125 Gesichter der Stadt

Das Stadtmuseum Dornbirn macht persönliche Erinnerungen zu gemeinsamer Stadtgeschichte.
Dornbirn Bereits am frühen Samstagvormittag blieben vor dem Stadtmuseum viele Besucherinnen und Besucher stehen, suchten bekannte Gesichter auf den großen Porträts und hörten die Geschichten hinter den Bildern. Punkt 10 Uhr sorgte der Chor “Mann oh Mann” für den musikalischen Auftakt der Aktion “125 Erbstücke”. “Im Jubiläumsjahr ‚125 Jahre Stadterhebung Dornbirn‘ wird sichtbar, dass eine Stadt vor allem von den Menschen lebt, die sie prägen. Vielfalt, Zusammenhalt und das gemeinsame Gestalten der Zukunft machen Dornbirn aus”, betonte Bürgermeister Markus Fäßler in seiner Rede.

Rund um die neu angelegte Museumswiese sowie an der Fassade des Stadtmuseums sind nun die großformatigen Porträts von 125 Dornbirnerinnen und Dornbirnern zu sehen. Hinter jedem Bild verbirgt sich ein persönliches Erbstück – und damit auch eine Geschichte, die oft weit über den materiellen Wert hinausgeht. Die Ausstellung lädt nicht nur zum Betrachten ein. Per QR-Code lassen sich die Interviews direkt an den Porträts abrufen, wodurch die persönlichen Erinnerungen der Beteiligten hörbar werden.

Menschen erzählen
Entstanden ist dabei eine Freiluftausstellung, die Stadtgeschichte aus einer ungewohnten Perspektive erzählt. Nicht Akten oder Chroniken stehen im Mittelpunkt, sondern Menschen und ihre Erinnerungen. “Menschen machen Geschichte”, erklärte Museumsleiterin und Kuratorin Petra Zudrell bereits im Vorfeld. Jeder Mensch lebe in einem Generationenzusammenhang, und genau diese Beziehungen würden durch die mitgebrachten Erbstücke sichtbar werden.

Die Geschichten hinter den Gegenständen sind ebenso unterschiedlich wie die Menschen selbst. Bei den Interviews wurde viel gelacht, manchmal aber auch geweint. So erzählte Helga von einem Wohnungsbrand, bei dem sie alles verlor – bis auf einen Cowboyhut, der heute zu ihrem wichtigsten Erinnerungsstück geworden ist. Gustavo wiederum greift bei Heimweh nach Kolumbien zu einem Anzug aus der Schneiderei seiner Familie. Andere brachten Instrumente, Schmuckstücke, Geschirr oder Alltagsgegenstände mit, die über Generationen weitergegeben wurden.

Die Porträts fügen sich dabei wie Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammen. Sie zeigen Dornbirn als Stadt vieler Geschichten, Kulturen und Lebenswege. Manche Familien leben seit Generationen hier, andere sind erst vor wenigen Jahren angekommen. Gemeinsam erzählen sie dennoch eine Geschichte von Zugehörigkeit.

Auch musikalisch stand der Gemeinschaftsgedanke im Mittelpunkt. Vor und in der Kirche St. Martin kamen Chöre aus ganz Dornbirn zusammen, um gemeinsam die “Ode an die Freude” sowie Lieblingslieder der einzelnen Chöre anzustimmen. Damit wurde der Eröffnungstag nicht zufällig auch zu einem Zeichen des Miteinanders am Europatag.

Bürgermeister Fäßler und Petra Zudrell bedankten sich bei allen Beteiligten, insbesondere bei Journalistin Theresia Bilgeri, die die Interviews führte, Fotografin Sarah Mistura, der Werbeagentur Irr für die grafische Umsetzung sowie dem Werkhof für die technische Realisierung. Aus vielen kleinen Familiengeschichten entstand so ein gemeinsames Stück Dornbirner Geschichte. Hörbar auch unter: stadtmuseum.dornbirn.at. cth







