Streiflicht: Nie mehr Urlaub
“Ich hab’ halt nie mehr Urlaub!”, ruft der Grauschopf in gespielter Bestürzung und lacht fröhlich. So fühlt sich also die Pension an: kein Wecker mehr, leere Strände am Dienstag, das Museum um zehn. Alles, wo und wann man will.
Nie mehr auf die wenigen freien Wochen angewiesen sein, die das Gesetz und der Arbeitgeber gewähren. Nie wieder auf diesen einen Tag hinarbeiten müssen, an dem alles fertig sein muss: Übergaben erledigen, das Telefon umstellen, die Abwesenheitsnotiz schreiben, das E‑Mail‑Postfach leeren. Ist der Zug gebucht? Hat das Hotel bestätigt? Wird der Strand schön sein?
Nie mehr Urlaub nehmen müssen, weil der jetzt keine Unterbrechung mehr, sondern Alltag ist. Die Frage ist nur: Stirbt mit der Unterbrechung nicht auch die Vorfreude, das Kribbeln, die Erwartung? Nie mehr Tage zählen. Echt jetzt? Nie mehr Urlaub, das klingt wie nie mehr Schule. Leidgeprüfte werden heftig nicken. Aber ein Leben ohne große Ferien?
Jeder Weg am alten Gymnasium vorbei weckt Erinnerungen. Die Erinnerungen an die letzten, verheißungsvollen Tage vor Schulschluss zählen zu den süßesten.
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