Warum mehr Frauen ihr Kind zu Hause bekommen wollen

Hausgeburten sind in Vorarlberg keine Seltenheit mehr.
Lustenau Für die Geburt ihres Kindes haben sich Julia Rhomberg und ihr Mann Matthias ganz bewusst für eine Hausgeburt entschieden. Das bedeutet, dass sie ihr Baby in den eigenen vier Wänden zur Welt bringen möchten. “Meine Schwägerin und mein Bruder haben so davon geschwärmt, dass auch wir diese Geburtsform gewählt haben”, erzählt die hochschwangere Julia aus Lustenau zufrieden. Sie fühlt sich zu Hause am wohlsten und möchte ihr Kind in vertrauter Umgebung zur Welt bringen – statt im Krankenhaus. “Hier ist es intimer und viel entspannter”, sagt sie. Um diesen Wunsch zu realisieren, hat sie Kontakt zu Hebammen aufgenommen, die auf Hausgeburten spezialisiert sind. Sie stehen auf Abruf bereit.


Eins-zu-eins-Betreuung als großer Vorteil
Zum letzten Vorsorgetermin vor der Geburt kommt Hebamme Simone Vögel aus Nüziders zu Besuch. Gemeinsam mit drei Kolleginnen bietet sie Hausgeburten in ganz Vorarlberg an. “Wir arbeiten im Team. Sobald die Wehen beginnen, kommt die Ersthebamme. Wenn es Richtung Geburt geht, unterstützt eine zweite Kollegin”, erklärt Simone Vögel. Die werdenden Eltern profitieren dabei von einer persönlichen Betreuung – ein Luxus, auf den viele nicht verzichten möchten. “So können wir Kind und Mutter optimal begleiten, auch wenn etwas von der Norm abweicht”, betont die Hebamme. Hausgeburten seien, so Simone Vögel, bei gesunden Müttern und Kindern eine sichere Alternative zu Krankenhausgeburten. Das Team der Ländlehebammen hat zudem ein eigenes Sicherheitskriterium eingeführt: “Wir nehmen nur Hausgeburten an, wenn das nächste Krankenhaus maximal 30 Minuten entfernt ist”, betont Vögel. Die vier Hebammen – Magdalena Fink aus Bregenz, Simone Vögel aus Nüziders, Melanie Matt aus Satteins und Alexandra Tschamon aus Bludenz – sind in ganz Vorarlberg unterwegs.


Frauen die Wahl lassen
Nicht jede Frau fühlt sich im Krankenhaus wohl. “Ich fühle mich mit dieser Entscheidung sehr gut. Mir ist aber auch bewusst, dass wir bei Komplikationen sofort ins Krankenhaus fahren”, sagt Julia Rhomberg. Für die Geburt bringen die Hebammen zahlreiche Utensilien mit: “Wir haben einen Gebärhocker, einen Geburtspool – das ist ein verstärktes Planschbecken – und weitere Ausrüstungsgegenstände dabei, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein”, erklärt Hebamme Simone Vögel. Ihr ist es wichtig, dass die Mütter selbstbestimmt entscheiden können, wo sie gebären möchten. “Auch für den Vater ist eine Hausgeburt ein ganz besonderes Erlebnis”, sagt sie. Der werdende Vater Matthias Rhomberg freut sich: “Der persönliche Kontakt zu den Hebammen und das Vertraute geben uns Sicherheit. Das ist ein beruhigendes Gefühl.” Die Krankenkasse erstattet den Paaren rund ein Drittel der Geburtskosten zurück.

Nachfrage nach Hausgeburten steigt
Immer mehr Frauen entscheiden sich für eine Geburt außerhalb des Krankenhauses. “In den vergangenen Monaten verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg der Anfragen”, berichtet Hebamme Magdalena Fink. Mit den Schließungen der Geburtenstationen in Bludenz und demnächst auch in Dornbirn habe dies jedoch nichts zu tun. Die Veränderungen in der Spitalslandschaft wirken sich allerdings auf den Wirkungsbereich der Hebammen aus. “Wir können Frauen im hinteren Montafon oder im hinteren Bregenzerwald leider nicht betreuen, da der Weg zum nächsten Krankenhaus länger als 30 Minuten dauert”, erklärt sie. Für die vier Hebammen haben Geburten immer einen magischen Moment. Jene zu Hause noch ein bisschen mehr. BVS
