“Der hohe Preis ist nicht nachvollziehbar” – Neues VVV-Tarifsystem sorgt bei vielen für Kritik

Thomas Schwind zahlte für sein Ticket 163 Prozent mehr als zuvor – so reagiert der Vorarlberger Verkehrsverbund.
Frastanz, Rankweil Viele Fahrgäste öffentlicher Verkehrsmittel haben sich bei den VN und VOL.AT gemeldet und die Ticketpreise kritisiert. Seit der Einführung des neuen Tarifsystems des Vorarlberger Verkehrsverbundes (VVV) vor einem Monat sind gewisse Fahrten deutlich teurer geworden. Speziell der Fall von Thomas Schwind sticht mit einer Preissteigerung von 163 Prozent hervor.
Maximo-Ticket im Fokus der Kritik
Schwind (46) ist vor Kurzem mit dem Zug von Frastanz nach Rankweil gefahren: “Ich habe für die Hin- und Rückfahrt mit insgesamt 20 Minuten Fahrzeit 18,40 Euro bezahlt. Der Preis ist für eine so kurze Strecke nicht nachvollziehbar.”

Da Rankweil nicht in derselben Regio-Zone wie Frastanz liegt, benötigte er ein Maximo-Ticket. Während das Tagesticket zuvor sieben Euro kostete, musste er nun mehr als doppelt so viel bezahlen. Der Preis stieg damit um 163 Prozent. “Klar, man muss irgendwo die Zonengrenze ziehen. Aber das vorherige System mit den Dominos war einfacher und superflexibel.”

Laut VVV gab es beim früheren Dominosystem häufig Kritik an den Zonengrenzen, weshalb diese mit den größeren Zonen des neuen Tarifsystems entschärft worden seien. “Das bisherige Tarifsystem wurde radikal vereinfacht. Der Preis spielt dabei eine untergeordnete Rolle”, heißt es. Es sei ein wenig mit dem Autofahren vergleichbar. “Menschen nutzen das eigene Fahrzeug, weil es einfach ist: einsteigen und losfahren. Die wenigsten machen sich dabei Gedanken, wie viel der nächste Besuch an der Tankstelle kosten wird. Eine Tankfüllung kostet schon so viel, dass man mit rund fünf- bis sechsmal Tanken bereits die Jahreskarte bezahlt hat.”

Als Gelegenheitsfahrerin sieht Hildegard Haßmann das anders. Von Rankweil aus zahlt sie seit der Tarifänderung für ihre vereinzelten Besuche in Bregenz mit ihrem Mann nun deutlich mehr. Sie braucht für die Hin- und Rückfahrt zwei 24-Stunden-Maximotickets für insgesamt 36,80 Euro. “Jeder sagt, man soll auf die Öffis umsteigen, aber so bringt man niemanden dazu. Da ist der Tank für die Strecke inklusive Parken billiger”, sagt die 69-Jährige.

Auffällig ist, dass es sich bei den eingelangten Kritiken überwiegend um Gelegenheitsfahrer handelt, die ein 24-Stunden-Maximo-Ticket brauchen. Der Hinweis des VVV, dass das Ticket nun nicht mehr nur am selben Tag, sondern tatsächlich 24 Stunden gültig ist, sei für keinen dieser Betroffenen von Nutzen.
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Nach Angaben des VVV profitieren 85 Prozent von der neuen Tarifwelt oder fahren zumindest zum selben Preis wie zuvor. Fälle wie jene von Schwind und Haßmann seien Ausnahmen. Im Schnitt sei nicht einmal ein Ticket pro Tag derart von der Anpassung betroffen. “Das ist vorarlbergweit weniger als ein Promille, also ein Tausendstel, aller Fahrten von Gelegenheitsfahrern mit Einzel- und Tagesfahrscheinen.”
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Besonderheiten des Tarifsystems
Das Interessante an Schwinds Fall (wobei dies kein Einzelfall ist): Wenn er von Frastanz nach Feldkirch fahren würde, sich dort seine Pläne spontan ändern und er doch nach Rankweil müsste, würde er mit zwei verschiedenen Tickets 4,80 Euro zahlen. Das wäre genau die Hälfte eines direkten Tickets. Als offizielle Umgehung sei dies laut VVV jedoch nicht erlaubt: “Eine Kombination von Zonen für einen Fahrschein ist nicht möglich.”
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Auch bei Monatstickets gibt es ähnliche Fälle. Wer zum Beispiel eines für Bregenz und Dornbirn braucht, zahlt von diesen Standorten aus 70,00 Euro (Regio). Wenn man stattdessen ein Lokal-Monatsticket für Kennelbach, Wolfurt, Lauterach oder Schwarzach kaufen würde, kommt man auf 35 Euro. Bregenz und Dornbirn sind dann inklusive.