Neue Einblicke in das Werk von Angelika Kauffmann

Angelika Kauffmann als Meisterin zwischen Malerei und Literatur.
Schwarzenberg Die neue Sommerausstellung mit dem Titel “Erlesen – Angelika Kauffmann und die Literatur” im Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg wurde feierlich eröffnet. Bei strahlendem Frühlingswetter konnte die Begrüßung unter freiem Himmel vor dem Museum stattfinden, wo sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher einfanden, um den Auftakt der Ausstellung in besonderer Atmosphäre mitzuerleben.

Schon die Eröffnung selbst spiegelte die große Wertschätzung wider, die der bedeutenden Künstlerin Angelika Kauffmann entgegengebracht wird. Zur Eröffnung sprachen Bürgermeister Seftone Schmid, Landesrätin Barbara Schöbi-Fink, Sabine Haag, Obfrau des Fördervereins “Freunde Angelika-Kauffmann-Museum”, sowie der Kurator der Ausstellung, Thomas Hirtenfelder. Sie alle betonten die kulturelle Bedeutung des Museumsstandorts Schwarzenberg und hoben hervor, wie aktuell und spannend der Zugang zur Kunst Kauffmanns bis heute ist.

Gelesen, durchdacht, dann festgehalten
In seiner Ansprache zitierte Kurator Thomas Hirtenfelder den Biografen Rossi, der die Arbeitsweise der Künstlerin eindrucksvoll beschreibt: Angelika Kauffmann habe zunächst gelesen, den Stoff eingehend durchdacht und anschließend ihre ersten Ideen rasch mit Feder oder Reißkohle festgehalten, um die Eingebungen der Inspiration nicht zu verlieren. Diese Vorgehensweise, von den ersten inneren Bildern über spontane Ideenskizzen bis hin zur sorgfältig ausgearbeiteten Komposition, gibt einen lebendigen Einblick in ihren künstlerischen Schaffensprozess und macht deutlich, wie eng Denken, Lesen und Malen bei ihr miteinander verbunden waren.

Die Ausstellung widmet sich den Geschichten, die Angelika Kauffmann (1741–1807) in ihren gemalten Werken erzählt. Im Zentrum steht die Frage, auf welche literarischen Quellen die belesene Künstlerin zurückgriff und wie sie diese in ihren Bildern umsetzte. Anhand von Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken aus allen Schaffensperioden wird deutlich, wie eng Literatur und Malerei in ihrem Werk miteinander verbunden sind. Ergänzt wird die Präsentation durch Bücher, Briefe, Ideenskizzen und Ölstudien, die einen faszinierenden Einblick in den Entstehungsprozess ihrer Werke geben.

Mit Goethe befreundet
Die thematische Spannweite reicht von antiken Epen und Tragödien über den italienischen Renaissancedichter Torquato Tasso und den englischen Nationaldichter William Shakespeare bis hin zu Texten der Aufklärung. Zugleich wird deutlich, dass Angelika Kauffmann nicht nur von diesen Werken inspiriert war, sondern auch mit bedeutenden Persönlichkeiten ihrer Zeit in engem Austausch stand. Zu ihrem Freundeskreis zählten unter anderem Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Herder und Friedrich Gottlieb Klopstock. Dabei zeigt sich, dass Kauffmanns Bilder nicht nur betrachtet, sondern auch “gelesen” werden wollen. Besonders bemerkenswert ist ihr Fokus auf weibliche Figuren, die sie bewusst in den Mittelpunkt historischer und mythologischer Szenen rückte, oft als stille Heldinnen jenseits der üblichen Darstellungen.

Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist die Gegenüberstellung von Text und Bild. Sie zeigt anschaulich, dass die dargestellten Szenen nach literarischen Vorlagen entstanden und genau hier setzt die Ausstellung an. Sie möchte dieses heute oft in Vergessenheit geratene Wissen wieder verständlich vermitteln und neu erlebbar machen.

Die Sommerausstellung bietet damit nicht nur einen kunsthistorischen Überblick, sondern lädt dazu ein, Angelika Kauffmanns Werke aus einer neuen Perspektive zu entdecken, als vielschichtige Erzählungen, die Auge und Geist gleichermaßen ansprechen. MAM






