schätzen.
Was ich, trotz allen Hundetrainings, nicht verhindern konnte: dass mein Hund wie immer vor Freude komplett durchdreht, wenn Freunde und Verwandte zu Besuch kommen. Der Hund jault hysterisch, bellt in einer trommelfellzerfetzenden Frequenz und wedelt wie ein Derwisch zwischen den Leuten durch. Wobei es dem Hund ganz egal ist, ob da welche darunter sind, die ihn nicht mögen: Er liebt sie alle. Ich schicke ihn zehnmal auf den Platz, aber bevor nicht alle anderen sitzen, kann auch der Hund nicht still sitzen.
Erst wenn das Rudel stabil seine Plätze am Sofa und am Tisch eingenommen hat und mit Getränken versorgt ist, kommt auch der Hund langsam zur Ruhe. Er legt sich in die Mitte und lässt sich denen, die das mögen, den Bauch kraulen. Sobald jemand sich vom Sofa erhebt, springt er wie ein Berserker hoch und legt sich erst auf mein Kommando widerwillig wieder hin, mit dem angefressenen Murren eines grantigen Teenagers. Meine vielen Versicherungen, was des normal für an freia Hund sei, stießen auf glockenhelles Gelächter.
An freia Hund, an freia Mensch: Über diesen Ausdruck denke ich nach, als die einen nach vielen warmen Umarmungen wieder abgereist sind, und ich mit dem Hund aufs Land fahre. So ein schöner Ausdruck eigentlich, den außerhalb des Ländles alle falsch verstehen. Aber vielleicht auch nicht: Wer sich frei fühlt, kann auch zufrieden und entspannt sein. Wie der Hund jetzt, friedlich schlafend in seiner Wiese, während sein Rudel stabil an einem Gartentisch sitzt und schreibt.
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