Ersthelferin mahnt: “Was ist schon ein Warnschild gegen ein Menschenleben?”

VN / 01.07.2026 • 18:20 Uhr
Ersthelferin mahnt: "Was ist schon ein Warnschild gegen ein Menschenleben?"
Brigitte Matthä (63) wurde zur unmittelbaren Zeugin und Ersthelferin des Badeunfalls an der Ill, der drei Menschen das Leben kostete. vn/gs

Unfalltragödie an der Ill: Brigitte Matthä setzte als Erste den Notruf ab und reanimierte das zehnjährige Kind gemeinsam mit Feuerwehrleuten. Nun dankt sie den Rettungskräften, kritisiert aber gleichzeitig mangelnde Warnhinweise.

Bludenz Der Schock nach dem tödlichen Badeunfall an der Ill in Bürs am vergangenen Sonntagabend sitzt tief. Drei Menschen starben, nachdem sie in den Strudel einer Wasserwalze geraten waren. Ein 10-jähriger Bub, sein 40-jähriger Vater und dessen 22-jähriger Bekannter.

Dramatische Minuten

Brigitte Matthä (63) wurde nicht nur Zeugin des schrecklichen Ereignisses, sondern auch unmittelbare Beteiligte – eine Ersthelferin. “Mein Mann und ich waren am späten Sonntagnachmittag mit unseren Hunden an der Ill spazieren, als ich plötzlich ein Kind leblos und mit dem Gesicht nach unten in der Ill treiben sah”, schildert sie den VN das Geschehen.

Ersthelferin mahnt: "Was ist schon ein Warnschild gegen ein Menschenleben?"
An dieser Stelle wurde das Kind aus dem Fluss gezogen.Hofmeister

“Mit lauten Hilferufen konnten wir drei Männer, die sich auf der anderen Seite der Ill befanden, auf die Situation aufmerksam machen. Sie liefen sofort los und konnten das Kind aus dem Wasser bergen. Ich selbst setzte umgehend einen Notruf ab, eilte über die Brücke zum anderen Ufer und begann gemeinsam mit zwei bereits eingetroffenen Bürser Feuerwehrmännern durch Druckmassage und Beatmung mit der Reanimation des Buben, bis die Rettung und der Notarzt eintrafen.”

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“Alles Menschenmögliche versucht”

Doch die Verletzungen des Zehnjährigen waren zu schwer. Er verstarb später im Krankenhaus. So wie sein Vater. Brigitte Matthä betont, dass die Rettungskräfte alles Menschenmögliche versucht hatten, die Leben der Verunfallten zu retten.

“Ihnen gilt unsere Hochachtung. Ich danke dem Notarzt, den Sanitätern, der Wasserrettung, den Feuerwehren von Bürs und Nüziders sowie der Polizei und dem Kriseninterventionsteam”, so die 63-Jährige aus Nüziders.

Ersthelferin mahnt: "Was ist schon ein Warnschild gegen ein Menschenleben?"
Die verhängnisvolle Wasserwalze am Unteren Illrain, wo die Tragödie ihren Anfang nahm.Dennis Strobel

Kein Warnhinweis

Gleichzeitig jedoch spart Matthä nicht mit Kritik. So ist es ihr unverständlich, weshalb an der Stelle der heimtückischen Wasserwalze, die drei Menschen das Leben gekostet hat, keine Hinweise auf die tödliche Gefahr zu finden sind. “Man müsste dort unbedingt mehrsprachige Warntafeln aufstellen. Denn in diesem Bereich sind im Sommer immer zahlreiche Personen anzutreffen”, mahnt die 63-Jährige.

Stellungnahme des Landes

Doch wer ist dafür zuständig? Die VN holten bei Wolfram Hanefeld, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft bei der Vorarlberger Landesregierung, eine Stellungnahme ein. Hanefeld wörtlich: “Bei der betreffenden Stelle handelt es sich um keine offizielle Badestelle, sondern um ein öffentliches Gewässer. Entscheidungen über allfällige Beschilderungen oder sonstige Maßnahmen vor Ort liegen grundsätzlich nicht im Zuständigkeitsbereich der Abteilung Wasserwirtschaft bzw. des Landes Vorarlberg. Unabhängig davon ist es dem Land Vorarlberg ein wichtiges Anliegen, dass öffentliche Gewässer für die Bevölkerung zugänglich bleiben. Würde man jedoch sämtliche potenziellen Gefahrenstellen absichern oder absperren, müsste letztlich ein Großteil unserer öffentlichen Gewässer eingezäunt werden. Gerade im Bereich öffentlicher Gewässer kommt der Eigenverantwortung daher eine besondere Bedeutung zu.”

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Der tragische Unfall an der Ill mache einmal mehr deutlich, wie wichtig die Bewusstseinsbildung für diese Risiken ist. An diese Aktivitäten werde seitens “Sicheres Vorarlberg” angeknüpft, und es werden Gespräche geführt werden, wie die Bevölkerung künftig noch gezielter über die besonderen Gefahren informiert werden könne.

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