Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Streiflicht: Zwölf Nullen und eine Utopie

VN / 16.06.2026 • 15:12 Uhr

Nun also hat die Welt ihren ersten Billionär. Weckt das nicht Träume? Schaut er morgens verschlafen auf sein Konto, lachen ihm zwölf Nullen entgegen. Eigentlich sind es nur elf, weil er 1,1 Billionen Dollar besitzt, aber wir wollen nicht kleinlich sein. Die Boulevardpresse überbietet sich mit Vorschlägen, was man mit so viel Geld tun könnte: 1000 Elbphilharmonien bauen lassen oder 7000 Tonnen Gold kaufen oder 666 Stück der teuersten Yacht der Welt ordern, falls einmal eine auf Grund laufen sollte. So schüren die Medien die Sehnsüchte des kleinen Mannes.

Wie schade, dass Jean Ziegler nicht mehr lebt. Dem Schweizer Soziologen wäre da mehr eingefallen. Der unverdrossene Kämpfer gegen die Armut in der Welt wird mit dem Satz zitiert: Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet. Denn die Weltwirtschaft könnte heute problemlos zwölf Milliarden Menschen ernähren. Das tut sie aber nicht, weil die Gaben ungleich verteilt werden.

Damit stehen wir wieder am Anfang. Auf der einen Seite die traumhaft reichen Billionäre – es werden gewiss weitere folgen, einer allein kann ja nicht mit seinesgleichen dinieren. Auf der anderen Seite die sozialen Träumer. „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen: So sollte die Gesellschaft sein.“ Daran hielt Jean Ziegler bis an sein Lebensende fest. Auch ein Traum, nicht weniger utopisch. Aber so viel sympathischer . . .