Europa durch Lehrlingsaugen

VN / 23.06.2026 • 07:51 Uhr
Mit viel Fantasie setzten sich die Lehrlinge der Landesberufsschule Dornbirn 1 mit Europa auseinander.
Mit viel Fantasie setzten sich die Lehrlinge der Landesberufsschule Dornbirn 1 mit Europa auseinander.Carmen Thurnher

Ein kreativer Arbeitsauftrag an der LBS Dornbirn 1 fand sogar in Brüssel Beachtung.

Dornbirn Wie sieht Europa aus, wenn man es als Tier zeichnet? Dieser ungewöhnlichen Frage gingen Lehrlinge der Landesberufsschule Dornbirn 1 im Fach “Politische Bildung” nach. Entstanden sind dabei fantasievolle Wesen mit Namen wie “Eurodrago”, “Eurokrake”, “Euroluchs” oder “Virellon”, die Werte wie Frieden, Freiheit, Zusammenhalt und Vielfalt verkörpern. Die kreativen Arbeiten sorgten nicht nur im Klassenzimmer für Begeisterung, sondern fanden sogar den Weg nach Brüssel. Dort wurden sie von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen persönlich gewürdigt.

Die Lehrlinge verliehen Europa mit ihren fantasievollen Wesen ein ganz eigenes Gesicht.
Die Lehrlinge verliehen Europa mit ihren fantasievollen Wesen ein ganz eigenes Gesicht.

Europa einmal anders gedacht

Initiator des Projekts ist Berufsschullehrer Christoph Rinderer. Den Arbeitsauftrag “Das Europatier” setzte er in den Klassen T3D der Tischlerlehrlinge sowie BZ3D der Bauzeichnerinnen und Bauzeichner um. Ziel war es, den oft abstrakten Begriff Europa greifbarer zu machen und eine kreative Auseinandersetzung mit europäischen Werten anzustoßen. “Europa wird von vielen jungen Menschen als etwas Fernes wahrgenommen, obwohl zahlreiche Entscheidungen des täglichen Lebens auf europäischer Ebene getroffen werden. Genau hier setzte das Projekt an”, erklärt der Berufsschullehrer.

Die kreativen „Europatiere“ der Lehrlinge fanden sogar den Weg nach Brüssel.
Die kreativen “Europatiere” der Lehrlinge fanden sogar den Weg nach Brüssel.

Die Lehrlinge erhielten ein leeres Blatt Papier und die Aufgabe, ein Europatier zu entwerfen. Anschließend präsentierten sie ihre Werke vor der Klasse und erklärten deren Bedeutung. So standen Adlerflügel für Freiheit, Löwenkörper für Stärke, Delphinschwänze für Zusammenarbeit und Schildkrötenpanzer für Sicherheit. Andere Jugendliche verbanden Europa mit Klimaschutz, Weltoffenheit, Demokratie oder wirtschaftlicher Stärke. Und das sehr kreativ. So beschrieb ein Lehrling seinen “Eurocapybara” als Sinnbild für ein friedliches Miteinander unterschiedlicher Menschen. Eine andere Schülerin erfand mit dem “Euromyzel” ein unterirdisches Wurzelnetz, das wächst, wenn Menschen aus verschiedenen Ländern Freundschaften schließen. Wieder andere gestalteten Drachen, Füchse oder Mischwesen, die unterschiedliche europäische Werte in sich vereinten. Die Präsentationen der Lehrlinge haben Rinderer sehr beeindruckt: “Ich war bei der Vorstellung der Arbeiten von einem Gefühl der Dankbarkeit überwältigt”, freut sich der Pädagoge.

Antwort aus Brüssel

Besonders stolz machte Rinderer, dass die Zeichnungen nicht einfach in einer Mappe verschwanden. Wie bereits bei früheren Durchführungen des Projekts schickte er die Arbeiten nach Brüssel. Tatsächlich erhielt er erneut eine Antwort von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. In ihrem Schreiben bedankte sie sich für die kreativen Zeichnungen der Lehrlinge und deren Gedanken zum Thema Europa. Der Einfallsreichtum der Jugendlichen sei beeindruckend, schrieb sie, und freute sich über das positive Bild, das die junge Generation von Europa habe. cth