„Im Gefängnis erschien mir Gott“

VN / 16.07.2026 • 14:23 Uhr
„Im Gefängnis erschien mir Gott“
Die Angeklagten machten vor Gericht keinen Hehl vor ihrer Schuld. Eckert (2)

Chilenisches Einbrecherquartett zu langen Haftstrafen verurteilt.

Feldkirch Die am Landesgericht Feldkirch angeklagten Männer sind 26, 32, 35 und 47 Jahre alt, stammen alle aus Chile und verabredeten sich über SoCal Media zu Einbrüchen in Europa. Sie nahmen die lange Reise auf sich, um hier zu schnellem Geld zu kommen, so die Staatsanwaltschaft.

Dabei war ihre finanzielle Lage in Chile nicht unbedingt von größter Armut geprägt. Einer ist Student, ein anderer hat Marketing studiert und betrieb ein Parfumgeschäft, der Dritte war Immobilienmakler und der Vierte hatte ein Transportunternehmen. Obwohl sie sich größtenteils geständig zeigen, geben sie in ihrer Befragung unterschiedliche Motive an, warum sie nach Europa kamen. Zwei räumen ein, für die Einbrüche hergekommen zu sein, einer behauptet, er habe „Europa“ kennenlernen wollen, sein Kumpel gibt an, er habe sich Arbeit suchen wollen.

Professionell organisiert

Staatsanwalt Elias Zortea führt aus, dass die Vorgehensweise bei den Taten in Salzburg, Tirol und Vorarlberg immer dieselbe war. Insgesamt wurden mindestens zehn Einbrüche nachgewiesen. Die vier mieteten sich in Pensionen oder anderen Unterkünften ein und kundschafteten geeignete Objekte aus. Dann besorgten sie sich im Bauhaus Werkzeug und machten sich nachts auf den Weg. Seitenschneider, Brechstange, Handschuhe und andere Einbruchswerkzeuge wurden sichergestellt. Einer der Männer fungierte als Chauffeur des Mietautos, ein anderer passte auf und die restlichen zwei stiegen in die Wohnhäuser ein. Fenster und Türen wurden eingeschlagen oder aufgehebelt.

An Beweisen gibt es mehr als genug. Von DNA-Spuren über Fußabdrücke, GPS-Daten des Mietwagens, Fotos von Objekten und Beute. Die Chilenen entschieden sich somit zu Geständnissen.

Auffallend reumütig

Seit Dezember sitzen sie nun in U-Haft und zeigen sich auffallend reumütig. Der 26-Jährige behauptet sogar, ihm sei im Gefängnis Gott erschienen. „Ich stehe jeden Tag um sechs Uhr auf, um die Bibel zu lesen“, gibt er unter Tränen an. In Vorarlberg waren es drei Wohnstätten, zwei in Bregenz und eine in Lochau, die von den Einbrechern heimgesucht wurden. Die Beute war hauptsächlich Schmuck.  Die Kriminaltouristen waren in Salzburg, Tirol und Vorarlberg aktiv, die Höhe der Beute beziffert die Anklagebehörde mit 56.000 Euro, ergaunert innerhalb eines Monates.  Ein Teil konnte allerdings sichergestellt werden.

Die Ganoven waren so dreist, ihre Einbruchstouren fortzusetzen, obwohl sie bereits einmal beobachtet worden waren. Schlussendlich wurden sie in Tirol festgenommen. Für die krummen Touren werden die vier Profieinbrecher zu drei Jahren, dreieinhalb Jahren, drei Jahren und acht Monaten und fünf Jahren Haftstrafe verurteilt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig, denn dem Staatsanwalt ist die Strafe zu niedrig

„Im Gefängnis erschien mir Gott“
Ein Einbruchsopfer brachte einen leeren Tresor zum Landesgericht.

Tresor unterm Arm

Ein Bregenzer, in dessen Wohnung eingebrochen wurde, ist als Zeuge geladen. Er erzählt, was gestohlen wurde und dass er später bei Gartenarbeiten noch den kleineren, geöffneten, leeren Tresor seines Sohnes fand. Er meldete sich bei der Polizei, weil er diesen Fund für wichtig hielt. Doch obwohl nach dem Einbruch aufwendig Spuren gesichert und Einvernahmen durchgeführt wurden, bestand an dem Tresor keinerlei Interesse mehr. „Sie sagten, der Akt sei nicht auffindbar, der Fund könne nicht zugeordnet werden“, berichtet das Einbruchsopfer. So nahm der Zeuge den Tresor kurzerhand mit zur Hauptverhandlung, ließ ihn an der Pforte beim Portier und berichtete Richterin Kathrin Feurle von den Aussagen der Polizeibeamten. Hätte man den Tresor gebraucht, wäre er zumindest jetzt den Einbrechern zuordenbar gewesen.