Bären könnten sich deshalb im Silbertal und Klostertal heimisch fühlen

Der in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nachgewiesene Meister Petz im Silbertal war keine Gefahr für Menschen.
Silbertal, Pfunds, Schwarzach Ein Bär kommt selten allein. Oder war es dasselbe Großraubtier, das vor einer Woche bereits oberhalb von Brand in eine Wildkamera tappte? Tatsache ist: Im Silbertal passierte erneut ein Bär die Linse eines dort an einem Baum fixierten Fotoapparates. “Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um dasselbe Tier handelt wie jenes von Brand, ist groß”, meint Hubert Schatz (61), Wildbiologe des Landes. Den Beweis dafür wird freilich niemand erbringen können. Denn: “Der im Silbertal erfasste Bär hinterließ keinerlei Spuren. Er lief nur an der Kamera vorbei. In Brand machte sich das Tier an einem Leckstein zu schaffen und hinterließ so Spuren”, erklärt Schatz.

Die mächtigen Wanderer
Für Beunruhigung sorgen die Bärennachweise beim Experten nicht. “Dafür besteht derzeit kein Grund. Es handelt sich nicht um ein Tier, das die Nähe menschlicher Siedlungen sucht. So wie das beim Problembär Bruno vor 20 Jahren der Fall war”, betont Schatz. Die in Vorarlberg wahrgenommenen Großraubtiere dürften aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Trentino stammen. In der norditalienischen Provinz gibt es mittlerweile rund 100 Braunbären. Die männlichen Jungtiere begeben sich gerne auf Wanderschaft. Um einen männlichen Jungbären dürfte es sich bei den in Vorarlberg aufgenommenen Großwildtieren auch gehandelt haben.”

Achtung in der Dämmerung
Schatz kann sich nicht vorstellen, dass ein Bär im Brandnertal sesshaft wird. “Im Klostertal oder im hinteren Silbertal oder im Europaschutzgebiet Verwall schließe ich eine längere Aufenthaltsdauer von Bären jedoch nicht grundsätzlich aus. Dort haben sie mehr Platz, könnten sich ein Revier schaffen.”
Mit Wölfen lassen sich nach Ansicht von Schatz die Bären schwer vergleichen. “Bären sind ja auch Grasfresser, sind also nicht zwingend auf Nutz- oder Wildtiere für ihre Nahrung angewiesen. Freilich verschmähen sie diese nicht. Und stoßen sie auf eine Herde, töten sie dann zumeist auch gleich mehrere Tiere.”

Sollte man je einem Bären begegnen, tut man das am ehesten in der Dämmerung oder in der Nacht. Zu diesen Zeiten sind die Großraubtiere am aktivsten. Die in Vorarlberg gesichteten Bären bzw. der eine Bär dürften mutmaßlich nach Tirol weitergewandert sein.

Reproduktion im Trentino
Im Oberinntal sind Hinweise auf junge Trentiner Wanderbären schon fast Routine. “Zwischen dem 13. März und dem 4. Mai hatten wir bereits sieben Nachweise von Bären”, berichtet Dr. Martin Janovsky (56), Sachverständiger für Wildtiere des Landes Tirol. Im Jahr 2025 waren es in Tirol 23 Hinweise, die zweifelsfrei eine Präsenz von Bären belegten. 19 stammen aus dem Tiroler Oberland, vier aus dem Bezirk Lienz. “Die uns zugrunde liegenden Hinweise stammen entweder von Wildkameras oder von Überresten gerissener Tiere, die das Werk eines Bären waren”, erzählt der Experte.
Die in Tirol auf ihrer Wanderschaft durchziehenden Bären kommen laut Janovsky alle aus dem Trentino und sind männliche Jungbären. “Seit Bruno hat keiner die Scheu vor Menschen abgelegt. Der war damals ja auch nicht aggressiv gegenüber Menschen, nur hat er diese nicht gemieden.” Bruno, so berichtet Janovsky, habe eine Art Trauma in der Bevölkerung ausgelöst. “Damit ist es nun aber vorbei.” Der Experte spricht von einer zunehmenden Zahl an Bärenhinweisen in Tirol. “Die Zahl steigt langsam.”

Auf die Welt gekommen sei in Tirol jedoch noch kein Bär. “Die Reproduktion der Bären findet ausschließlich im Trentino statt. Bei uns sesshaft geworden ist noch keines der Großraubtiere.”