Mehr Hitze, weniger Klimaschutz

VN / 05.08.2026 • 13:19 Uhr
Mehr Hitze, weniger Klimaschutz
Weniger Beton, mehr Entsiegelung und Begrünung: Das ist die Richtung, in die sich Gemeinden in Zukunft entwickeln müssen, sagen Experten.APA

Trotz immer mehr Hitzetagen stößt Vorarlberg deutlich mehr CO₂ aus als geplant. Experten fordern eine Kurskorrektur.

Schwarzach “Die Hitze holt uns schneller ein, als uns lieb ist”, sagt Christof Drexel. Für den Initiator und bisherigen Obmann des Vereins “Klima vor” sind die aktuellen Entwicklungen ein deutliches Warnsignal. Mehr als 30 Hitzetage hat Vorarlberg heuer bereits erlebt – doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr und rund zehnmal mehr als im Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. Gleichzeitig verfehlt das Land nach Ansicht von Klima VOR! seine selbst gesteckten Klimaziele.

Laut “Klima vor” lagen die CO₂-Emissionen Vorarlbergs 2024 bei rund 1,8 Millionen Tonnen. Damit liegen sie deutlich über dem Zielwert von 1,2 Millionen Tonnen CO₂, den das Land für 2030 erreichen will.

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Klimaschutz gerät ins Hintertreffen

Aus Sicht des Vereins reagiert die Politik bislang vor allem auf die Folgen der Erderwärmung. Das Land erließ angesichts der Trockenheit eine Verordnung gegen die Gefahr von Waldbränden, auf Bundesebene kündigte Umweltminister Norbert Totschnig ein Wasserentnahmeregister an. Beim Klimaschutz sieht “Klima vor” hingegen Rückschritte: Förderungen für Klimamaßnahmen würden reduziert, viele klimaschädliche Subventionen blieben bestehen. Zudem würden Klimaziele infrage gestellt und bereits beschlossene Regeln wie das Verbrenner-Aus wieder zurückgenommen.

Drexel warnt davor, sich nur auf die Anpassung an steigende Temperaturen zu konzentrieren. “Wir werden beim Anpassen immer zu langsam sein.” Wenn der nächste Hitzerekord komme, würden Maßnahmen gesetzt, die vielleicht gerade noch für diese Situation ausreichen. “Aber im übernächsten Jahr haben wir dann vielleicht schon 43 Grad.”

Mehr Hitze, weniger Klimaschutz
Christof Drexel vom Verein “Klima vor” fordert wieder einen stärkeren Fokus auf Klimaschutz, nicht nur auf Klimawandelanpassung. Markus Gmeiner

Vorbild Wien

Ein wichtiger Hebel liegt für Drexel im Gebäudebereich. Der “Klima-vor”-Initiator war mit seinem früheren Unternehmen jahrzehntelang im Bereich Heizung, Lüftung und Kühlung tätig. “Energieeffizienz hilft gegen Kälte, aber auch gegen Hitze.” Vorarlberg sei in diesem Bereich bereits gut aufgestellt, habe aber noch Potenzial – sowohl bei Neubauten als auch bei Sanierungen. Auch Wärmepumpen könnten einen Beitrag leisten. “Sie können zusätzlich dafür sorgen, dass es im Sommer durch die passive Kühlung angenehm bleibt.” Ganz ohne Klimaanlagen werde es künftig dennoch nicht mehr gehen.

Grüne wollen Hitzefonds

Nicht nur Gebäude, auch der öffentliche Raum entscheidet darüber, wie gut Gemeinden mit der Hitze umgehen können. Drexel verweist auf Wien, wo bei der Neugestaltung öffentlicher Flächen ein Verschattungsgrad von 60 Prozent vorgeschrieben ist. Die Grünen fordern in diesem Zusammenhang einen Hitzeschutzfonds, mit dem Gemeinden rasch Maßnahmen wie mehr Begrünung, Entsiegelung, Trinkbrunnen und Verschattung umsetzen können. “Beton muss aufgerissen werden, damit keine Hitzeinseln entstehen”, sagt Raumplanungssprecher Bernhard Weber.

Neben der Anpassung müsse aber der Klimaschutz wieder stärker in den Mittelpunkt rücken, sagt Drexel. “Das Auto wird wieder viel stärker bevorzugt. Radwege werden nicht mehr oder viel weniger ausgebaut, Gemeinden bekommen dafür keine ausreichende Unterstützung.” Gleichzeitig fließe wieder mehr Geld in Straßenbau, Asphaltierung und Versiegelung. Auch die S 18 sieht Drexel in diesem Zusammenhang kritisch. “Es wäre sehr vernünftig, sich von der S 18 zu verabschieden und das Geld woanders reinzustecken.”

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Rentabler Klimaschutz

Dem Argument, Klimaschutz sei grundsätzlich zu teuer, widerspricht Drexel. “Etwa zwei Drittel der Emissionen können wirtschaftlich rentabel vermieden werden.” Wärmepumpen, energieeffiziente Gebäude und Elektromobilität seien Beispiele dafür. Die Diskussion, dass Klimaschutz teuer sei, beginne erst beim letzten Drittel der notwendigen Maßnahmen. “Und dort sind wir noch gar nicht angelangt.”

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