Reinhold Bilgeri

Kommentar

Reinhold Bilgeri

Kommentar: Der Rufer in der Wüste (1)

VN / 15.07.2026 • 16:13 Uhr

Als wir uns gerade auf den glühenden Sonnentreppen am Emsbach die Hintern verbrannten, die Frau Ammann und ich, kamen wir wiedermal auf’s brennendste Thema: Wohin mit der Hitze? Was wird werden, wenn wir zu lange zu wenig tun? Wie kann die Wissenschaft endlich die “Ungläubigen” oder Wissenschaftsskeptiker überzeugen, dass wir selbst die Mitverursacher sind, aber auch die möglichen Verhinderer der Katastrophe werden könnten, wenn wir bloß die geplanten Ziele umsetzten.

Frau Ammann erzählt mir immer wieder von einem Mann, dessen Eloquenz und Temperament helfen könnten, die Massen zu überzeugen. Harald Lesch heißt er. Ein Professor für Astrophysik und Naturphilosophie, ein Wissenschaftsjournalist, der mit klarer Sprache auskommt, ganz ohne fachspezifische Abgehobenheit und dennoch Durchblick verschafft. Ein überzeugender Erklärer, der Fakten und Meinungen ihren Platz zuweist. Sie hat ihn gesehen, wie er anlässlich einer Klimademo hemdsärmelig und zornig auf die Ladefläche eines LKWs gestiegen ist und ins Mikro hämmerte:

“Die Lage, liebe Leute, ist so kacke, das kann doch nicht wahr sein – die Deutsche Klimaforschung hat in den letzten Jahren mal Folgendes zusammengetragen: 1. Der Klimawandel ist real! 2. Er ist gefährlich! 3. Wir sind die Ursache! 4. Die Fachleute sind sich einig: Wir können noch was tun! Aber dazu gehört nicht, sich bei Öl- und Gaskonzernen die Argumente zu holen, um die Erneuerbaren zu beschädigen.”

Frau Ammann hat ihn gefilmt bei seiner Brandrede. Sie wollte streng formulierte Fakten sammeln gegen Klimaleugner und den skeptischen “Hausverstand”, der zwischen Stammtischen und Parteizentralen schwebt, die meinen, es besser zu wissen als Generationen von Klimaforschern, die sich seit 130 Jahren mit der Materie befassen.

“Ganz egal, was in den Parteiprogrammen steht”, ruft er, “die Natur ist kein Parteimitglied!” Der Natur sind Parteiprogramme völlig wurscht, sie reagiert ganz empathielos auf die “Sünden”, die wir begehen oder begangen haben.

Lesch weiter: “Wir unterrichten bereits in den ersten Semestern, dass Verbrennungsprozesse viel ineffizienter sind als die Erneuerbaren. Und das, was man momentan vorhat, ist ungefähr so, als wenn jemand zu euch nach Haus kommt und sagt: Der Induktionsherd, der muss raus, jetzt wird wieder auf offenem Feuer gekocht, LEDs raus, wir erleuchten unsere Räume wieder mit Fackeln. Zurück in die Steinzeit … und möglichst dahin, wo all diejenigen Geld verdienen mit etwas, das uns noch Jahrzehnte oder Jahrhunderte Probleme machen wird. Wie bescheuert sind wir denn eigentlich?!”

Sowas geschieht, “wenn gesicherte Erkenntnis auf ein Weltbild trifft, das sich gegen Veränderungen sperrt”, ruft er, weil sehr wahrscheinlich unangenehme Folgen zu ertragen wären, die aber notwendig sind, um uns zu retten. Wir sollten das nächste Mal wirklich genau überlegen, wes Geistes diejenigen sind, die wir an die Spitze unserer Entscheidungsträger wählen.